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    NFL-Profi Vollmer: Ende der Karriere näher als dem Anfang

    Vor zwei Jahren konnte Sebastian Vollmer noch den Gewinn des Super Bowl feiern, jetzt muss der deutsche NFL-Profi verletzt zuschauen. Er glaubt an einen sehr punktreichen Super Bowl. Sich selbst sieht er dem Ende seiner Karriere näher als ihrem Anfang.

    Sebastian Vollmer
    New England Patriots Sebastian Vollmer muss beim Super Bowl verletzt zu sehen.
    Foto: John Cetrino - dpa

    Houston (dpa). Natürlich wird er vor Ort in Houston sein, aber nur als Zuschauer. Sebastian Vollmer (32), deutscher NFL-Profi, ist verletzt. Ob seine New England Patriots gegen die Atlanta Falcons gewinnen oder nicht - Vollmer hält Tom Brady schon jetzt für den größten Quarterback der Geschichte.

    Tom Brady kann mit einem Sieg am Sonntag seinen fünften Super Bowl gewinnen, das hat noch kein Quarterback vor ihm geschafft. Wäre er damit endgültig der größte NFL-Quarterback der Geschichte?

    Sebastian Vollmer:Für mich ist er es schon, mit oder ohne Sieg. Er spielt seinen siebten Super Bowl, das ist schon ein Wahnsinnsding. Allen, die nicht akzeptieren, dass er der Beste oder zumindest einer der Besten ist, wird hoffentlich ein bisschen die Luft genommen.

    Was jetzt noch zwischen Brady und den Geschichtsbüchern steht, sind die Atlanta Falcons und ihr Quarterback Matt Ryan. Was erwarten Sie für das Spiel?

    Sebastian Vollmer:Ich bin natürlich noch bei den Patriots, von daher ist meine Prognose, dass wir gewinnen werden. Es wird ein guter Wettkampf, der Angriff der Falcons ist der beste in der Liga - dadurch wird es für die Verteidigung der Patriots richtig schwer, den Gegner auf wenigen Punkte zu halten. Ich glaube aber, dass wir es schaffen werden. Unser Coach (Bill Belichick) wird einen Plan finden, Atlantas Waffen auszuschalten, die Wide Receiver und die Running Backs. Ich glaube, dass es viele Punkte geben wird, ein High-Scoring-Game quasi. Mein Tipp ist 35:28 Patriots.

    Es ist nicht nur Brady, der seinen Status als bester Quarterback der Geschichte mit einem Sieg festigen könnte, auch Coach Belichick könnte der erste NFL-Trainer mit fünf Super-Bowl-Siegen werden. Was macht die Kombination Brady/Belichick so speziell?

    Sebastian Vollmer:Beide sind auf ihren Positionen die besten, die es gibt. Beide sind sehr verbissen und sehr versessen, das Beste zu geben, und beide haben die gleiche Vorgehensweise. Die Kombination der beiden ist einfach unglaublich.

    Sie mussten verletzungsbedingt diese Saison aussetzten. Wie geht es Ihnen?

    Sebastian Vollmer:Ich bin auf dem Weg der Besserung. Ich mache noch immer fleißig meine Reha. Körperlich geht es mir soweit wieder ganz gut, ich habe natürlich noch viel Arbeit vor mir, aber es läuft.

    Sie haben noch ein Jahr Vertrag mit den Patriots. Wie geht es danach weiter? Machen Sie sich Gedanken über ein Karriereende?

    Sebastian Vollmer:Ich bin auf jeden Fall näher am Ende meiner Karriere als an ihrem Anfang. Verletzungsmäßig habe ich natürlich auch viel mitgemacht, da bleiben solche Gedanken natürlich nicht aus. Konkret kommt es auch darauf an, wie das mit den Patriots weiter geht und ob ich wieder fit genug werden kann. Da gibt es im Augenblick viele Fragezeichen. Aber wie gesagt, ich bin näher am Ende als am Anfang.

    Sollte 2017 wirklich Ihre letzte Saison in der NFL sein, haben Sie schon Pläne für ein Leben nach dem Football?

    Sebastian Vollmer:Darüber denkt man natürlich öfters nach, weil diese Karriere, ob man zehn oder 20 Jahre spielt, irgendwann zu einem Ende kommt. Ich habe zwei Uni-Abschlüsse, ob ich dann diesen Weg gehen werde, wird sich zeigen. Ich würde gerne versuchen, dem Football in Deutschland zu helfen, damit die Sportart bekannter und beliebter wird. Ich bereue nichts auf meinem Weg, und wenn ich jemandem helfen könnte, den gleichen Weg einzuschlagen, wäre das super.

    Sie haben im Verlauf ihrer Karriere einige Verletzungen davon getragen, unter anderem auch eine Gehirnerschütterung. Das Thema Gehirnerschütterung ist allein wegen eventueller Spätfolgen ein großes im Football. Wie sehen Sie das Ganze?

    Sebastian Vollmer:Da darf man sich nichts vormachen, Football ist ein Kontaktsport. Man verletzt sich, das gehört einfach dazu. Wer so etwas sagt wie - das wusste ich nicht, das kenne ich nicht, das glaube ich nicht - diese Einstellung habe ich persönlich nicht. Man muss sich der Gefahren bewusst sein. Ob es das wert ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Football hat sich im Verlauf der Jahre verändert, und er wird sich auch in Zukunft verändern.

    ZUR PERSON:Sebastian Vollmer ist einer der wenigen Deutschen die es in der NFL geschafft haben. Vollmer, 2,03 Meter groß und rund 140 Kilo schwer, spielt in der Position des Offensive Tackle seit 2009 für die New England Patriots. Uni-Abschlüsse hat er in Wirtschaft und Kommunikation. Vollmer stammt aus Kaarst.

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