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Bloemfontein

«Multikulti»-Erfolg: Schweiz setzt auf «Secondos»

dpa

Erfolg dank Multikulti: Im Schweizer WM-Kader stehen viele Spieler die im Kongo oder Kosovo geboren wurden. Seit das Land auf seine Einwandererkinder setzt, hat es im Fußball auch immer größeren Erfolg.

Optimistisch
Ottmar Hitzfeld lacht beim Training der Schweizer Nationalmannschaft.

Blaise Nkufo wurde im Kongo geboren. Gelson Fernandes auf den Kapverden, Valon Behrami im Kosovo, aber alle zusammen spielen sie jetzt für die Schweiz. «Die Multikulturalität dieser WM spiegelt sich im Schweizer Team», schrieb die spanische Sportzeitung «Marca». Vor allem aber sind die «Secondos» ein Grund dafür, dass das kleine Land zurzeit so erfolgreich ist im Fußball. Gleich zehn Einwanderer-Kinder gehören zu dem Kader, der die Schweiz gerade zum vierten Mal in Serie bei einem großen Turnier vertritt. 2009 wurde die «U17» mit «Spielern aus 13 verschiedenen Nationen» Junioren-Weltmeister, rechnet Nationalcoach Ottmar Hitzfeld vor.

Gökhan Inler ist in Südafrika Vize-Kapitän und Spielgestalter seines Teams. Die Eltern des 25-Jährigen kommen aus der Türkei, er selbst entschied sich für die Schweiz und erzählt nun: «Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist top. Die Secondos passen perfekt ins Team. Es ist nicht wichtig, wo wir herkommen. Wichtig ist, dass wir alle für die Schweiz spielen und Erfolg haben wollen.»

Seit Ende der 80er-Jahre ist der Anteil der Einwanderer-Kinder im Team immer größer geworden und mit ihm der Erfolg. Die Schweiz hat nur rund 7,6 Millionen Einwohner und damit kein Talente-Reservoir wie Deutschland oder Frankreich. Sie muss aus ihrem kleinen Land alles herausholen, was drinsteckt. «Die Mannschaftsfotos von früher sehen aus, als hätten sich junge Bergbauern am Mittelkreis aufgestellt. Die von heute ähneln den Bildern der gecasteten Popgruppen aus dem Fernsehen», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» einmal.

Die Resonanz darauf ist schwankend. «Ohne Einwanderer», ätzte «Marca» vor dem WM-Spiel gegen Spanien, hätte es die Schweiz erst gar nicht nach Südafrika geschafft. Auch einigen rechten Politikern ist die Mannschaft zu multikulturell. Die meisten Schweizer sehen in ihr aber vor allem ein Zeichen gelungener Integration. Sie erkennen, dass diese «Nati» schlicht die gesellschaftlichen Realitäten in ihrem Land widerspiegelt. Der Gewinn der «U17»-WM hatte für Sportminister Ueli Maurer sogar «staatspolitische Bedeutung. Eine so erfolgreiche Integration soll uns einmal jemand nachmachen», sagte er.

1993 startete der Fußball-Verband SFV dazu ein neues Nachwuchs- Konzept namens «Footuro», mit dem Talente in jedem Winkel des Landes entdeckt und gefördert werden. Die Jugendarbeit ist jetzt so gut, dass der SFV manchmal auch zum Opfer ihres Erfolgs wird: Die in der Schweiz aufgewachsenen Bundesliga-Stars Mladen Petric, Ivan Rakitic (beide Kroatien) oder Zdravko Kuzmanovic (Serbien) spielen nach einer exzellenten Ausbildung nun für die Länder ihrer Eltern.

Ähnliche Befürchtungen wurden auch nach dem Triumph der «U17» laut, auch deren Leistungsträger heißen Haris Seferovic, Nassim Ben Khalifa oder Sead Hajrovic. Im November vermeldete der «Blick» dann erleichtert: «U17-Weltmeister wollen der Schweiz treu bleiben.» Etwas Angst kriegen nun langsam andere: «Die Schweiz hat eine rosige Zukunft vor sich», sagte Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque.

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