Archivierter Artikel vom 05.02.2015, 20:50 Uhr
Beaver Creek

Österreicher Reichelt holt WM-Titel im Super-G

Ganz oben auf dem Podest vollführte Weltmeister Hannes Reichelt einen Jubelsprung. Als sich die abgeschlagenen deutschen Skirennfahrer nach dem Super-G schon längst aus ihren Rennanzügen geschält hatten, bejubelte der Österreicher den ersten WM-Titel seiner Karriere.

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Weltmeister
Der Österreicher Hannes Reichelt hat das WM-Rennen im Super-G gewonnen.
Foto: Jean-Cristophe Bott – DPA

Zwölf Jahre nach Altmeister Stephan Eberharter sicherte der 34-Jährige den Ski-Herren in seinem Land wieder einen WM-Erfolg in dieser Disziplin. Reichelt gewann in Beaver Creek mit 0,11 Sekunden Vorsprung auf den überraschend starken Kanadier Dustin Cook, der sich mit Startnummer 28 sensationell Silber sicherte. Cooks beste Weltcup-Platzierungen waren zwei zwölfte Plätze diese Saison. Und zwar in Gröden und ebenfalls in Beaver Creek im Dezember. WM-Dritter wurde der Franzose Adrien Theaux.

Jubelsprung
Hannes Reichelt feiert auf dem Podium seinen Sieg mit einem großen Sprung.
Foto: George Frey – DPA

Topfavorit Kjetil Jansrud aus Norwegen ging dagegen leer aus. Dem 29-Jährigen blieb nur der mit Reichelts Teamkollegen Matthias Mayer geteilte vierte Rang, obendrein tat sich Jansrud bei seiner Fahrt noch weh. Die deutschen Hoffnungen auf Top-15-Plätze erfüllten sich bei bestem Winterwetter in den Rocky Mountains dagegen nicht.

Überraschung
Der Kanadier Dustin Cook holte sich mit einem perfekten Lauf den zweiten Platz.
Foto: Jean-Christophe Bott – DPA

Andreas Sander beendete das Rennen auf Rang 23, Josef Ferstl wurde 25., Klaus Brandner 28. «Das war sportlich nicht das, was wir uns vorgestellt haben», sagte der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier. Vor allem Ferstl und Brandner konnten aus ihren frühen Startnummern kein Kapital schlagen. «Bis zur Bodenwelle war ich gut unterwegs, und dann passiert mir der Fehler. Es gibt Stellen, da muss man einfach mit Hirn fahren», kommentierte Brandner enttäuscht.

Rang drei
Der Franzose Adrien Theaux küsst nach seinem Lauf die Skier.
Foto: GEORGE FREY – DPA

Außer dem neuen Weltmeister Reichelt und dem gleich zweimal erfolgreichen Eberharter hat einzig Hermann Maier WM-Gold im Super-G für Österreich gewonnen. «Es ist irgendwie eine Erleichterung, mich selbst zu bestätigen, ist das Schönste», sagte Reichelt, der Olympia in Sotschi wegen einer Bandscheiben-Operation verpasst hatte. Lob gab's auch von Abfahrts-Olympiasieger Mayer: «Hannes Reichelt hat heute zum vierten Mal hier gewonnen, er ist zum ersten Mal Weltmeister geworden, ich kann ihm nur gratulieren.»

Zaghaft
Josef Ferstl fehlte die Risikobereitschaft im oberen und unteren Teil der Strecke.
Foto: John G. Mabanglo – DPA

Pech bei seinem Renn-Comeback auf der Birds of Prey hatte US-Altstar Bode Miller. Als neunter Starter des Feldes war er bei der dritten Zwischenzeit in Führung, ehe er mit dem linken Arm an einem Tor hängen blieb und zu Fall kam. Der 37-Jährige handelte sich eine Fleischwunde an der rechten Wade ein. Miller musste ins Krankenhaus. Sein Start in der Abfahrt am Samstag scheint gefährdet – zumal Miller erst Mitte November am Rücken operiert worden war.

Pech
Klaus Brandner wurde von einer Böe erwischt und verpasste eine bessere Zeit.
Foto: John G. Mabanglo – DPA

Erfolgreicher unterwegs war in Aksel Lund Svindal ein zweiter Rekonvaleszent. Dreieinhalb Monate nach seinem Achillessehnenriss fuhr der 32-Jährige auf einen starken sechsten Platz. Zwischenzeitlich hatte der Norweger gar vorn gelegen – was die tausenden US-Zuschauer auf der Tribüne bei Sonnenschein zum Toben brachte und auch Kitzbühel-Held Didier Cuche die Arme hochreißen ließ. Svindal ließ sich beglückt mit ausgebreiteten Armen in den Schnee fallen, küsste innig seine Skier.

Vierter
Der norwegische Topfavorit Kjetil Jansrud hat sich bei seinem Lauf die Schulter geprellt.
Foto: Jean-Christophe BOtt – DPA

Svindals Landsmann Jansrud, der die Speeddisziplinen in dieser Weltcup-Saison bisher dominiert hatte, tat sich bei seiner Fahrt durch einen Schlag auf die Torstange weh: Gebückt ging er aus dem Zielbereich heraus, konnte seinen linken Arm nur eingeschränkt bewegen, beim Ausziehen der Skier musste ihm geholfen werden.

Gutes Comeback
Aksel Lund Svindal fuhr dreieinhalb Monate nach seinem Achillessehnenriss auf einen starken sechsten Platz.
Foto: Vassil Donev – DPA

Klaus Brandner wurde von einer Windböe erwischt und verpasste auch deswegen eine bessere Zeit. Letztlich fehlten dem Bayern mehr als zwei Sekunden auf den neuen Weltmeister Reichelt – im Ziel schlug er sich beide Hände vor das Gesicht. «Ihn hat der Wind erwischt. Das ist schade, aber es ist leider so», kommentierte Ferstl, der nur knapp vor seinem Teamkollegen landete.

Altstar
US-Star Bode Miller lag vor seinem Sturz bei der dritten Zwischenzeit weit vorn.
Foto: Vassil Donev – DPA

WM-Terminkalender

Sturz
Bei seinem Sturz zog sich Bode Miller eine Fleischwunde an der rechten Wade zu.
Foto: Jean-Christophe Bott – DPA

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