WM-Qualifikation

Nach Fehlstart: Herberts Basketballer und das Reizthema

Gegen Außenseiter Estland verpatzen die deutschen Basketballer ihren WM-Quali-Auftakt. Vor dem Gastspiel in Polen herrscht deutlich erhöhter Druck. Ein Thema will der neue Bundestrainer Herbert nicht mehr groß kommentieren.

Rückschlag
Coach Gordon Herbert (r) und die deutsche Nationalmannschaft mussten in der WM-Qualifikation einen Rückschlag hinnehmen.
Foto: Daniel Karmann/dpa

Nürnberg (dpa). Gordon Herbert war bedient. Nach der sportlichen Blamage, die dem neuen Basketball-Bundestrainer den Start in die Amtszeit gehörig vermieste, wollte der 62-Jährige im engen und grell ausgeleuchteten Pressesaal der Nürnberger Arena gar nicht viel sagen.

„Ich übernehme zu 100 Prozent die Verantwortung“, sagte Herbert nach dem 66:69 gegen Estland, das nicht nur den sportlichen Druck auf die deutschen Basketballer in der WM-Qualifikation erhöht, sondern das stark ersatzgeschwächte und überhaupt nicht eingespielte Team ohne alle NBA- und Euroleague-Profis weiter verunsichern könnte.

Gegen Polen unter Druck

Doch Zeit zum Nachdenken bleibt nicht viel. Für das Team um Kapitän Robin Benzing geht es direkt weiter nach Polen, wo am Sonntagabend (20.00 Uhr/Magentasport) in Lublin das zweite Quali-Match für die Titelkämpfe in Japan, den Philippinen und Indonesien steigt. „Wir werden mit der gleichen Mannschaft nach Polen reisen. Das ist eine sehr gute Gruppe, aber wir haben einfach nicht gut gespielt. Wir werden einen Weg finden“, kündigte Herbert an.

Statt das enttäuschte und enttäuschende Team in die Pflicht zu nehmen, schützte der Kanadier seine Profis und lenkte den Unmut auf seine eigene Person. „Es ist, wie es ist“, sagte der Coach – und wirkte ob des nicht einkalkulierten Rückschlags ein Stück weit ratlos.

Leistungsträger fehlen

In seinen ersten beiden Länderspielen hat es Herbert alles andere als einfach. Die NBA-Profis um Dennis Schröder und Riesentalent Franz Wagner fehlen genauso wie die Spieler von Meister Alba Berlin und Pokalsieger FC Bayern, weil diese in der Euroleague spielen mussten. Dies galt aber nur für das Spiel gegen die Esten. Auf die Frage, ob er nun Verstärkung für das wegweisende Polen-Spiel bekomme, antwortete Herbert: „Nein.“ Der ewigjunge Konflikt zwischen dem Weltverband Fiba und der Euroleague bleibt ein Reizthema, im Falle der Deutschen nun noch verschärft durch den sportlichen Fehlstart.

An sein Team richtete Bundestrainer Herbert aufmunternde Worte. „Ich habe ihnen gesagt, das ist Sport. Es ist nicht das Resultat, das wir wollten. Aber es ist jetzt passiert.“ Die 1000 Zuschauer in der neu erbauten Arena am Tillypark sahen zuvor einen Kampf auf Augenhöhe – und das, obwohl Deutschland die Esten vor rund drei Jahren noch mit 86:43 besiegt hatte. „Wir wussten, dass sie gute Werfer sind. Wir haben zu viele Dreier zugelassen. Selbst haben wir nicht gut getroffen“, sagte Bambergs Christian Sengfelder, der mit 21 Punkten als einziger deutscher Akteur komplett überzeugte.

Die Routiniers Benzing und Bastian Doreth sowie der formstarke Sengfelder dürften auf dem Auswärtstrip nun besonders gefragt sein. „Wir hätten uns einen anderen Ausgang gewünscht, aber so ist der Sport. Deswegen lieben wir den Sport auch“, sagte Doreth nach der schmerzlichen Schlappe in seiner Heimatstadt Nürnberg. Auch Polen hat sein Auftaktspiel verloren, in Israel setzte es ein 61:69. Wer 2023 in Asien dabei sein möchte, sollte sich im zweiten Gruppenspiel möglichst nicht gleich nochmal eine Niederlage leisten.

„Die WM ist ein ganz wichtiges Event, ein Muss sozusagen“, sagte Armin Andres, Vizepräsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), bei Magentasport. Auf dem Weg dorthin und zur Heim-EM 2022 in Köln und Berlin sollte die erste Qualifikationsphase eigentlich nur einer Erfüllung der sportlichen Pflicht gleichen – zahlreiche Ausfälle hin oder her. Eine erfolgreiche WM-Quali gilt als Pflicht, zumal die Basketballer schon bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften nicht besonders erfolgreich waren: 2010 und 2019 schied man in der Vorrunde aus, 2014 qualifizierte man sich erst gar nicht.

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