Archivierter Artikel vom 18.11.2013, 09:20 Uhr
Ingolstadt

Mit voller Kraft ins Arbeitsleben – Ausbildung mit Handicap

Mit Handicap eine Ausbildung zu finden, ist nicht leicht. Viele Arbeitgeber haben Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderung. Doch der Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt kann gelingen. Reha-Berater der Arbeitsagentur helfen dabei.

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Junge Frau mit Sehbehinderung
Jugendliche mit Handicap haben es oft schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Marie Schenk hat trotzdem nie daran gedacht, aufzugeben.
Foto: Armin Weigel – DPA

Marie Schenk hatte einen Traum: Sie wollte Informatikerin werden. Mit ihrer starken Sehbehinderung war das jedoch nicht möglich. Aufgeben? Auf keinen Fall! Stattdessen entschied sie sich für eine kaufmännische Ausbildung. Den Einstieg suchte sie zunächst über verschiedene Praktika. Bei dem Automobilhersteller Audi hat es dann mit einem Ausbildungsplatz geklappt. «Ich war die erste Auszubildende bei Audi mit einer Sehbehinderung. Für diese Chance bin ich sehr dankbar», sagt sie.

Für Jugendliche mit Handicap ist es oft nicht leicht, einen Ausbildungsplatz zu finden. Zwar sind Unternehmen ab 20 Beschäftigten dazu verpflichtet, mindestens fünf Prozent schwerbehinderte Menschen einzustellen. Machen sie das nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen. Häufig zahlten die Betriebe jedoch lieber die Abgabe, als den Arbeitsplatz behindertengerecht umzubauen, sagt Ulrike Jansen von der Aktion Mensch. Im Schnitt besetzten Firmen nur vier Prozent ihrer Jobs mit Schwerbehinderten. Jugendliche mit Handicap müssen sich deshalb häufig stärker als andere um einen Ausbildungsplatz bemühen. Doch sie sind dabei nicht allein.

Unterstützung bietet vor allem die Arbeitsagentur. Sie hat Reha-Berufsberater, die bei der Suche nach der passenden Ausbildungsart helfen. Mit ihnen sollten Jugendliche spätestens ein Jahr vor Ausbildungsbeginn Kontakt aufnehmen. «Die jeweilige Unterstützung erfolgt nach dem Grundsatz: So normal wie möglich, so speziell wie erforderlich», erklärt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit. Zunächst werde versucht, die Jugendlichen in Betriebe zu vermitteln. Bei der Suche lohnt es sich, nach Firmen Ausschau zu halten, die in der Vergangenheit gegenüber Menschen mit Handicap besonders aufgeschlossen waren – und etwa von Integrationsämtern schon einmal ausgezeichnet wurden.

«Manchmal ist eine Ausbildung in einer Werkstatt für Behinderte aber die bessere Alternative», sagt Ebsen. Ist wegen der Art und Schwere der Behinderung keine Regelausbildung möglich, gibt es sogenannte Fachpraktikerausbildungen. Die angepassten Berufe können Menschen mit Handicap in den 52 Berufsbildungswerken (BBW) erlernen.

«Die besondere Stärke der Berufsbildungswerke liegt in einem ganzheitlichen Konzept», berichtet Hanna Buse von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke. Berufsschule, Praxis, Beratung und – je nach BBW – Internat befinden sich auf einem Gelände. Insgesamt bieten die BBW 240 Berufe an – vom Änderungsnäher bis zum Zahntechniker. Nach der Ausbildung hilft das BBW bei der Jobsuche. Hat ein Mensch ein so starkes Handicap, dass auch eine Fachpraktikerausbildung nicht möglich ist, bleibt die Alternative, ohne Ausbildung in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten.

Marie Schenk hat es inzwischen geschafft – die heute 24-Jährige konnte aufgrund guter Noten ihre Ausbildung sogar um ein halbes Jahr verkürzen. Im Anschluss wurde sie von Audi übernommen. Ihr nächster Traum: Eine Weiterbildung im Personalbereich. Aufgeben? Das kenne sie nicht.

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