Archivierter Artikel vom 09.07.2010, 09:24 Uhr
Cleveland

Mit U2 auf der Bühne: Clevelands «Heilige Halle des Rock»

Ruhmeshallen gibt es viele in den USA: für Baseballstars, Astronauten und Theaterschauspieler etwa. Auch Musiker werden an mehreren Orten mit einer «Hall of Fame» geehrt. Cleveland wartet mit der lautesten auf – hier dreht sich alles um Rock'n'Roll.

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Rock'n'Roll Hall of Fame
Die Pyramide von Cleveland: Entworfen wurde die «Rock'n'Roll Hall of Fame» vom Architekten I.M. Pei. (Bild: «Rock and Roll Hall of Fame and Museum»/dpa/tmn)

«The Boss» Bruce Springsteen, U2, die Rolling Stones und die Beatles: Generationen von Krachmachern sind in der Pyramide am Ufer des Eriesees im US-Staat Ohio zu Hause. Die jugendliche Rebellion der vergangenen 50 Jahre beherrscht die eigenwillige Konstruktion des Architekten I.M. Pei. Die «Heilige Halle des Rock» besteht aus der Eingangspyramide, einem Zylinder und einer Box, die wagemutig über das Seeufer ragt. Außen ist alles aus kühlem Glas und Stahl, innen alles funky und bunt.

Motorrad von Bruce
Auch ein Motorrad von Bruce Springsteen gehört zu einer Sonderausstellung, die bis Ende 2010 in der «Rock'n'Roll Hall of Fame» zu sehen ist. (Bild: Eck/dpa/tmn)

John Lennons alte Lederjacke, David Bowies waghalsige Hosen, Jim Morrisons recht ansehnliche Schulzeugnisse und Michael Jacksons berühmter Handschuh sind ausgestellt. «Mir war wichtig, die Wurzeln der Rockmusik zu präsentieren», sagt Jim Henke, der Museumskurator. Dazu gehören Mischpulte und Tonbandmaschinen aus dem legendären Sun Studio in Memphis. Dort wurde Elvis Presley entdeckt, dort kamen Blues-Größen wie B.B. King und Countrystars wie Johnny Cash zu Ruhm.

Eingangshalle
In der Eingangshalle der «Rock'n'Roll Hall of Fame» empfangen von der Decke hängende Autos die Besucher. (Bild: Rock and Roll Hall of Fame and Museum/dpa/tmn)

«Cleveland war innerhalb der Rockszene immer ein Begriff», erklärt Henke. David Bowie gab hier zum Beispiel sein erstes US-Konzert. Alan Freed, ein lokaler Discjockey, machte die Musik in den 50er Jahren im Radio populär. Und als die «Rock'n'Roll Hall of Fame» Mitte der 80er Jahre beschloss, den von ihr geehrten Stars eine Heimat zu geben, war Cleveland entschlossen, das Rockmuseum als Touristenattraktion an sich zu ziehen. Die Stadt und einige Gönner brachten 65 Millionen Dollar auf, und das gab den Ausschlag. In der Konkurrenz mit New York, Memphis und San Francisco bekam Cleveland den Zuschlag.

Pink Floyds «The Wall»
Auch Pink Floyds «The Wall» wird in der «Rock'n'Roll Hall of Fame» in Cleveland thematisiert. (Bild: Rock and Roll Hall of Fame and Museum/dpa/tmn)

Die Höhepunkte liegen im Tiefgeschoss: Virtuelle Spielereien und interaktive Abhörkabinen lassen die Besucher die Gegenwart vergessen. Durch 500 Songs lässt es sich surfen und klicken. Wer es nicht schon wusste, lernt zum Beispiel, dass Bob Dylan von Woodie Guthrie beeinflusst wurde und die Beatles von Chuck Berry. Samtgewänder und Schals erinnern an den eigenwilligen Stil von Freddy Mercury und beweisen, dass Fleetwood Macs Steve Nicks eine Wespentaille besaß.

Wie ist Jim Henke bloß an all diesen Kram gekommen, an die gekritzelten Liedertexte und die Sgt.-Pepper-Uniform der Beatles? «Yoko Ono war die erste, die mir alle möglichen Sachen von John zur Verfügung stellte», erzählt der Kurator von den Dingen, die an John Lennon erinnern. «Und das wirkte fast wie ein Köder.» Wenn er dann bei ZZ Top, Bono von U2 oder Roger Daltrey von The Who vorsprach, konnte er auf seine Lennon-Beute verweisen. «Das brachte sie dann dazu, auch ein paar persönliche Gegenstände locker zu machen.»

Noch bis Ende 2010 steht Bruce Springsteen in den obersten beiden Stockwerken im Rampenlicht. Die Sonderausstellung «From Asbury Park to the Promised Land» erzählt die Karriere des Arbeiterkindes aus New Jersey. Der «Boss» hat offensichtlich entrümpelt: Sein Küchentisch, an dem er die meisten Songs schrieb, ist in Cleveland ausgestellt, ebenso seine karierten Hemden und die Fender-Esquire-Gitarre von «Born to Run». Dazu kommen die Jeans und das Hemd vom Plattencover.

Höhepunkt des Museums ist eine 3D-Live-Show von U2. Mit der dazu nötigen Brille auf der Nase findet man sich Seite an Seite mit Bono und «The Edge» auf der Bühne in Buenos Aires. Es ist Nacht, es ist laut, und die Musik wummert durch den Magen: «It's a beautiful day».

Offizielle Museums-Website: dpaq.de/Rockhall

Fremdenverkehrsbüro Cleveland: dpaq.de/Cleveland

Cleveland

Anreise und Formalitäten: Der Flughafen von Cleveland ist von Europa aus nur mit Umsteigen zum Beispiel in Washington, New York oder Chicago zu erreichen. Deutsche Touristen brauchen kein Visum in ihrem Reisepass. Sie müssen sich allerdings vor ihrer Abreise online anmelden ( https://esta.cbp.dhs.gov). Die Einreiseerlaubnis gilt dann in der Regel für beliebig viele Einreisen innerhalb von zwei Jahren.

Museum: Das Rock'n'Roll Museum liegt direkt am Ufer des Eriesees. Es ist täglich von 10.00 bis 17.30 Uhr geöffnet, mittwochs sowie in den Sommermonaten auch samstags bis 21.00 Uhr. Erwachsene zahlen 22 Dollar Eintritt, Senioren 17 Dollar und Kinder von neun bis zwölf Jahre 13 Dollar. Für Kinder bis acht Jahre ist der Eintritt frei.

Geld: Für einen Euro gibt es 1,19 US-Dollar (Stand: Juni 2010).

Informationen: Rock and Roll Hall of Fame, 1100 Rock and Roll Blvd, Cleveland, OH 44114, Telefon von Deutschland: 001/216/781 76 25.