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Frankfurt/Main

Nicht wie das Original: Zoll warnt vor gefährlichen Plagiaten

Marken- und Produktpiraterie bedrohen die Existenz mancher Firmen. Nachgemachte Leuchten, Autoteile oder vor allem Medikamente können die Gesundheit gefährden, warnt der Zoll. Doch einige Verbraucher wollen es immer billiger.

Beschlagnahmte Güter beim Zoll
Der Klassiker: In Alkohol eingelegte Reptilien und Schlangen unter Artenschutz stecken häufiger als exotisches Mitbringsel in den Taschen. Auch gefälschte Medikamente sind darunter.
Foto: Ingo Wagner – DPA

Die Funksteckdosen aus China schmoren durch, die gefälschten Sonnenbrillen können mangels UV-Filter zu Augen-Verletzungen führen und die Laser-Pointer brennen ein Loch ins Papier. Vor nachgemachten Produkten wie diesen warnt der Zoll. «Seit Jahren drängen verstärkt die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gefährdende Waren aller Art auf den Markt», sagte der Leiter des Hauptzollamts Frankfurt, Albrecht Vieth. «Eine besondere Aufgabe für den Zoll gerade am Frankfurter Flughafen als Einfallstor für Güter aus aller Welt.»

Gefälschte Fußbälle
Die Fußbälle sind echt, aber die Marke, die drauf steht, ist es nicht. Entdeckte Plagiate beschlagnahmt der Zoll am Flughafen.
Foto: Ingo Wagner – DPA

Produktpiraterie bedrohe nicht nur Arbeitsplätze und Unternehmen erheblich, sondern auch die Gesundheit der Verbraucher. Denn die Plagiate seien oft viel unsicherer als die Originale.

Gefälschte Uhren werden zerstört
Plagiate schaden den Unternehmen, die die Originale herstellen. Findet der Zoll solche Mitbringsel oder Lieferungen, werden sie zerstört.
Foto: Ingo Wagner – DPA

Nachgemachte Kfz-Ersatzteile, LED-Lampen und Spielzeug-Helikopter gehörten 2012 ebenso zu den fast 124 000 am Flughafen sichergestellten Gegenständen wie Ladegeräte und Akkus für Handys, Kopfhörer und Speicherkarten.

Die meisten stammten aus China, Taiwan und Hongkong und hatten keine oder nachgeahmte CE-Zeichen. Darunter waren etwa 3000 funkgesteuerte Steckdosen und Dimmer für Lichtsysteme, die trotz der Kennzeichnung erhebliche Sicherheitsmängel hatten. «Oft fehlt die Sicherung», sagte die Sprecherin des Hauptzollamts, Christine Straß, über die Leuchten. Kopfhörer-Plagiate hätten häufig keine Begrenzung der Lautstärke und schadeten so dem Gehör.

Der Trend setzt sich auch 2013 fort: So kam Ende Januar eine Sendung mit rund 200 Laser-Pointern aus Fernost, die nicht den Vorgaben entsprachen, wie der Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt, Dieter Ohl, berichtete. Ein anderer, ebenfalls 2013 entdeckter Laser-Pointer aus den USA sei 800 Mal so stark wie erlaubt, ergänzte Straß. «Manchmal sind es auch Plüschtiere, deren Nähte leicht aufreißen, und das Füllmaterial rausfällt», sagte Ohl.

60 nachgemachte Sonnenbrillen seien vor wenigen Wochen auch nach Frankfurt gelangt, berichtete er. «Das Schlimmste sind dunkle Brillen, die das UV-Licht durchlassen», erläutert der Wiesbadener Augenarzt Klaus Heckmann. Denn die Pupillen erweitern sich durch die dunkle Brille, und das UV-Licht kann ungehindert auf die Netzhaut treffen. Besonders gefährdet seien Kinder, weil sich die Pupillen bei jungen Menschen noch weiter öffneten.

Fast zwei Drittel der Verbraucher haben nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young schon einmal ein Plagiat gekauft, 30 Prozent wissentlich. Und kaum ein Produkt sei mehr vor Fälschungen sicher. «Der Trend der Verbraucher zu immer billiger manifestiert sich im Erwerb von Fälschungen», sagte der Leiter des Zollfahndungsamtes Frankfurt, Markus Tönsgerlemann.

50 Kilo markengefälschte Kohle für Shisha-Wasserpfeifen, die seine Fahnder kürzlich bei einem Importhändler im Kreis Gießen entdeckten, nannte er als Beispiel. «Die Rauchentwicklung ist höher und der Ascherückstand größer, wodurch von einer deutlich höheren Aufnahme des giftigen Kohlenmonoxids und somit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung auszugehen ist.»

Gefälschte Medikamente könnten besonders gesundheitsschädlich sein, warnte Vieth. Mehr als 1,7 Millionen verschiedene gefälschte Tabletten beschlagnahmte der Zoll 2012 am Flughafen. So hatte allein ein Reisender aus China mehr als 41 000 Stück verschiedener Präparate bei sich, vom Kopfschmerzmittel über Schlankheitspillen und angstlösende Medikamente bis zu Potenzmitteln. Diese würden am häufigsten gefunden. «Es sind meist Fälschungen, die illegal ohne jeden Sicherheitsstandard produziert wurden.»

Andere Medikamente verstoßen gegen das Washingtoner Artenschutzgesetz. Straß zeigt 2012 beschlagnahmte Beispiele: Braunbär-Fett für die Haut, Pflaster aus gemahlenen Tigerknochen und Hoodian-Kapseln, die den Appetit zügeln sollen, aber ein Seidenpflanzengewächs sind.

Informationen:

- Einen Verbraucherleitfaden Schutz vor Produkt- und Markenpiraterie gibt es auf dieser Website.

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