Archivierter Artikel vom 18.05.2010, 13:18 Uhr
Hamburg

Nach Ballacks WM-Aus: Respekt vor DFB-Elf bleibt

Die WM-Gegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben auch nach dem Ausfall des verletzten Michael Ballack großen Respekt vor der DFB-Elf.

Lesezeit: 5 Minuten
Typisch
Die Verletzung von Michael Ballack kommt bei Fußballern häufig vor.

Nach der Absage des 33-Jährigen erwarteten nicht nur die Medien und Spieler in Serbien und Australien, dass es dem deutschen Team gelingen wird, den Ausfall des Kapitäns zu kompensieren. Am ehesten wird Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern München diese Rolle zugetraut. Das ghanaische Nationalteam hat selbst große Verletzungssorgen und bangt unter anderem um seinen Superstar Michael Essien, der wie Ballack beim FC Chelsea spielt.

«Deutschland wird Ballack sehr vermissen, aber seine Abwesenheit ist auch für die WM nicht gut. Der Wettbewerb in Südafrika wird um einen großen Spieler ärmer sein», sagte der ehemalige Hertha BSC-Stürmer Marko Pantelic der Belgrader Zeitung «Vecernje novosti». Sein serbischer Mitspieler Dejan Stankovic von Inter Mailand warnt vor dem deutschen Team: «Ich bin sicher, dass sie einen Spieler finden werden, der ihn gut ersetzen kann. Das sind doch Deutsche.»

Auch für den australischen Verteidiger Craig Moore hat sich die Ausgangslage kaum verändert: «Er ist sicherlich einer ihrer besten Spieler, aber sie haben einen starken Kader», sagte der 34 Jahre alte frühere Bundesliga-Profi (Borussia Mönchengladbach). Solch ein Schlag sei für eine Mannschaft anfangs nur schwer zu verkraften, «aber bis wir bei der Weltmeisterschaft gegen Deutschland spielen, vergeht noch viel Zeit.» Beim Auftaktspiel am 13. Juni in Durban in Südafrika erwartet Moore einen starken Gegner: «Deutschland wird gut sein. Und sie werden sich wie immer für das Achtelfinale der WM qualifizieren.»

Die Zeitung «Sun Herald» aus Sydney glaubt allerdings: «Die australischen Hoffnungen, die Gruppenphase der Weltmeisterschaft zu überstehen, haben sich durch die Verletzung von Michael Ballack vergrößert.» Auch andere internationale Medien unterstreichen die Bedeutung Ballacks für die DFB-Elf. «Le Figaro» aus Frankreich nennt Ballack eine «zentrale Figur seiner Mannschaft» und stellt fest, dass ohne den England-Legionär eine nur aus Bundesligaspielern bestehende Mannschaft für Deutschland zur WM fährt.

In der Schweiz lobt die «Basler Zeitung» die deutsche Jugendarbeit der vergangenen Jahre, schreibt aber auch: «Es braucht ein Gerüst von Weltklassespielern, die auf der Höhe ihres Könnens agieren. Es wird die entscheidende Frage sein, ob die Bayern-Protagonisten (Philipp) Lahm und (Bastian) Schweinsteiger dazu in der Lage sind.» Die Zeitung «Österreich» ist sich sicher: «Ballack fällt für die WM aus – Jetzt wird Schweinsteiger Chef.»

In Ghana macht sich der Nationaltrainer Milovan Rajevac selbst große Sorgen um seine Leistungsträger. «Unsere personelle Situation ist derzeit schlimm. Ich hoffe, dass wir die Zeit bis zur WM nutzen können, dass der eine oder andere der erfahrenen Spieler wieder hergestellt ist», sagte der Serbe kürzlich dem «Kicker». Superstar Essien laboriert an Knieproblemen. Andere Spieler wie Kapitän Stephen Appiah müssen nach monatelanger Abstinenz wieder in das Team integriert werden. Für Ghana sind die Wochen vor dem ersten WM- Auftritt gegen Serbien ein Wettlauf gegen die Zeit.

Weitere internationale Reaktionen im Überblick:

SPANIEN:

«As»: «Deutschland ist ohne Kapitän. Michael Ballack wurde verletzt von einem WM-Rivalen der Deutschen.»

