40.000
  • Startseite
  • » Pendeln und ständige Erreichbarkeit machen viele krank
  • Aus unserem Archiv
    Berlin

    Pendeln und ständige Erreichbarkeit machen viele krank

    Von neun bis fünf im Büro? So langweilig ein gleichmäßiger Joballtag sein kann - er schützt vor krankmachendem Stress. Millionen leiden darunter, dass Pendeln und Beruf immer mehr Zeit aufsaugen. Wer pendeln muss, sollte um flexible Arbeitszeiten bitten.

    Pendeln schlägt vielen auf die Gesundheit
    Foto: DPA

    Viele Arbeitnehmer in Deutschland fühlen sich durch immer längere Arbeitswege, ständige Erreichbarkeit und Überstunden überlastet. Psychische Beschwerden sind laut dem Fehlzeiten-Report 2012 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) häufig die Folge. «Flexibilität braucht ihre Grenzen», forderte Herausgeber Helmut Schröder am Donnerstag (16. August) in Berlin.

    Menschen, die Beruf und Freizeit nicht miteinander vereinbaren können, klagen über mehr als doppelt so viele Symptome wie Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Kopfschmerzen wie der Durchschnitt. Wer häufig private Aktivitäten wegen des Jobs verschiebt, an Sonntagen arbeitet oder viele Überstunden macht, hat häufiger psychische Beschwerden. Viele können nicht abschalten.

    Es sei zwar gut für die Gesundheit, wenn Beschäftigte ihre Arbeit räumlich und zeitlich an die eigenen Bedürfnisse anpassen können, so Schröder. Nur: Offenbar gelingt dies oft nicht.

    Mehr als jeder dritte Erwerbstätige erhielt binnen vier Wochen häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit oder leistete Überstunden. Mehr als jeder zehnte nimmt Arbeit mit nach Hause. Fast jeder achte Beschäftigte gibt an, dass er Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit hat. Die Folge ist, dass Betroffene mehr an psychischen Beschwerden leiden als andere.

    Insgesamt sind laut WIdO rund 40 Prozent der Berufstätigen entweder Wochenendpendler, fahren täglich mindestens eine Stunde zur Arbeit oder haben ihren Wohnort aufgrund beruflicher Anforderungen gewechselt. Zwar vermeiden sie dadurch oft Arbeitslosigkeit oder sichern sich Aufstiegschancen. Doch die Belastung durch übermäßiges Pendeln gehe mit einer Zunahme von psychischen Beschwerden wie Erschöpfung oder Niedergeschlagenheit einher.

    Bereits mehrmals zeigten Studien negative Auswirkungen von Pendeln oder einer weitgehenden Unterordnung des Privaten unter die Anforderungen des Jobs. So wies die Techniker Krankenkasse (TK) im Juni in einem Report nach: Psychische Störungen kommen häufiger bei Menschen vor, die oft ihren Job oder ihren Wohnort wechseln.

    Das Problem dürfte zunehmen - zumindest wenn man offiziellen Statistiken folgt. Denn Pendler nehmen immer längere Wege zur Arbeit in Kauf. Die Distanz von der Haustür bis zum Büro betrug zuletzt im Schnitt 17 Kilometer. Zehn Jahre zuvor waren es noch 14,6 Kilometer. Die jüngsten Zahlen des Bonner Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung stammen zwar aus dem Jahr 2009, doch die Forscher des Instituts gehen nach eigenen Angaben von einer weiter steigenden Tendenz aus. Überdurchschnittlich weit ist laut dem Institut der Arbeitsweg an den Rändern der großen Ballungszentren wie Hamburg, Frankfurt und Berlin.

    Dauert die Anfahrt zum Job länger als 45 Minuten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Arbeitnehmer erkranken, sagt auch der Soziologe Heiko Rüger. Er untersucht am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung das Thema berufsbedingte Mobilität. Seinen Erkenntnissen nach klagten Pendler, die pro Tag mindestens zwei Stunden für Hin- und Rückweg unterwegs sind, öfter etwa über einen schlechten Gesundheitszustand oder depressive Verstimmungen. Denn häufig sei bereits der Weg zur Arbeit stressig. «Auf der Autobahn gibt es einen Stau, oder die Bahn ist zu spät», sagt Rüger. Schnell liegen dann die Nerven blank.

    Wer dennoch pendeln muss, sollte den Arbeitgeber um flexible Arbeitszeiten bitten, empfiehlt der Soziologe. Denn wer nicht auf die Minute pünktlich erschein muss, könne Staus oder Bahnverspätungen gelassener ertragen.

    Außerdem sollten Angestellte mit langem Arbeitsweg darauf achten, dass sie Termine wie Vorsorgeuntersuchungen einhalten. «Es ist erwiesen, dass Pendler Vorsorgeuntersuchungen seltener wahrnehmen», sagt Rüger - sie haben einfach weniger freie Zeit zur Verfügung. Als Folge würden wichtige, aber scheinbar nicht dringende Termine, gerne auf später vertagt.

    Ob Pendeln mit Bahn oder Auto gesünder ist, hat die Forschung noch nicht beantwortet. «Das hängt vermutlich auch von individuellen Vorlieben ab», sagt Rüger. Den einen nervten die Mitreisenden in der Bahn, den nächsten, dass er beim Autofahren nichts anderes machen könne. Rüger rät, beides auszuprobieren. Der erste Schritt zum «gesunden» Pendeln sei, die eigenen Gewohnheiten nicht als alternativlos zu begreifen.

    TK-Studie zum Thema (pdf-Format)

    Infos der Bundesanstalt für Arbeitsschutz (pdf-Datei)

    DAK-Gesundheitsreport 2012

    Studie zu berufsbedingter Mobilität (pdf-Datei)

    Karte mit Pendlerbewegungen ansehen

    Studie zu Depressionen bei Schülern

    Anzeige
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Marius Reichert

    Mail | 0261/892 267

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    8°C - 14°C
    Montag

    10°C - 14°C
    Dienstag

    10°C - 15°C
    Mittwoch

    10°C - 17°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!