Archivierter Artikel vom 11.05.2011, 12:16 Uhr
Frankfurt/Main

Ohne Täve Schur: 21 Mitglieder für «Hall of Fame»

Auf der Auswahl der 21 neuen Sport-Größen aus Ost und West für die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gegründete «Hall of Fame» des deutschen Sports liegt ein Schatten.

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Nach der Kritik des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH) verzichtete die 28-köpfige Jury mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich an der Spitze zwar auf die Berufung des ehemaligen Radstars Gustav-Adolf «Täve» Schur, nahm aber die Sprint-Olympiasiegerin Renate Stecher in den Kreis der Auserwählten auf. Der DOH hatte die beabsichtigte Aufnahme der beiden DDR-Stars als «Irrweg» bezeichnet und bei der «Hall of Fame» die «völlige Geschichtslosigkeit» beklagt.

Mit den 21 neuen Mitgliedern, die von 1945 bis zu den Olympischen Spielen von 1972 in München im Sport Herausragendes geleistet haben, ist die Ruhmeshalle auf 66 Sport-Persönlichkeiten erweitert worden. Neu aufgenommen wurden die Eiskunstlauf-Legenden Marika Kilius/Hans-Jürgen Bäumler, Turnerin Karin Büttner-Janz, Eisschnelllauf-Olympiasieger Erhard Keller, Willi Kuhweide (Segeln), Eberhard Schöler (Tischtennis) oder Georg Thoma (Nordische Kombination).

Einen Ehrenplatz erhielt auch der frühere Torwart Bernd Trautmann, der als erster Deutscher zum Fußball-Star in England wurde. Außerdem sind neun außergewöhnliche Leichtathleten – Heide Ecker-Rosendahl, Ulrike Meyfarth-Nasse, Lieselotte Westermann-Krieg, Heinz Fütterer, Armin Hary, Willi Holdorf, Martin Lauer, Klaus Wolfermann und Renate Stecher – in die «Hall of Fame» gewählt worden.

Die Aufnahme der dreifachen Olympiasiegerin Stecher, sie lief als erste Frau über 100 Meter unter 11,0 Sekunden, wird von den DDR-Doping-Geschädigten kritisiert. Trotz Doping-Missbrauchs habe Renate Stecher, geborene Meißner, «ihre vergiftete Vergangenheit» kategorisch verleugnet, lautete der Vorwurf des DOH schon vor der offiziellen Bekanntgabe ihrer Aufnahme. Ebenso hatte der DOH die geplante Wahl von Täve Schur abgelehnt, weil er als «hochdekorierter Sportheld» auch eine «zentrale Propagandafigur des kriminellen DDR-Sports» gewesen sei.

«In der Sache ist es inkonsequent, Schur nicht und Stecher doch aufzunehmen. Positiv gesehen: die Sporthilfe war unseren Argumenten nicht unzugänglich. Der Selbstfindungsprozess in dieser Sache muss aber noch stattfinden», sagte DOH-Sprecherin Ines Geipel der Nachrichtenagentur dpa. Zugleich kündigte sie eine alternative «Hall of Fame» an. «Die Idee ist da», sagte die frühere DDR-Sprinterin.

«Die Historie der Teilung Deutschlands, seiner unterschiedlichen Systeme und der Wiedervereinigung stand bei der Jury-Entscheidung dem ausgesprochen herausfordernden Anspruch gegenüber, nicht mit unterschiedlichem Maß zu messen», sagte Michael Ilgner, Vorsitzender des Vorstands der Sporthilfe zur Diskussionen über die Kandidaten.

In einer zweijährigen Vorauswahl hatten die Spitzensportverbände und die Mitglieder des Verbandes Deutscher Sportjournalisten nahezu 200 Sportler und Persönlichkeiten für die «Hall of Fame» vorgeschlagen. Die Auswahl wurde auf 25 Vorschläge verdichtet, von denen sich 23 Kandidaten der Wahl stellten. Die Nominierten hätten sich freiwillig einer Überprüfung durch die Stasi-Unterlagenbehörde unterzogen, teilte die Sporthilfe mit. Die offizielle Aufnahme findet am 20. Mai im Rahmen der Benefiz-Gala «Goldene Sportpyramide» in Berlin statt.