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    Paris

    Ohne «Sarko»: Annecy macht in Zweckoptimismus

    Durchhalteparolen trotz einer «Mission Impossible»: Im Dreikampf um die Olympischen Winterspiele 2018 üben sich die Verantwortlichen des französischen Außenseiters Annecy vor der Entscheidung am 6. Juli im südafrikanischen Durban in Zweckoptimismus.

    Abwesend
    Der französische Präsident Nicolas Sakozy wird bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2018 nicht anwesend sein.
    Foto: DPA

    «Wir sind mehr denn je bereit, vereint und solidarisch», tönte der Chef der französischen Bewerbung, Charles Beigbeder. Denis Masseglia, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees CNOSF ergänzte: «Unsere Siegchancen sind intakt».

    Selbst für die meisten IOC-Mitglieder scheint die Entscheidung über den Olympia-Gastgeber in sieben Jahren allerdings nur noch ein Duell zwischen München und dem südkoreanischen Pyeongchang zu sein. Annecy gehen immer mehr die Puste, Power und vor allem die Paten aus. Für den größten Dämpfer sorgte ausgerechnet Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der zu verstehen gab, dass er sich wohl bei der Vergabe der Spiele auf der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht blicken lassen wird.

    Angesichts der drohenden Abstimmungspleite hat der Präsident offenbar seinen Schlachtruf von Mitte Februar vergessen: «Wir werden alle zusammen kämpfen, um (...) die Spiele nach Frankreich zu holen», so Sarkozy damals. Die Hoffnung in der ohnehin skeptischen «Grande Nation» schwindet immer mehr. Zur Absage Sarkozys schrieb etwa das angesehene Finanzportal «Performancebourse.com»: «Das erleichtert natürlich die Vorhersagen». Die hartnäckigen Gegner der Olympia-Kandidatur Annecys rieben sich die Hände. Allgemein wird das Aus in der ersten Wahlrunde erwartet.

    Bewerbungschef Beigbeder macht gute Miene zum vermeintlich verlorenen Spiel und betont noch einmal: «Wir schlagen Spiele für die Athleten vor, aber auch für das Publikum und vor allem für die jüngeren Generationen.» Ohne «Sarko» setzt man erst recht auf Öko: Die Stärken Annecys seien, so Beigbeder weiter, «die Berge, das Erbgut der Alpen, der Mont Blanc». Man wolle «die Spiele der Zukunft» veranstalten.

    Beim Inspektionsbesuch der IOC-Delegierten im Februar hatten die Mitglieder des Organisationskomitees in Annecy schon mehrfach die grüne Trumpfkarte gespielt. Es wurde hervorgehoben, dass für das Projekt keine einzige Straße gebaut werden müsse. «Die Umwelt wird von der Kandidatur von Annecy in besonderer Weise berücksichtigt. Das IOC hat diese Botschaft sehr begrüßt, weil sie im Sinne der olympischen Geschichte ist», sagte die französische Ski-Legende Jean-Claude Killy, doch groß engagieren wollte sich der bestens vernetzte IOC-Spitzenfunktionär für den nationalen Großauftrag nicht. Killy fehlte bei nahezu jeder internationalen Präsentation.

    Und Killy ist mit seiner Zurückhaltung nicht allein. Nach einer im Juni veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts «OpinionWay» ist jeder zweite Einwohner von Annecy gegen die Spiele 2018. Sympathien weckt die Kandidatur Annecys, die einen Organisationsetat von 1,85 Milliarden Dollar und 2,5 Milliarden an Investitionen vorsieht, den Umfragen zufolge nur unter den 15- bis 24-Jährigen.

    Die ewigen Optimisten hoffen, dass die Tradition «zieht». Chamonix war 1924 Schauplatz der ersten Winterspiele. Und genau dort, im renommierten Skiort 60 Kilometer östlich von Annecy, sollen 2018 die alpinen Skiwettbewerbe und das Eishockey-Turnier stattfinden. Die nordischen Disziplinen sind in La Clusaz, etwa 30 Kilometer von Annecy entfernt, vorgesehen.

    Gerade die längeren und komplizierteren Verbindungswege waren von der IOC-Evaluierungskommission moniert worden. La Plagne, Schauplatz der Kufenwettbewerbe, ist sogar 140 Kilometer weit weg von Annecy - und nur über Bergstraßen erreichbar.

    Nachdem die Bewerbung im vergangenen Jahr von heftigen internen Diskussionen überschattet worden war, hatte Beigbeder im Dezember die Nachfolge des zurückgetretenen Kandidaturchefs Edgar Grospiron übernommen. Probleme hatten die Franzosen vor allem mit dem Geld. Das magere Budget wurde in den vergangenen Monaten mit Hilfe zweier staatlicher Stellen und verschiedener namhafter Sponsoren aber um mehr als 50 Prozent auf 29,1 Millionen Euro erhöht.

    Viel geändert hat sich nicht. Killy, IOC-Kollege Guy Drut, Beigbeder, Masseglia, Sportministerin Chantal Jouanno und Bürgermeister Jean-Luc Rigaut wollen Annecy in Durban vertreten. Regierungschef Francois Fillon überlegt noch. Eine tolle Abschluss-Präsentation könne das Blatt wenden, es gebe im IOC noch viele Unentschlossene, hofft Masseglia und behauptet: «Nichts ist unmöglich.»

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