Archivierter Artikel vom 07.06.2020, 07:41 Uhr

Corona-Krise

Neues Liga-Leben beim Beachvolleyball: „Endlich zocken“

Die Corona-Pandemie hat der Beachvolleyball-Szene praktisch die gesamte Saison zerstört. Nun startet in Düsseldorf ein Experiment, um die Sportart wieder zum Leben zu erwecken – allerdings ohne Fans und mit Hygienekonzept. Und die deutschen Stars haben ein Problem.

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Laura Ludwig
Beachvolleyballerin Laura Ludwig bereitet sich auf die Olympischen Spiele in Tokio 2021 vor.
Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa

Düsseldorf (dpa). Die Welttour auf Eis, die nationale Tour gestrichen, Stars wie Olympiasiegerin Laura Ludwig posten Fotos vom Familienglück statt von den Sandcourts. Doch jetzt wird der Beachvolleyball wiederbelebt, am kommenden Wochenende kann in Düsseldorf wieder gespielt werden.

„Endlich wieder zocken. Endlich wieder Spielpraxis. Das ist genial“, sagte die einstige Vizeweltmeisterin Karla Borger über den Neustart einer Sportart, der die Corona-Krise praktisch die gesamte Saison zerstört hat.

Der Stand in der Olympia-Qualifikation ist eingefroren. „Die Gedanken sind Karussell gefahren“, sagte Deutschlands Beach-Queen Ludwig, die sich mit Söhnchen Teo ablenkte. Der Verband ringt darum, wenigstens die traditionellen deutschen Meisterschaften Anfang September irgendwie und irgendwo doch noch auszutragen. „Ich bin emotional in ein tiefes Loch gefallen“, bekannte Julius Thole, der im Vorjahr mit seinem Partner Clemens Wickler bei der Heim-WM in Hamburg die Fans mit dem überraschenden Triumphzug bis auf Platz zwei entzückt hatte.

Die Nationalteams haben zumindest das Glück, wirtschaftlich durch Sponsorenverträge oder die Unterstützung als Sportsoldaten abgesichert zu sein. Bei vielen anderen Profis oder Halbprofis sieht das anders aus. Deshalb atmet jetzt gefühlt die ganze Branche erst einmal auf, weil wieder gespielt werden kann. Auf Initiative der aktiven Spieler Alexander Walkenhorst (Essen) und Daniel Wernitz (Dormagen) sowie des Marketing-Experten Constantin Adam (Stuttgart) startet am kommenden Wochenende in Düsseldorf die Beach-Liga, ein völlig neues Format in Deutschland.

Acht Frauen- und acht Männerteams spielen 30 Tage lang in einer Art Liga-Form die Sieger aus – natürlich mit einem speziellen Hygiene- und Sicherheitskonzept. Alle Akteure wohnen in einem Hotel und werden regelmäßig auf das Corona-Virus getestet. Was der Party-Sportart Beachvolleyball natürlich besonders weh tut: Zuschauer sind auf dem Gelände der Merkur-Spiel-Arena nicht zugelassen.

Jeden Tag gibt es acht Spiele, die auf der Streaming-Plattform „twitch“ live und ohne Bezahlschranke zu sehen sind. „Da musst du einfach flexibel sein. Das Wichtigste ist, überhaupt wieder Spiele zu machen“, sagte die 31 Jahre alte Borger.

Die aktuelle deutsche Meisterin tritt in Düsseldorf allerdings nicht mit ihrer Stammpartnerin Julia Sude an. Und genau darin zeigt sich, dass die Beach-Liga zunächst ein Experiment ist. Viele Spitzenprofis haben sich nach dem Wegbrechen der Saisonhöhepunkte anders orientiert: Sude konzentriert sich derzeit auf die Fortsetzung ihres Zahnmedizin-Studiums, um sich dann Richtung Olympiajahr 2021 wieder voll dem Beachvolleyball zu widmen.

Auch die Topteams Laura Ludwig und Margareta Kozuch sowie Thole/Wickler (alle Hamburg) fehlen in der neuen Liga. Das Problem: Sie haben derzeit andere Trainingsformen. Das Positive allerdings bleibt: Es wird wieder gezockt im Sand.

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