Archivierter Artikel vom 17.09.2011, 13:40 Uhr
Berlin

Nach Steffen-Rede: DSV schweigt über Sanktionen

Britta Steffen fühlt sich für ihre verkorkste WM «genug gestraft». Ob die vorzeitige Abreise aus Shanghai Konsequenzen für die Doppel-Olympiasiegerin haben wird, liegt nun am Deutschen Schwimm-Verband (DSV).

Lesezeit: 2 Minuten
Erklärungen
Britta Steffen bei der Pressekonferenz in Berlin.
Foto: DPA

Präsidentin Christa Thiel und Leistungssportdirektor Lutz Buschkow wollten sich vor der Pressekonferenz Steffens nicht zu möglichen Sanktionen äußern – am Wochenende waren beide nicht erreichbar. Gut möglich, dass der DSV die Causa Steffen gern diskret abhandeln und weitere Negativschlagzeilen vermeiden will.

Neben Britta Steffen redete bislang nur der Bundestrainer. Dirk Lange ist wichtig, dass die sportliche Zusammenarbeit mit seiner Top-Athletin und ihrem Heimtrainer Norbert Warnatzsch bei einem Treffen im August definiert wurde. «Die Arbeitsebene ist gefunden. Sie haben Planungen vorgelegt, und ich kann damit umgehen», sagte Lange. Für die weiter im Raum stehenden Sanktionen seien andere im DSV zuständig.

Aufmerksam wird die Führungsebene Steffens Worte registriert haben, auch wenn sie einer Einladung zur Pressekonferenz im Berliner Olympiastützpunkt nicht folgte. Eine ausdrückliche Entschuldigung kam während der einstündigen Frage- und Antwortrunde nicht über die Lippen der 27-Jährigen. «Ich habe überhastet reagiert, aber ich würde es wieder so machen», sagte sie zu ihrer vorzeitigen Abreise nach dem enttäuschenden Vorlauf über 100 Meter Freistil.

Die Kommunikation zwischen Verbandsspitze und Top-Athletin ist schon länger gestört – und beide Seiten tun wenig um dies zu ändern. Bei einem Gespräch im August zwischen Buschkow und ihr während eines Trainingslagers in Kienbaum sei das Thema Sanktionen nicht erörtert worden, sagt Steffen. «Ich fühle mich genug gestraft», betonte sie und meint damit nicht nur die 4500 Euro Flugkosten aus eigener Tasche, sondern vielmehr ihre persönliche Gefühlslage in Shanghai, nämlich «Peinlichkeit», «Schwäche und Scham».

Der DSV ist in einem Dilemma. Dem eigenen Team und dem Nachwuchs sollte er signalisieren, dass auch eine Doppel-Olympiasiegerin nicht so einfach vorzeitig von einem Großereignis abreisen kann. Allerdings machte das die Verbandsspitze in Shanghai wohl nicht deutlich genug. Nach eigener Aussage hatte Steffen während einer zehnstündigen Wartezeit auf dem Flughafen ihr Handy an – Anrufe des DSV gab es keine. Mehrere angedachte Gespräche kamen seitdem nicht zustande. Thiel könne sie ja anrufen, erklärte Steffen, sie habe die Handynummer der Präsidentin nicht. Das alleine lässt in Sachen Kommunikation tief blicken.

Am 22./23. Oktober steht in Berlin der Kurzbahn-Weltcup an. Eine Sperre Steffens wäre dem Fernsehen nur schwer klarzumachen, weiterer Ärger mit Steffens Freund Paul Biedermann wäre zudem programmiert. Bliebe eine Geldstrafe, sei sie auch symbolischer Art und für einen guten Zweck. Da sich Steffen vielfältig karitativ engagiert, könnte das eine Lösung sein, bei der alle ihr Gesicht wahren. So könnte Steffen mit 10 bis 15 bis Olympia geplanten Wettkämpfen ungehindert das proben, was Bundestrainer Lange immer wieder gern als «Wettkampfhärte» bezeichnet.