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    Pastakurs in Bologna: Die Nudelholz-Herrscherinnen

    Die Emilia-Romagna gilt wegen ihrer vielen kulinarischen Kreationen als der „Bauch von Italien“. In Bologna sorgen freiwillige Köchinnen dafür, dass die Tradition der Pasta-Herstellung nicht verloren geht. Bei Kochkursen geben sie ihr Wissen an Touristen weiter.

    Luisa Mambelli
    Lernen von Luisa Mambelli: Alles kann die Konsistenz des Pasta-Teigs beeinflussen - das Licht, die Luftfeuchtigkeit und wie viele Menschen im Raum sind.
    Foto: Le Cesarine/dpa-tmn

    Bologna (dpa/tmn). Der Teig baumelt gefährlich über der Tischkante. Noch ein Zentimeter, dann liegt er am Boden. Das Nudelholz bearbeitet die verbliebene Masse auf dem Tisch. Die Macht der Schwerkraft soll den Sfoglia – so heißt der ausgerollte Teig - weiter ausdehnen.

    Piazza Maggiore in Bologna
    Von der bekannten Piazza Maggiore in Bologna gehen viele verwinkelte Gassen ab, in denen sich Läden mit kulinarischen Highlights verbergen.
    Foto: APT Servizi Emilia Romagna/dpa-tmn

    Deshalb das schwierige Manöver mit der Tischkante. Pasta selbst zu machen, ist kein einfaches Unterfangen. Zumindest nicht in Bologna. „Rollen, immer weiter rollen, schnell, schnell“, ruft Luisa Mambelli, während die Gruppe am Tisch das Matterello schwingt, das Nudelholz. Der Teig darf nicht austrocknen. „Alles kann die Konsistenz des Teigs beeinflussen, das Licht, die Luftfeuchtigkeit, wie viele Menschen im Raum sind“, mahnt Luisa, die mit ihren kurzen blonden Haaren und den Jeans gar nicht wie das Klischee einer italienischen „Mamma“ wirkt.

    «Le Sfogline»
    Im wohl berühmtesten Pasta-Geschäft der Stadt Bologna, «Le Sfogline», wird noch alles von Hand gemacht.
    Foto: Giorgio Salvatori/APT Servizi Emilia Romagna/dpa-tmn

    Doch sie muss es wissen. Mehrmals im Monat empfängt sie in ihrer Wohnung völlig Fremde, um ihnen das Pasta-Kochen beizubringen. Die hohe Kunst zu erlenen, geht nirgendwo besser als in Bologna.

    Parmigiano Reggiano
    Ebenfalls ein beliebtes Produkt der Region um Bologna: Der Käse Parmigiano Reggiano.
    Foto: v - dpa

    Bologna, die Hauptstadt der Emilia-Romagna, ist bekannt für seine kulinarischen Spezialitäten. Hier wurden Mortadella und Tortellini erfunden. Nur die berühmten Spaghetti Bolognese haben trotz ähnlicher Lautung rein gar nichts mit Bologna zu tun. „Schwachsinn“, sagt Luisa. „Spaghetti Bolognese, so etwas gibt es gar nicht in Italien.“ Ragu heißt die Fleischsoße hier und wird nicht zu Spaghetti, sondern zur Tagliatelle gereicht. Diese breiteren Nudeln würden die Soße nämlich besser aufsaugen.

    Prosciutto di Parma
    Die Region um Bologna ist bekannt für viele kulinarische Produkte, darunter den Prosciutto di Parma.
    Foto: Giorgio Salvatori/APT Servizi Emilia Romagna/dpa-tmn

    Auch um solche Missverständnisse auszuräumen, veranstaltet sie die Pastakurse. Dabei ist sie keine professionelle Köchin, sondern ganz einfach nur Hausfrau. Oder eine Cesarine, wie die Herrscherinnen der Küche früher liebevoll in Anlehnung an den mächtigen Cäsar genannt wurden. Le Cesarine heißt deshalb auch die Organisation, der Luisa seit zehn Jahren angehört und die auch die Kochkurse veranstaltet.

    Tortellini zubereiten
    Stolz auf das Ergebnis: Touristen können in Bologna lernen, wie die perfekte Tortellini geformt wird.
    Foto: Le Cesarine/dpa-tmn

    Der Verein geht zurück auf die Initiative einer Professorin der Universität von Bologna. Egeria di Nallo wollte etwas dagegen tun, dass die traditionelle Kunst der Pasta-Herstellung und die Familienrezepte in Vergessenheit gerieten. Und so erschuf sie 2004 den Verein Le Cesarine. Hier geben italienische Hausfrauen ihr Wissen an Einheimische und Touristen weiter.

