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Madrid

Neuer Doping-Skandal in Spanien: 14 Festnahmen

dpa

Viereinhalb Jahre nach der «Operación Puerto» im Radsport wird Spanien von einem neuen Dopingskandal erschüttert. Die Polizei nahm 14 Verdächtige fest, darunter Spaniens erfolgreichste Leichtathletin Marta Domínguez, wie das Innenministerium in Madrid mitteilte.

Unter Verdacht
Marta Dominguez posiert 2009 bei der WM mit ihren Medaillen.

Unter den Festgenommenen ist auch der mutmaßliche Dopingarzt Eufemiano Fuentes, der bereits 2006 bei den Ermittlungen zur «Operación Puerto» (Operation Bergpass) eine zentrale Rolle gespielt hatte. Die neue Polizeiaktion trägt den Namen «Operación Galgo» (Operation Windhund). Eingeleitet wurde sie bereits im April. Zivilfahnder durchsuchten 15 Wohnungen auf dem spanischen Festland und in Las Palmas auf Gran Canaria. Im Haus von Domínguez im nordspanischen Palencia stellten die Beamten einen Laptop, einen Metallkoffer und einen Karton sicher. Der zuständige Ermittlungsrichter verhängte eine Informationssperre.

Marta Domínguez ist nach ihrer Festnahme unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Sie sei rund acht Stunden lang im Polizeirevier ihrer Heimatstadt Palencia verhört worden, meldete der Rundfunk in der Nacht zum 10. Dezember. Da die 35-Jährige schwanger sei, habe der Ermittlungsrichter sie nach Hause gehen lassen. Sie müsse sich aber regelmäßig bei den Behörden melden.

Der Weltmeisterin im 3000-Meter-Hindernislauf werde vorgeworfen, andere Sportler mit verbotenen Substanzen versorgt zu haben, hieß es in Medienberichten. Die 35-Jährige ist zugleich Vizepräsidentin des spanischen Leichtathletik-Verbandes. Bei den Durchsuchungen seien auch Blutbeutel, Dopingmittel und Anabolika gefunden worden. Domínguez war im Laufe des Tages stundenlang von der Guardia Civil in ihrem Heimatort vernommen worden.

Zu den Festgenommenen zählen auch Domínguez' Trainer César Pérez, ihr Manager José Alonso Valero, der Coach Manuel Pascua Piqueras, einer der erfolgreichsten Leichtathletik-Trainer des Landes, der Ex-Profi-Mountainbiker Alberto León sowie die Schwester des Mediziners Fuentes.

Domínguez gilt als das Aushängeschild der spanischen Leichtathletik. Sie ist Weltmeisterin über 3000 Meter Hindernis und war je zweimal Europameisterin und Vizeweltmeisterin über 5000 Meter gewesen. Die Läuferin gab vor einem Monat bekannt, dass sie ein Kind erwarte und sich vorübergehend vom Leistungssport zurückziehen werde. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wollte sie aber wieder an den Start gehen, kündigte die Spanierin an.

Der Leichtathletik-Verband rief dazu auf, Dopingsünder hart zu bestrafen. «Wir werden das ohne Rücksicht tun, wenn nachgewiesen wird, dass ein Sportler betrogen hat.» Es müsse aber auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung gelten.

Spaniens Sport-Staatssekretär Jaime Lissavetzky, der sich stets für «Nulltoleranz» beim Doping ausspricht, hielt sich zurück. «Solange die Ermittlungen noch laufen, kann ich zur Situation von Domínguez nichts sagen.»

Der Verdacht gegen die Läuferin ist der zweite schwere Schlag für die spanische Leichtathletik. Vor gut einem Jahr hatte die Polizei ein Dopingnetz ausgehoben, dem der Geher Paquillo Fernández angehörte. Der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2004 in Athen verbüßt derzeit seine Sperre.

Der Mediziner Fuentes stand bereits im Mittelpunkt des Skandals um die «Operación Puerto» im Jahr 2006. Damals waren mehr als 50 Radprofis, darunter Größen wie Jan Ullrich, Ivan Basso oder Alejandro Valverde, unter Dopingverdacht geraten. Das Radsport-Trio bestritt die Vorwürfe.

Bei dem Skandal hatte die Justiz Ermittlungen gegen Fuentes und sechs weitere Verdächtige eingeleitet. Es kam bis heute zu keiner Anklage, weil Doping damals in Spanien noch kein Straftatbestand war. Spanien brachte das den Ruf ein, es mit dem Kampf gegen das Doping nicht so ernst zu meinen. Im Dezember 2006 trat ein Anti-Doping-Gesetz in Kraft, nach dem Manager, Betreuer und Mediziner zu Haftstrafen verurteilt werden können.

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