Archivierter Artikel vom 18.02.2011, 17:50 Uhr

Pechstein mit Super-Comeback: «Unglaublich»

Salt Lake City (dpa). Olympiasiegerin Martina Sablikova gewann in neuer Weltrekordzeit, doch die große Triumphatorin des 5000 Meter-Rennens beim Eisschnelllauf-Weltcup in Salt Lake City war Claudia Pechstein.

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Pssst!
Claudia Pechtstein hat in Salt Lake City ein starkes Comeback über die 5000 Meter hingelegt.

Mit einem starken Lauf meldete sich die Berlinerin zurück in der Weltspitze. Die 38-Jährige setzte mit der drittschnellsten Zeit von 6:51,62 Minuten bei ihrem internationalen Comeback nach zweijähriger Sperre ein dickes Ausrufezeichen. Da geriet die Weltrekord-Gala der Tschechin Sablikova in 6:42,66 Minuten beinahe in den Hintergrund. Und auch der zweite Platz von Stephanie Beckert aus Erfurt in überragenden 6:47,03 Minuten ging fast unter.

Ausgepowert und strahlend winkte Claudia Pechstein ihrem Freund Matthias Große zu, doch dann fuhr ihr noch einmal der Schreck in die Glieder: Nachdem sie auf dem schnellen Eis für einen Paukenschlag gesorgt hatte, drohte ihr die Disqualifikation. Minutenlang diskutierten die Referees, ob sie beim Überholen die Amerikanerin Maria Lamb behindert hätte. Am Ende entschieden die Kampfrichter, dass alles korrekt war. Pechstein konnte aufatmen.

Mit ihrem Sieg in der B-Gruppe schaffte sie auf Anhieb die Qualifikation für die Weltmeisterschaften im März in Inzell. Sie deklassierte die Konkurrentinnen um rund zehn Sekunden und darf nun auch beim Weltcup-Finale in zwei Wochen in Heerenveen über 3000 Meter starten.

«Ein schönes Rennen. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich so superschnell bin», meinte Pechstein strahlend und konnte sich Spitzen in Richtung niederländischer Konkurrenz nicht verkneifen. «Ich glaube, dass die Holländer jetzt einige Zeit den Mund nicht mehr zubekommen werden», meinte sie, nachdem sie vor allem von TVM-Trainer Bart Veldkamp heftig angefeindet worden war.

In Richtung Weltverband ISU sagte sie triumphierend: «Die sehen ja die Zeit, mehr muss ich nicht sagen. Ich kümmere mich um mich selbst und gebe die Antworten auf dem Eis.» Ihre Zeit ist die viertschnellste der gesamten Saison.

«Das ist unglaublich, einfach unvorstellbar. Das war eine Antwort, die die gesamte Eislaufwelt verblüfft», sagte Pechsteins Manager Ralf Grengel, nachdem er sich mit Pechsteins Lebensgefährten an der Bande in die Arme gefallen war. «Jeder, der gedacht hatte, das Comeback ist nicht ernst gemeint, wurde nun eines Besseren belehrt», fügte er hinzu.

Am Ort ihrer beiden Olympia-Triumphe vor neun Jahren legte Pechstein los wie die Feuerwehr und hatte nach 3800 Metern die beim Quartett-Start 200 Meter vor ihr laufende Amerikanerin Lamb bereits eingeholt.

«Beim Überholen ist es zwischen Bande und Gegnerin ziemlich eng geworden. Deshalb habe ich etwas den linken Arm rausgenommen. Es war überhaupt keine Behinderung, ich bin glücklich, dass die Kampfrichter das auch so gesehen haben», meinte Pechstein erleichtert. «Eine Disqualifikation wäre eine Katastrophe gewesen», sagte auch Teamchef Helge Jasch.

«Das war die sportlich richtige Antwort», meinte er mit Blick auf die Kritiker, die Pechsteins Auftritt mit Skepsis begegnet waren. «Im Training hatte sich ihre Topform angedeutet», verriet er. «Aber diese Leistung muss man im Wettkampf erstmal auf das Eis bringen.»

Pechstein hat sich für die WM in Inzell als Zeitschnellste des Zeit-Rankings qualifiziert, über das die schnellsten acht Läuferinnen der Saison die WM-Tickets buchen. Außerdem sind die ersten Acht der Weltcup-Gesamtwertung für die 5000 Meter bei der WM qualifiziert. Am Samstag startet Pechstein auch über 1500 Meter in der B-Gruppe: «Wenn meine Oberschenkelblessur mich nicht daran hindert.»