    Pasta-Teig mit Ei
    Je nach Rezept werden dem Pasta-Teig noch Eier hinzugefügt.
    Foto: Le Cesarine/dpa-tmn

    Das Essen ist oft zweitrangig. Die Touristen wollen vor allem Einheimische kennenlernen. Vor dem Kochen wird zusammen eingekauft. Dann geht es durch die verwinkelten Gassen hinter der Piazza Maggiore. Riesige goldgelbe Laiber des Parmigiano Reggiano liegen hier in den Schaufenstern, darüber hängen saftige Keulen des Prosciutto di Parma. In den Regalen stehen kleine, kostbare Flaschen des uralten Balsamico Tradizionale aus Modena.

    Ricotta-Spinat-Creme
    Die Tortelloni werden mit einer Ricotta-Spinat-Creme gefüllt.
    Foto: Johanna Rüdiger/dpa-tmn

    Und immer wieder frische Pasta-Produkte. In zahlreichen „laboratorio di pasta fresca“, also kleinen Läden für frische Pasta, werden sie vor den Augen der Einkäufer hergestellt. Wie im „Le Sfogline“, dem wohl berühmtesten Pasta-Geschäft: Monica Venturi und ihre Schwester Daniela habe den winzigen Laden von ihrer Mutter übernommen, seit 20 Jahren schon stehen sie hier nun in der Küche. Akkordarbeit.

    Ausrollen des Nudelteigs
    Üben im Kochkurs: Schnelligkeit ist beim Ausrollen des Nudelteigs gefragt, damit dieser später nicht zu trocken für das Formen der Tortellini ist.
    Foto: Le Cesarine/dpa-tmn

    Bei Luisa Mambelli dauert die Zubereitung der Pasta rund zwei Stunden. „Macht nichts, beim nächsten Mal geht es schon schneller“, tröstet Luisa. Schmecken tut die Pasta auf jeden Fall wie von einer echten Cesarine: einfach nur köstlich.

    Pasta-Tradition
    Die Pasta-Herstellung hat eine lange Tradition in der italienischen Stadt Bologna.
    Foto: Le Cesarine/dpa-tmn

    Le Cesarine

    Bologna
    Bologna ist die Hauptstadt der Emilia-Romagna - und vor allem bekannt für seine kulinarsichen Spezialitäten.
    Foto: Barbara Vecchio/Comune di Bologna/dpa-tmn

    Pastaladen Le Sfogline

    Fertige Tortelloni
    Belohung am Ende des Kochkurses: selbstgemachte Tortelloni - die sind größer als Tortellini und einfacher zu falten.
    Foto: Johanna Rüdiger/dpa-tmn

    Bottega Portici

    Verein Le Cesarine
    Gute Pasta gehört zu Italien - also warum nicht selbst die hohe Kunst erlernen? Das geht nirgendwo besser als in Bologna, zum Beispiel beim Verein Le Cesarine.
    Foto: Le Cesarine/dpa-tmn

    Tourismuswebseite von Bologna

    Kochkurs für Touristen
    Luisa Mambelli (Mitte) empfängt mehrmals im Monat in ihrer Wohnung Touristen und Einheimische, um ihnen das Pasta-Kochen beizubringen.
    Foto: Le Cesarine/dpa-tmn

    Bologna

    Anreise: Mehrere Airlines bieten Direktflüge von deutschen Flughäfen nach Bologna an. So fliegt zum Beispiel Ryanair von Berlin-Schönfeld, Eurowings von Köln-Bonn und Lufthansa von München aus.

    Übernachtung: Bologna ist Messestadt und hat daher eine große Auswahl an Hotels zu bieten. In der historischen Altstadt gibt es zahlreiche charmante Zwei- bis Vier-Sterne-Hotels, Zimmer ab etwa 70 Euro.

    Kochkurse: Die Kochkurse mit den Cesarinen sind online buchbar. Dort kann man sein Gericht wählen, neben Pasta gibt es auch andere traditionelle Speisen. Der Kurs kostet ab etwa 50 Euro pro Person, gemeinsames Mittagessen inbegriffen.

    Informationen: Bologna Welcome, Piazza Maggiore, 1/e, 40124 Bologna, Tel.: 0039/51/6583111, E-Mail: booking@bolognawelcome.it.

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