Archivierter Artikel vom 27.05.2011, 08:48 Uhr
Potsdam

Nur kleine Finanzspritze: Babelsberg vor Abstieg

Der Zwangsabstieg des Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 rückt näher: Eine millionenschwere Bürgschaft der Stadtwerke Potsdam für den finanziell angeschlagenen Verein ist wohl vom Tisch. Dafür will die Stadt einen einmaligen Zuschuss von bis zu 700 000 Euro gewähren.

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Das reicht jedoch nicht, um die Lizenzauflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für Liga drei zu erfüllen. Dem krisengeschüttelten Verein fehlen rund 1,4 Millionen Euro.

«Es fehlt definitiv knapp noch einmal so viel. Ich hatte die Hoffnung, dass die Stadt über ihren Schatten springt und die 3. Liga sichert», sagte Geschäftsführer Ralf Hechel in einer ersten Reaktion der Internetausgabe der «Potsdamer Neuesten Nachrichten». Gelingt es den Babelsbergern nicht, einen Großsponsor zu finden, wird der Verein wohl in der kommenden Saison in der Regionalliga spielen müssen. Profitieren würde davon die eigentlich aus der 3. Liga abgestiegene Reserve von Werder Bremen, die für den Fall des Babelsberger Abstiegs in der Klasse bleiben dürfte.

Zuvor hatte bereits das sportlich eigentlich gerettete Team von Rot Weiss Ahlen wegen der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens die 3. Liga verlassen müssen. Wacker Burghausen blieb deshalb der eigentlich besiegelte Abstieg erspart.

Babelsberg könnte Ahlen bald folgen, zumal die Zahlungen der Stadt an Bedingungen geknüpft sind. Der Club muss ein funktionsfähiges Leitungsgremien präsentieren und der Wirtschaftsplan offenlegen. Oberbürgermeister Jann Jakobs will nun am 1. Juni in die Stadtverordnetenversammlung eine entsprechende Beschlussvorlage einbringen. Es liege nun am Verein selbst, zu entscheiden, welchen Weg er in Zukunft gehen will und wie er auf Dauer die finanziellen Mittel dafür sichert, sagte Jakobs.

Er erklärte zudem, dass die in der Vergangenheit von den Stadtwerken an den Verein erteilten Bürgschaften ohne Wissen des Aufsichtsrates oder der Gesellschafterversammlung zustande gekommen sind. Der Geschäftsführer habe hier auf eigenes Risiko gehandelt. Bisher brauchten die Bürgschaften durch den Verein aber nicht in Anspruch genommen werden.

Unterdessen gehen die Proteste einiger Babelsberg-Fans weiter. Bis in die Nacht zum Freitag hinein hatten sich einige im Vereinsgebäude angekettet, zehn von ihnen harren noch aus. Die Besetzung soll bis zum personellen Neuanfang aufrechterhalten werden, erklärten die Anhänger. Ihre Rücktrittsforderungen richten sich vor allem an die Adresse von Präsident Rainer Speer und Geschäftsführer Ralf Hechel.