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Lake Placid

Palastrevolte im Bob-Weltverband: Storey gestürzt

dpa

Das Gewitter in Lake Placid (USA) war sprichwörtlich reinigend und passte zur Situation: 24 Stunden zuvor hatten die vier mächtigen Kufen-Nationen Schweiz, Österreich, Italien und Deutschland den machtbesessenen Präsidenten Robert H. Storey gestürzt.

Nachfolger des Kanadiers als Chef des Bob- und Skeleton-Weltverbandes (FIBT) ist der Italiener Ivo Ferriani, der als Markenzeichen immer einen Cowboy-Hut trägt. Der Multifunktionär, Ex-Bobpilot, Weltmeister-Trainer der Franzosen, Bahnarbeiter und Olympia-Manager bei den Winterspielen 2006 in Turin hatte die Machtübernahme detailliert geplant.

Schon im Januar dieses Jahres schmiedeten die vier Nationen mit der sogenannten «Innsbrucker Erklärung» ein Bündnis, um neue Wege in der Vermarktung und Positionierung ihrer Sportarten zu gehen. Zugleich wurde Ferriani als Gegenkandidat nominiert. Doch Storey und seine Mitstreiter versuchten mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben: Zahlen wurden geschönt, FIBT-Regeln gebrochen, Mitglieder gezielt vereinnahmt.

In einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Schreiben gab es im Haushaltsjahr 2009/10 bereits ein Defizit von 2 534 500 Euro – ohne die eingestellten Gelder vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Höhe von elf Millionen Euro. Das vom FIBT-Kongress genehmigte Budget war aber vom Vermögensstand per 31.10.2009 nicht gedeckt. Bereits ein Jahr zuvor musste das IOC einen Vorschuss an den Verband von den zu erwartenden Olympia-Geldern von Vancouver in Höhe von 1 016 053,65 Euro zahlen, damit die FIBT liquide bleibt.

Der neu gewählte Vize-Präsident Andreas Trautvetter, Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), warnte schon vor Monaten vor dieser Entwicklung: «Es gibt keinerlei Rücklagen. Hier wurde Geld verbraucht, das bereits für den nächsten olympischen Zyklus gebraucht wird.» Im Klartext: Ein Jahr vor den Winterspielen 2014 in Sotschi wäre kein Geld mehr dagewesen.

Der Weltverband versuchte daher alles. Aufgrund der Wechselkursänderungen konnten die Finanzprobleme etwas eingedämmt werden, weil der abgewählte Vize-Präsident für Finanz-Fragen, Herbert Wey aus der Schweiz, eine risikobehaftete Kapitalanlage nach einer Kurserholung veräußerte. Pikant dabei: In der Haushaltsrechnung 2008/09 waren Kapitalerträge von 150 000 Euro erwartet worden, in der Realität verbuchte die FIBT nur magere 796,32 Euro.

Vor dem Kongress in Lake Placid wollte die FIBT Russland und Lettland mit einer Zusatz-Stimme ausstatten, da sie angeblich eine FIBT-Veranstaltung unter dem Namen «Baltic-Cup» auf ihren Bahnen in Paramonowo und Sigulda absolvierten. Diese Rennen standen aber nie im offiziellen FIBT-Sportkalender (Internationale Regeln 1.4 und 5.4), zudem fehlte die Zulassung der Bahnen für Bobs. Das FIBT- Schiedsgericht musste einschreiten und verhinderte die zusätzlichen Stimmen, die bei der 20:22-Niederlage von Storey nun fehlten.

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