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    «NOlympia» gegen «OlympJA»: Wer hat die Nase vorn?

    Garmisch-Partenkirchen (dpa) – Die Fronten sind klar: «NOlympia» gegen «OlympJA» heißt es in den nächsten Wochen in Garmisch-Partenkirchen. Noch vor der Bekanntgabe des Austragungsortes für die Winterspiele 2018 am 6. Juli wird es zu Füßen der Zugspitze einen Bürgerentscheid geben – Ausgang offen.

    Ski-Legende Rosi Mittermaier hat mit mindestens 2400 Menschen in ihrem Heimatort Garmisch-Partenkirchen noch nie gesprochen. «Ich kenne in Garmisch überhaupt keinen, der gegen Olympia ist», behauptete die 60-Jährige kürzlich beim Besuch der Olympiaprüfer für die Bewerbung der Winterspiele 2018 zu Füßen der Zugspitze. Doch seit dem 18. März liegen im Garmischer Rathaus gut 2400 Unterschriften von Frauen und Männern, die sehr wohl gegen Olympia vor ihrer Haustür sind.

    Gold-Rosi dürfte bei der Gegenseite unterschrieben haben, denn auch die Olympiabefürworter haben mit einer fast identischen Zahl an Sympathisanten die Grundlage für einen Bürgerentscheid geliefert. Am 28. März sind es noch 100 Tage bis zur Bekanntgabe des Austragungsortes am 6. Juli. Auch das französische Annecy und Pyeongchang in Südkorea wollen die Spiele. Im Rathaus von Garmisch laufen die Vorbereitungen für das Bürgervotum auf Hochtouren.

    Die Fronten sind klar: «NOlympia» gegen «OlympJA». Welche der zwei Bürgerinitiativen am Ende die Nase vorn hat, ist offen. Beide Seiten wollen in den kommenden Wochen ihre Anhänger mobilisieren, damit möglichst viele zum Bürgerentscheid gehen. Es droht eine Materialschlacht der beiden Lager. Ob das Votum die Entscheidung der Mitglieder im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) beeinflusst, darf jedoch bezweifelt werden.

    Gemeinsam mit Garmisch-Partenkirchen und dem Berchtesgadener Land bewirbt sich München um das Großereignis in sieben Jahren. Die bayerische Landeshauptstadt wäre die erste Kommune, die nach Sommerspielen (1972) auch Olympische Winterspiele austragen darf. Im knapp 28 000 Einwohner zählenden Garmisch-Partenkirchen – 1936 Austragungsort der von den Nazis missbrauchten Winterspiele – finden im Falle des Zuschlags die Ski-Wettkämpfe statt. Die Marktgemeinde soll zudem Herberge eines olympischen Dorfes für 2500 Sportler und Funktionäre werden.

    Im Rathaus von Garmisch-Partenkirchen ist in diesen Tagen erst einmal Zählen angesagt. «Wir prüfen die Gültigkeit der Unterschriften», sagt Geschäftsleiter Johann Eitzenberger. Nur die Gemeindebürger mit Erstwohnsitz sind stimmberechtigt. Darüberhinaus müssen die Experten feststellen, ob die Fragestellungen für den Bürgerentscheid zulässig sind.

    Am 30. März kommt der Gemeinderat zusammen, um das Bürgervotum abzusegnen. «Dann wird auch der Termin für den Bürgerentscheid bekanntgegeben», weiß der leitende Beamte. Höchstens drei Monate bleiben dafür Zeit. Die Olympiagegner haben es nicht eilig. Ihnen wäre es gerade recht, wenn der Bürgerentscheid möglichst knapp vor dem 6. Juli über die Bühne ginge, könnten sie die Zeit bis dahin doch nutzen, um ihr «NOlympia» lautstark zu bekräftigen. Die Befürworter hingegen wollen den Entscheid lieber heute als morgen.

    Der Münchner Rechtsanwalt Ludwig Seitz wundert sich über die seit Wochen gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung der bayerischen Staatsregierung, die Verhandlungen mit den Garmischer Grundstücksbesitzern seien auf einem guten Weg. «Es gibt keine Verhandlungen», behauptet Seitz, der 63 Grundstücksbesitzer zu Füßen der Zugspitze vertritt. Der Jurist verweist auf sein Gespräch, das er am 1. März mit der IOC-Evaluierungskommission führte. Darin habe er noch einmal unmissverständlich klar gemacht, dass zahlreiche Grundstücke seiner Mandanten im Kernbereich der drei Sportstätten liegen. «Diese Grundstücke stehen definitiv nicht zur Verfügung.» Die Funktionsfähigkeit von Kandahar-Abfahrt, Hausberg und Ski-Stadion sei damit nicht gegeben, bekräftigt Seitz.

    Wenige Tage vor dem Besuch der IOC-Prüfungskommission habe er sich lediglich einmal mit dem damals amtierenden Staatskanzleichef Siegfried Schneider getroffen, so Seitz. Der CSU-Politiker habe dem Besitzer einer Wiese im Auslauf der Kandahar-Rennstrecke dabei die Zustimmung zur Nutzung der Fläche für Olympia abringen wollen – vergeblich, wie Seitz beteuert: «Das Grundstück steht nicht zur Verfügung.» Es handelt sich um jene hartumkämpfte Wiese, die schon für die Ski-WM gebraucht und von dem Landwirt ausschließlich dafür zur Verfügung gestellt wurde.

    Michael Vesper, Aufsichtsratschef der Münchner Bewerbungsgesellschaft, widerspricht der Darstellung von Seitz. «Es geht nur um ein Grundstück als Sportfläche und da ist der Gesprächsfaden nie abgerissen», sagte Vesper, «wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass es zu einer einvernehmlichen Lösung kommt.»

    Auch in der Staatskanzlei in München heißt es weiterhin, die Gespräche über die Nutzung jenes Grundstücks würden fortgesetzt. Man sei zuversichtlich, «dass mit dem Grundstückseigentümer eine Verständigung erzielt und die benötige Fläche an der Kandahar für Olympia 2018 genutzt werden kann», lässt die bayerische Regierungszentrale wissen.

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