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Falun

Nordische WM in Falun: Oft Meilensteine für DSV

dpa

Die bisherigen drei Weltmeisterschaften in Falun hatten aus deutscher Sicht ihre Besonderheiten. 1954 führte die WM zur Erfindung der Mattenschanzen, 1974 gab es das beste deutsche Abschneiden der WM-Historie und 1993 war das Skisprung-Debakel Ausgangspunkt für eine neue Erfolgs-Ära.

Gerhard Grimmer
Gerhard Grimmer gewann 1974 mit Kunststoff-Skiern.
Foto: dpa

Als 1954 erstmals zwei deutsche Mannschaften starten durften, endete das für Springer-Ost und Springer-West ernüchternd. Ost-Auswahltrainer Hans Renner ließ die Suche nach einer Möglichkeit zum ganzjährigen Training nicht los, um die Schneevorteile der Skandinavier auszugleichen. In Falun war Platz 51 für Franz Renner das beste Ergebnis. Harry Glaß (53.) und Werner Lesser (64.) landeten unter 69 Startern noch weiter hinten.

Bereits sechs Monate später gab es auf den von Renner erfundenen und patentierten Matten, die in gleicher Form und mit ähnlichem Material noch heute weltweit verbreitet sind, das erste Springen. Bei Olympia 1956 in Cortina d'Ampezzo holte Glaß dann Bronze und Lesser wurde Achter.

Die zweite WM in Falun – bei Wärme und wenig Schnee – wurde 1974 zu den Spielen des Gerhard Grimmer und brachte den Durchbruch der Kunststoff-Langlaufski. Der Thüringer gewann mit Startnummer 50 trotz Stockbruchs überlegen die 50 Kilometer. Zudem siegte er mit der Staffel und wurde Zweiter mit winzigen 0,91 Sekunden Rückstand über 15 Kilometer, obwohl er in beiden Rennen bei der Abfahrt vom gefürchteten «Mörderbakken» in der laut schwedischen Medien «Grimmer-Kurve» stürzte. Kurt Matz, dem Service-Mann des Skiherstellers (Kneissl), brachten die Erfolge viel Nachfrage und Nachtarbeit. Die Firma aus Kufstein kam mit der Produktion der Ski nicht nach.

Neben Loipen-König Grimmer feierten weitere Team-Kollegen Riesen-Erfolge. Hans-Georg Aschenbach gewann auf der Normalschanze vor Heinz Wossipiwo und auf der Großschanze vor Dietrich Kampf, Ulrich Wehling die Nordische Kombination vor Günter Deckert. Die Langläuferinnen um Barbara Petzold steuerten zweimal Silber bei. Mit fünf Titeln und elf von 30 vergebenen Medaillen stellte die DDR die erfolgreichste Mannschaft – was danach bei keiner nordischen WM einem deutschen Aufgebot gelang.

Für die gesamtdeutsche WM-Mannschaft 1993 war Bronze durch die Kombinierer-Mannschaft das einzige Edelmetall. Dafür gab es reichlich Zoff im Springer-Lager. Dieter Thoma reiste nach Platz 53 auf der windigen Großschanze vorzeitig ab. Jens Weißflog wurde 40. auf der Normalschanze und lud bereits Freunde ein, dabei zu sein, wie er zum WM-Ende und Abschluss seiner Karriere die Sprungski am Auslauf-Torbogen des Lugnet-Bakkens annageln wollte.

Bundestrainer Rudi Tusch und seinem Assistenten Walter Hofer – heute FIS-Skisprungdirektor – kostete die WM den Job. Als Nachfolger rückte Junioren-Chef Reinhard Heß auf. Unter seiner Leitung wurden die nicht mehr deutschen Skispringer ein Jahr später Team-Olympiasieger. Weißflog gewann zudem zum Karriere-Ende Gold auf der Groß-, Thoma Bronze auf der Normalschanze. Unter Reinhard Heß holten die deutschen Skispringer bis 2003 bei Olympia dreimal Gold und zweimal Silber, bei Weltmeisterschaften je sechsmal Gold und Silber sowie viermal Bronze.

Was wird bei der vierten WM in Falun? Die Vorzeichen stehen gut. Vor einem Jahr siegte Severin Freund bei der WM-Generalprobe auf beiden Schanzen, mit Schanzenrekord auf dem großen Lugnet-Bakken. Und Kombinierer Eric Frenzel befindet sich in Top-Form.

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