Archivierter Artikel vom 27.11.2011, 14:20 Uhr

Nach Lange-Aus: Erst Kollektiv, dann Cheftrainer

Wuppertal (dpa). Bis Olympia bestimmt ein Kollektiv Wohl und Wehe der deutschen Schwimmer, nach London favorisieren die wichtigsten Trainer und auch der Königsmacher wieder einen Chef.

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Für Dirk Lange ist noch kein Ersatz auf dem Trainerposten gefunden worden.
Foto: Robert Schlesinger – DPA

Ein Bundestrainer mit zu wenig Kompetenzen wie der scheidende Dirk Lange ist für die Stützpunkt-Coaches überflüssig, gewünscht wird ein Boss, der auch etwas zu sagen hat. «Wir sollten dringend einen Cheftrainer finden, der nach Olympia führt», sagt Henning Lambertz aus Essen.

Der NRW-Stützpunkttrainer hat ein Bewerbungsschreiben zwar noch nicht bei Leistungssportdirektor Lutz Buschkow abgegeben, sein Interesse aber deutlich signalisiert: «Wenn man da auf mich zukommt, würde ich nicht Nein sagen. Aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass sie versuchen, jemanden aus dem Ausland zu holen, um eine neutrale Person zu haben», sagte der 40-Jährige bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal.

Da Noch-Bundestrainer Dirk Lange seinen Aufhebungsvertrag nur mit einem üppigen finanziellen Bonus unterschreiben wird, kann sich der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) bis London nur eine interne (Zwischen-)Lösung leisten. Buschkow machte klar, dass die Bundestrainer-Position bis London unbesetzt bleibt. «Das werden wir unter uns Stützpunktrainern aufteilen müssen. Lutz wird dazu einen Vorschlag machen, und wir werden darüber diskutieren», erklärte Frank Embacher. Der Heimtrainer von Weltrekordler Paul Biedermann ist Stützpunkttrainer in Halle/Saale.

Bis London steht der Fahrplan ohnehin fest, die tägliche Kernerarbeit leisten seit jeher die Heimtrainer – jeder geht dabei seinen eigenen Weg. Lange hätte dies nur über die Weisungsbefugnis eines Cheftrainers ändern können, die Beförderung wurde ihm aber verweigert. Das lag nicht nur am persönlich schwierigen Verhältnis. Buschkow hegte zunehmend Zweifel an Langes Qualitäten.

Seit Amtsantritt 2008 hat Buschkow seine Machtposition im Verband ausgebaut. Der Bundestrainer der Wasserspringer suchte anfangs noch nach einem Nachfolger und kam dann zu der Erkenntnis, keinen geeigneten Kandidaten zu finden. Der Erfolg gibt ihm Recht. Doch der im Sport bestens vernetzte Hallenser weiß, dass er die zusätzlichen Aufgaben im Beckenschwimmen nur temporär übernehmen kann. «Die Familie kommt zu kurz.»

Als Königsmacher bestimmt er, wer in der Fachsparte Beckenschwimmer künftig den Hut aufhat. Bis London kann sich Buschkow genau anschauen, wer sich intern bewährt: Neben den etablierten Stützpunkttrainern wie Lambertz, Embacher oder auch Britta Steffens Heimcoach Norbert Warnatzsch könnte auch der von Buschkow sehr geschätzte Diagnostik-Bundestrainer Markus Buck weitere Aufgaben bekommen. Jeder steht von nun an noch mehr unter Beobachtung.

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