Archivierter Artikel vom 23.06.2010, 16:00 Uhr
Wien

Österreich räumt auf: Steffi Graf gesperrt

Wintersport, Radfahren, Leichtathletik – die Liste mit österreichischen Dopingsündern ist lang. Viele Jahre wurde das Alpenland für seinen laschen Umgang mit dem Thema gescholten, jetzt setzt es sich an die Spitze der Bewegung.

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Auch die nachträgliche Sperre des Leichtathletik-Stars Stephanie Graf zeigt, dass Deutschlands Nachbar mit gefallenen Sportlern hart ins Gericht geht. «Es ist weiteres Zeichen, dass in Österreich im Anti-Doping-Kampf wirklich etwas getan wird», kommentierte Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), den Fall. Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) Österreichs hatte die inzwischen zurückgetretene Vorzeigeathletin für zwei Jahre sperrt – obwohl Graf Doping nicht nachgewiesen werden konnte.

Die Olympia-Zweite von 2000 hatte aber gestanden, dass ihr im Herbst 2003 bei der Blutbank «Humanplasma» in Wien Blut abgenommen wurde. Dort sollen zwischen 2003 und 2006 rund 30 Ausdauersportler Kunden gewesen sein, als prominentester Athlet hat bisher Ex-Radprofi Bernhard Kohl dort Blutdoping zugegeben.

Graf bestreitet dagegen die für Blutdoping notwendige Rückführung in ihren Körper. Für die NADA ist das egal. Denn schon der Versuch verbotener Leistungssteigerung reicht, um eine Sperre auszusprechen, heißt es in der Urteilsbegründung. Sportlich hat das für die inzwischen zweifache Mutter keine Bedeutung mehr, auch ihre Titel kann sie behalten. Nach der österreichischen Gesetzeslage darf sie nun aber mehrere Jahre lang nicht als Trainerin arbeiten und erhält lebenslang keine Fördermittel mehr.

Österreich habe inzwischen im Umgang mit Doping europaweit eine Vorreiterrolle, ist der Anti-Doping-Experte und Leistungsdiagnostiker Hans Holdhaus überzeugt. Zwar gebe es im Alpenland nicht mehr Fälle als in anderen Sportnationen wie Deutschland. Nach Gesetzesänderungen könne man aber inzwischen ganz anders gegen Sünder vorgehen.

Nach Meinung von Sportminister Norbert Darabos hat das Alpenland gar das strengste Anti-Doping-Gesetz Europas: Die im August 2008 in Kraft getretene Regelung sieht deutlich schärfere Strafen für die Weitergabe oder Anwendung verbotener Stoffe an Andere vor. Seit 2010 können auch dopende Sportler selbst – anders als in Deutschland – wegen schweren Betruges angeklagt werden. Ihnen drohen bis zu drei Jahre Haft. Im Bundeskriminalamt arbeitet seit 2009 eine spezielle «Soko Doping» an der Aufklärung.

Zusätzlich startete die NADA in den vergangenen Jahren eine große Aufklärungskampagne mit Broschüren, Seminaren und Vorträgen für Betreuer und alle Leistungsklassen vom Hobby- bis zum Profisportler. «Wenn heute noch ein Sportler sagt, er habe nicht genau über Doping Bescheid gewusst, ist er entweder strohdumm oder hat das Ganze nicht ernst genommen», sagt Holdhaus.