SCHWEIZ:

«Basler Zeitung»: «Es gibt ja gute Gründe anzunehmen, dass die verbesserte Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball so viele Talente hervorgebracht hat wie lange nicht. (...) Selbstverständlich braucht es aber auch da ein Gerüst von Weltklassespielern, die auf der Höhe ihres Könnens agieren. Es wird die entscheidende Frage sein, ob die Bayern-Protagonisten Lahm und Schweinsteiger dazu in der Lage sind.»

«Blick»: «Ob absichtlich oder nicht, für den 33-jährigen Ballack ist es eine Tragödie. Denn dem Mann aus Görlitz (Ex-DDR) fehlt zur Krönung seiner tollen Karriere ein internationaler Titel. Ob im Klub oder mit der Nationalmannschaft, er scheiterte bisher stets. (...) Hat ihm Ghetto-Kind Boateng am Sonntag die letzte Chance für einen großen Titel genommen?»

FRANKREICH:

«Le Monde»: «Schwerer Schlag für die deutsche Auswahl. Der Autor des Fouls, der Ghanaer Kevin-Prince Boateng, besitzt schon einen soliden Ruf in Deutschland, wo er geboren wurde. Er wurde bei Hertha Berlin ausgebildet, wo er in allen Mannschaften bis 2009 spielte, als er – schon – mit einem gewalttätigen Foul gegen Miroslav Klose von Bayern München auffiel.»

«Le Figaro»: «Riesiger Schlag für Deutschland. ... Ein Attentat von Boateng. Nachdem er seinen Torwart Nummer 1, René Adler, wegen einer Verletzung verloren hat, muss der deutsche Trainer Joachim Löw eine weitere zentrale Figur seiner Mannschaft ersetzen. Ohne Michael Ballack wird also eine ausschließlich mit Spielern aus der Bundesliga besetzte deutsche Mannschaft nach Südafrika fahren.»

NIEDERLANDE:

«De Volkskrant»: «Für Nationaltrainer Löw ist der Ausfall von Ballack ein großer Rückschlag. Der 33-jährige ist einer der international erfahrensten Mittelfeldspieler.»

ÖSTERREICH:

«Österreich»: «Schock! Ballack fällt für WM aus – Jetzt wird Schweinsteiger Chef.»

«Kronenzeitung»: «Ballacks WM-Out schockt Deutschland.»

«Der Standard»: «Coach Löw geschockt – Deutschland steht 25 Tage vor Anpfiff der WM in Südafrika ohne Kapitän da.»

DÄNEMARK:

«Politiken»: «Deutschland geschockt, nachdem der Star zurückzieht. Deutschlands erfahrenster Spieler, Kapitän Michael Ballack, läuft an Krücken. Wegen des Fouls am Samstag wird der Mittelfeldspieler nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Die Verletzung nimmt dem 33- Jährigen die letzte Chance auf den WM-Titel. 2002 stand er bereits im Finale, 2006 reichte es bis zum Halbfinale.»

«BT»: «Schock: Kein Ballack bei der WM. Der deutsche Kapitän wird wegen einer im FA-Cup-Finale erlittenen Verletzung nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen.»

GROSSBRITANNIEN:

«The Sun»: «Ballack führte sein Team 2002 ins Finale und wurde 2006 Dritter. Beide Male wurde er ins FIFA All Star Team gewählt. Aber seine Hoffnung, am 11. Juli in Johannesburg endlich auch den Pokal hochhalten zu dürfen, sind nun zerschmettert. Die Ärzte schätzen, das er mit einem Bänderriss bis zu drei Monate ausfällt.»

USA:

«The New York Times»: «Deutschland hat seinen Kapitän verloren. Nach einem harten Foul im Finale des englischen FA-Cup fällt Michael Ballack aus. (...) Ballacks Verletzung könnte das US-Team direkt betreffen, da im Achtelfinale ein Team aus der deutschen Gruppe mit Australien, Ghana und Serbien wartet. Zudem war es Ballacks Kopfballtor zum deutschen 1:0-Sieg, der für die Vereinigten Staaten das Aus im Viertelfinale der WM 2002 in Südkorea bedeutete.»