Archivierter Artikel vom 23.08.2010, 14:26 Uhr
Hamburg

Nach Attacke auf Pauli-Fans: HSV entschuldigt sich

Der Überfall von gewalttätigen HSV-Hooligans auf Fans des FC St. Pauli schockt die Vereine, der DFB ist alarmiert – das brisante Hanseaten-Derby soll aber wie geplant im Herzen von Hamburg stattfinden.

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Pauli-Keeper
Benedikt Pliquett wurde mit Fans des FC St. Pauli auf dem Bahnhof Altona in Hamburg angegriffen.

Wenn die beiden Clubs schon am vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga aufeinandertreffen, herrscht die höchste Sicherheitsstufe rund ums Millerntor-Stadion. «Das ist schon etwas, worüber wir uns Gedanken machen und wo wir auch aktiv werden», sagte der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes, Helmut Spahn. «Wir werden gerade mit Blick auf das Derby am 4. Spieltag aber Gespräche mit den Verantwortlichen der Clubs führen», kündigte Spahn an. Der Sicherheitsexperte sieht in der Attacke, sollten sich die Sachverhaltschilderungen und Motive bestätigen, eine neue Qualität, weil es sich um eine gezielte Aktion gehandelt haben könnte.

Rund 15 vermummte HSV-Hooligans hatten den St.-Pauli-Fans Samstagnacht nach dem Spiel des Kiezclubs beim SC Freiburg am Bahnhof Hamburg-Altona aufgelauert und vier von ihnen bei brutalen Attacken verletzt. Dabei handelt es sich um eine Mutter mit 16-jährigem Sohn und dessen gleichaltrigen Freund sowie einen rund 50-jährigen Mann, wie der Verein mitteilte. Das Quartett hatte eine organisierte Reise des St.-Pauli-Fan-Ladens genutzt. Nach Polizeiangaben war von rund 20 St.-Pauli-Anhängern die Rede, die angegriffen wurden.

Die Mannschaft, die im gleichen Zug heimreiste, war bis auf Ersatztorwart Benedikt Pliquett zuvor an drei Hamburger Bahnhöfen ausgestiegen. Pliquett wurde aus einiger Entfernung Zeuge des Überfalls. An seinem Kopf sei eine Flasche vorbeigeflogen, berichtete der Kiezclub. Bei der Attacke wird eine geplante Aktion vermutet. «Wir sind total konsterniert, können das nicht begreifen», sagte St.- Pauli-Teammanager Christian Bönig. «Das waren keine Ausschreitungen, das war ein Angriff auf Wehrlose.»

Der HSV mit dem Vorsitzenden Bernd Hoffmann und Sportchef Bastian Reinhardt hat sich beim Stadtrivalen entschuldigt. «Dieses Verhalten der vermeintlichen HSV-Anhänger ist absolut beschämend und trübt die Freude über den tollen ersten Spieltag für beide Vereine», sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann. «Wir werden das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bestrafen. Für solche Leute haben wir keinen Platz in der HSV-Familie.»

Laut Polizei befanden sich unter den Angreifern vier Personen, die als «Gewalttäter Sport» geführt werden. Auch Dauerkarten-Besitzer des HSV und Mitglieder der Fan-Abteilung Supporters sollen unter den Hooligans gewesen sein. «Wir verurteilen jegliche Form von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Hier gibt es nichts zu tolerieren», sagte Ralf Bednarek, Abteilungsleiter des rund 60 000 Mitglieder starken Supporters-Clubs. Die zwischenzeitlich in Gewahrsam genommenen Hooligans sind wieder auf freiem Fuß.

«Der HSV oder die DFL sind zuständig, Stadionverbote zu verhängen», sagte Bednarek. Sollte sich bestätigen, dass Supporters unter den Tätern waren, wird ein Ausschluss aus der Abteilung erwogen. «Wir dürfen aber nicht überreagieren», sagte der Abteilungsvorsitzende.

Beide Vereine fordern, das in vier Wochen angesetzte Derby im Millerntor-Stadion (17. bis 19. September) am Samstagnachmittag auszutragen. Den genauen Termin legt die Deutsche Fußball Liga (DFL) erst fest. «Kritische Abendspiele am Millerntor sind gescheitert. Das haben die Partien gegen Hansa Rostock bewiesen», sagte Bednarek. Die Gegebenheiten im Stadtteil St. Pauli würden die Schlichtung möglicher Auseinandersetzungen im Dunkeln erschweren.

Im Vorfeld werden sich beide Vereine und Fan-Abteilungen sowie Landes- und Bundespolizei mit der Sicherheit beim ersten Erstliga- Treffen beider Clubs seit April 2002 auseinandersetzen. Eine Verlegung ins größere und und nach Sicherheitsaspekten besser zu kontrollierende HSV-Stadion ist nach Ansicht beider Vereine kein Thema.