Archivierter Artikel vom 25.10.2010, 12:00 Uhr

Neuer Zündstoff: WM-Vergabe im Zwielicht

Frankfurt/Main (dpa). Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gerät immer mehr ins Zwielicht. Der Weltverband FIFA reagierte umgehend und weitete seine Untersuchungen in der Korruptionsaffäre aus.

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Fußball-Weltverband
Bei der FIFA gibt es möglicherweise einen Korruptionsfall.

Die FIFA ersuchte die britische Zeitung «Sunday Times» um den «unverzüglichen Erhalt aller Dokumente und potenziellen Beweise». Im Raum stehen Aussagen des ehemaligen FIFA-Generalsekretärs Michel Zen-Ruffinen, die Bewerber Spanien/Portugal (2018) und Katar (2022) hätten bereits jeweils 7 Stimmen der 24 Exekutivmitglieder sicher. «Das ist kein Gerücht, sondern Fakt», wird Zen-Ruffinen von Reportern der «Sunday Times» zitiert, die sich als Lobbyisten für eine Austragung der WM in den USA 2022 ausgegeben hatten. Um am 2. Dezember in Zürich den Zuschlag zu erhalten, benötigen Kandidaten 13 Stimmen.

Der frühere Top-Funktionär Zen-Ruffinen, der FIFA-Präsident Joseph S. Blatter 2002 in einem 21-seitigen Dossier Machtmissbrauch und Korruption vorgeworfen hatte und den Weltverband daraufhin verlassen musste, räumte gegenüber Schweizer Medien Kontakt zu den Reportern ein. Zen-Ruffinen fühlt sich hintergangen und kündigte juristische Schritte an. «Ich werde Klage gegen die beiden Journalisten einreichen und womöglich auch gegen die Sunday Times», sagte der 51 Jahre alte Anwalt der Schweizer Zeitung «Le Matin». Er habe keine Kontakte zu Exekutivmitgliedern vermittelt.

Bei dem Treffen wurde Zen-Ruffinen heimlich gefilmt. Das gut sechsminütige Video war am Sonntag in England, das sich um die WM in acht Jahren bewirbt, veröffentlicht worden. In der Schweiz dürfen verdeckte Ton-und Filmaufnahmen nicht öffentlich gemacht werden. Zen-Ruffinen nannte demnach Summen für den Kauf von Stimmen und Möglichkeiten der Bestechung.

Die FIFA gab sich am Montag entschieden. «Die FIFA und die Ethikkommission sind fest entschlossen, die Integrität der WM-Vergabe zu wahren», hieß es in einer Mitteilung. In der Vorwoche hatte die Kommission, die vom 15. bis 17. November erneut zusammentritt, die Exekutivmitglieder Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti wegen Bestechungsverdachts vorläufig suspendiert.

Der portugiesische Fußballverband (FPF) hatte am vergangenen Donnerstag dementiert, dass es illegale Absprachen gibt. «Die Kandidaten von der Iberischen Halbinsel haben keinerlei Vereinbarungen mit anderen Bewerbern getroffen», betonte der FPF- Präsident Gilberto Madaíl.

Unterdessen hat der Schweizer Bundesrat Ueli Maurer das eidgenössische Bundesamt für Sport (Baspo) mit der systematischen Aufarbeitung des Themas Korruption im Sport beauftragt. Dabei solle eine Lücke in der Korruptionsgesetzgebung überprüft und geklärt werden, ob es in der Schweiz Handlungsbedarf gebe. Die Alpen-Nation ist Gastland zahlreicher internationaler Verbände.