Archivierter Artikel vom 21.06.2010, 13:26 Uhr
Berlin

Neue Medikamente zum Schlucken verringern MS-Schübe

Tablette statt Spritze bei Multipler Sklerose: Neue Medikamente zum Schlucken verringern die Häufigkeit von Schüben und verbessern die Gehfähigkeit von MS-Patienten.

Das belegen Studien über die Wirkstoffe Cladribin und Fingolimod, die der Neurologe Prof. Klaus Toyka aus Würzburg am Montag (21. Juni) auf dem Europäischen Neurologen-Kongress in Berlin vorstellte. Aufwendige Infusionen waren bei der Therapie überflüssig. «Damit haben wir eine wichtige Erweiterung der Behandlung der schubförmigen MS erreicht», sagte Toyka.

Cladribin ist ein kleines Molekül, das vermutlich das Verhalten weißer Blutkörperchen beeinflusst, die wiederum wahrscheinlich für die MS-Entwicklung eine Rolle spielen. Fingolimod verhindert, dass schädliche Immunzellen aus den Lymphknoten in die Blutbahn geraten und damit zu Entzündungen im zentralen Nervensystem führen können.

Obwohl die Wirkmechanismen beider Stoffe unterschiedlich sind, waren die Ergebnisse vergleichbar gut: Um 50 bis 60 Prozent wurde die Schubhäufigkeit reduziert. Auch die Verschlechterung der MS-bedingten Behinderungen konnte im Vergleich zu den Placebogruppen um 30 Prozent verringert werden. Insgesamt nahmen an beiden zweijährigen Studien je 1000 Probanden teil. Bei einer dritten einjährigen Studie erwies sich Fingolimod als deutlich überlegen gegenüber dem gängigen Interferon.

MS bricht am häufigsten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus, Frauen sind mindestens doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Neurologen-Kongress: dpaq.de/Kongress