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London

Paralympicssiegerin Kober soll Behindertensport helfen

dpa

Bei der Siegerehrung im Londoner Olympiastadion wurde Birgit Kober von ihren Gefühlen überwältigt. Bei der Nationalhymne liefen der 31 Jahre alten Doppel-Paralympicssiegerin die Tränen über die Wange, dann riss sie ihre Arme hoch und zeigte wieder einmal ihr warmherziges Lachen.

Nationalhymne
Goldmedaillengewinnerin Birgit Kober lauscht bei der Siegerehrung der deutschen Nationalhymne.
Foto: Daniel Karmann – DPA

«Es war diesmal noch etwas berührender, weil ich das Gesamtziel erreicht habe», sagte die Münchenerin. Mit ihren Triumphen im Speerwerfen und im Kugelstoßen, ihren beiden Weltrekorden und ihrer Geschichte ist Birgit Kober eine der prägnantesten Figuren im deutschen London-Team – und ein Geschenk für den Deutschen Behindertensportverband (DBS). «Sie ist eine Frau, die viel mitgemacht hat und ihre Sache gefunden hat. Nun hat sie sich hier ihren Traum verwirklicht. Ihre Geschichte ist hochinteressant und gleichzeitig brutal», betonte Chef de Mission Karl Quade.

Quade ist sich des Werts der neuen Vorzeigeathletin bewusst. Sie soll zur Botschafterin aufgebaut werden. Der DBS-Vizepräsident ist froh über jede Galionsfigur, denn ein flächendeckendes Sichtungssystem gibt es nicht. «Es gibt ein paar 10 000 Menschen, die jedes Jahr schwere Unfälle erleben, manchmal ist es schwer, an sie heranzukommen», erklärte Quade.

Rollstuhlfahrer kämen in der Regel schon in der Rehabilitation mit Fitness und Sporttreiben in Kontakt. Für Menschen mit Amputationen ist dies im deutschen Gesundheitssystem nicht vorgesehen. Und wie die Paralympics zeigen, sind gerade diese Athleten zu großen Leistungen fähig.

Kobers Leichtathletik-Kollegen Heinrich Popow und Markus Rehm sehen sich bereits als Werbeträger der paralympischen Bewegung, besuchen junge Menschen nach Unfällen im Krankenhaus und holen über nationale Netzwerke wie Facebook Jugendliche mit Handicaps in den Sport. «Das ist vorbildlich, wir brauchen diese Arbeiter vor Ort», sagte Quade.

Birgit Kober, die von Hartz IV lebt, engagiert sich schon im Training mit Kindern. Wie die meisten der 150 deutschen Athleten hat sie einen Amateur-Status. Profis wie Radsportler Michael Teuber, der einen eigenen Hauptsponsor hat, gibt es kaum. Kober hat nur dank der eigenen Willenskraft den Weg ins Nationalteam gefunden. Seit einer falschen Medikamentenbehandlung ist sie auf den Rollstuhl angewiesene. In München wollte kein Verein sie aufnehmen, deshalb startet sie für Bayer Leverkusen.

In London erlebt sie einen Traum. «Die zwei Goldmedaillen drücken mir ja den Kragen ab», scherzte die Münchenerin, die bei Facebook schon die Titelseite einer Zeitung nach ihrem ersten Erfolg mit dem Speer veröffentlichte. «Mein Bild vorn drauf, das ist richtig cool.» 320 Mails und «gefühlte 100 SMS» waren die Resonanz auf ihren furiosen Erfolg in London. Nach dem Riesenerlebnis vor 80 000 Zuschauern am Donnerstagabend will Kober nun die Tage in der britischen Hauptstadt genießen.

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