Archivierter Artikel vom 20.07.2011, 10:22 Uhr

Neues Verbraucherportal für Lebensmittel gestartet

Berlin (dpa). Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren? Bei Ärger über trickreiche Mogeleien bei Lebensmitteln soll ein neues Portal mehr Klarheit schaffen. Auf www.lebensmittelklarheit.de können Verbraucher melden, wenn sie sich durch irreführende Etiketten getäuscht fühlen.

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Online-Portal gegen Mogeleien
Online-Portal gegen Mogeleien: Auf www.lebensmittelklarheit.de können Verbraucher melden, wenn sie sich getäuscht fühlen. (Bild: dpa)
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Trotz Protesten aus der Wirtschaft ist am Mittwoch (20. Juli) ein neues Verbraucherportal zu Lebensmittelpackungen gestartet. Auf www.lebensmittelklarheit.de können Verbraucher melden, wenn sie sich durch die Aufmachung eines Produkts getäuscht fühlen. Die Redaktion des Portals gibt dem betroffenen Hersteller dann Gelegenheit zur Stellungnahme. Verbraucheranfragen, Stellungnahmen der Verbraucherschützer sowie Reaktionen der Hersteller werden so öffentlich zugänglich.

Auch Fälle sogenannter normativer Irreführung werden auf dem Portal aufgezeigt – das sind Produkte, die rechtlich richtig ausgezeichnet sind, Verbraucher aber trotzdem in die Irre führen können. Das Portal ist ein Angebot der Verbraucherzentralen und wird vom Bundesverbraucherministerium gefördert. Für Ärger bei Kunden sorgt zum Beispiel, wenn Fruchtprodukte keine Früchte, sondern nur künstliche Aromen enthalten.

«Uns erreichen viele Beschwerden bezüglich der Produktaufmachung, die etwa bei Milchprodukten ländliche Idylle suggeriert», sagt Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt, der das Projekt «Lebensmittelklarheit» leitet. Er rät Verbrauchern, sich zum Beispiel nicht von weidenden Kühen und glücklichen Schweinen auf den Packungen in die Irre führen zu lassen. Denn wo außen Rinder auf der Weide zu sehen sind, kann mitunter ein Produkt aus der Massentierhaltung drinstecken.

Wenn auf einer Wurstpackung glückliche Schweine zu sehen sind, müsse das Fleisch auch nachweisbar von freilaufenden Tieren stammen – und nicht aus einer Großmastanlage, fordert der Verbraucherschützer. Sonst sei das unlauterer Wettbewerb. Schon öfters haben Verbraucherzentralen deswegen versucht, die Hersteller abzumahnen. «Es werden Erwartungen bei den Verbrauchern erweckt, die nicht erfüllt werden.»

König hält den Vorschlag für «lebensfremd», dass Verbraucher sich alles Kleingedruckte auf der Rückseite genau ansehen sollten, um herauszufinden, was sie vom Produkt erwarten können. Das gelte zum Beispiel für Geflügelaufschnitt, auf dessen Packung ein gewachsenes Stück Hähnchenbrust und die Angabe «100 Prozent Hähnchenfleisch» zu sehen ist. Bei näherem Hinsehen lasse sich in der Zutatenliste dann aber entdecken, dass das Produkt aus nur 76 Prozent Hähnchenbrustfleisch «zusammengefügt» ist und auch noch Wasser, Öl und Mehl enthält. «Der Verbraucher wird hier auf die falsche Fährte geführt.»

Unproblematisch seien dagegen «Rezepturhinweise optischer Art» – also etwa das Foto einer dampfend-knusprigen Pizza oder eines cremigen Puddings mit Sahnehäubchen auf der Packung. Hierbei steht schließlich meist, dass es sich um einen «Serviervorschlag» handelt. Verbraucherbeschwerden dazu gebe es bislang keine.

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