40.000
  • Startseite
  • » Merkel auf IAA: Autoindustrie muss Vertrauen zurückgewinnen
  • Aus unserem Archiv

    Merkel auf IAA: Autoindustrie muss Vertrauen zurückgewinnen

    Schadstoff-Tricksereien und drohende Diesel-Fahrverbote setzen die deutschen Autobauer unter Druck. Zum großen Treff bei der IAA mahnt die Kanzlerin Konsequenzen an - gefährdet werden dürfe die Branche aber keineswegs.

    Merkel
    Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem Rundgang über das IAA-Gelände.
    Foto: Andreas Arnold - dpa

    Frankfurt/Main (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Autoindustrie nach dem Vertrauensverlust durch den Abgas-Skandal zu starken Investitionen in neue Antriebe aufgefordert.

    IAA - Eröffnung
    Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche (l-r), Kanzlerin Angela Merkel, VDA-Präsident Matthias Wissmann und Sheryl Sandberg (Facebook), bei der Eröffnungsfeier der IAA.
    Foto: Frank Rumpenhorst - dpa

    Es führe kein Weg daran vorbei, dass „noch auf Jahrzehnte“ effiziente und sparsame Verbrennungsmotoren gebraucht würden, sagte sie bei der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt.

    Sprengstoffkontrolle
    Mit einem Sprengstoffspürhund untersuchen Polizisten kurz vor der Ankunft von Bundeskanzlerin Merkel Fahrzeuge auf der IAA, hier einen ID Buzz von Volkswagen.
    Foto: Boris Roessler - dpa

    Zugleich müsse aber „mehr denn je“ in Forschung und die Entwicklung neuer Antriebstechnologien investiert werden. Die deutsche Branche räumte erneut Fehler ein und bekannte sich zu Abgas-Innovationen.

    Matthias Wissmann
    VDA-Präsident Matthias Wissmann spricht bei der Eröffnungsfeier der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA.
    Foto: Frank Rumpemhorst - dpa

    Merkel rief die Autoindustrie zu Lehren aus dem Abgas-Skandal auf. Unternehmen hätten „Regelungslücken exzessiv ausgenutzt“. Damit hätten sie sich nicht nur selbst Schaden zugefügt, „sondern vor allem auch Verbraucher und Behörden getäuscht und enttäuscht“.

    Greenpeace-Protest
    Greenpeace-Aktivisten demonstrieren auf der IAA mit einer Performance vor dem Stand von Audi für saubere Luft.
    Foto: Maria Feck/Greenpeace - dpa

    Auch wenn dies nur eine Minderheit der Branche betreffe, müsse diese „alles daran setzen, Glaubwürdigkeit und Vertrauen so schnell wie möglich zurückzugewinnen“. Schärfere Bewertungen der Abgasmanipulationen, die sie im laufenden Bundestagswahlkampf unter anderem auch als „Betrug“ verurteilt hatte, wiederholte die Kanzlerin in ihrer Rede nicht.

    Protest der Deutschen Umwelthilfe
    Mitglieder der Deutschen Umwelthilfe protestieren in Frankfurt mit Plakaten gegen den Dieselskandal.
    Foto: Andreas Arnold - dpa

    Gerade im Verkehrsbereich gehe wegen des Klimaschutzes kein Weg an Veränderungen vorbei, betonte Merkel. „Uns muss der Wandel hin zu emissionsfreier Mobilität gelingen.“ Dabei gelte: „Wir wollen, dass Deutschlands Automobilindustrie auch in zehn oder 15 Jahren innovativ und stark ist.“ Dass bei Elektro- und Hybridantrieben weltweit etwa jedes dritte Patent aus Deutschland stamme, lasse auf wachsende Marktanteile hiesiger Hersteller hoffen. Die Kanzlerin hob die große Bedeutung der Schlüsselindustrie für Beschäftigung und Wachstum hervor. „Wir wissen, was unser Land an Ihrer Branche hat.“

    Müller und Merkel
    VW-Vorstandschef Matthias Müller führt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Messestand von Audi.
    Foto: Andreas Arnold - dpa

    Um die Luftverschmutzung in Städten zu reduzieren und Fahrverbote zu vermeiden, müssten die deutschen Autobauer zugesagte Software-Updates bei weiteren 2,8 Millionen Dieseln zügig aufspielen. Merkel mahnte, dass auch ausländische Marken, von denen drei Millionen Dieselwagen auf den Straßen seien, einen „substanziellen Beitrag“ zur Lösung der Probleme leisten müssten. Sie verwies auf das Spannungsfeld, sowohl das Klimagas CO2 als auch Stickoxide (NOx) zu reduzieren. „Ein Entweder-oder hilft hier gar nichts. Beides muss möglich werden.“

    Feucht durchwischen
    Eine Mitarbeiterin wischt am Stand von Mercedes unter einem Elektro-Konzept-Fahrzeug namens EQ A den Boden.
    Foto: Frank Rumpenhorst - dpa

    Die Bundesregierung kündigte außerdem an, wegen des Diesel-Skandals die Entwicklung alternativer Motoren und Kraftstoffe zusätzlich zu fördern. Noch in diesem Herbst soll ein Programm starten, für das allein das Wirtschaftsministerium nach eigenen Angaben bis Ende 2020 mindestens 20 Millionen Euro pro Jahr bereitstellt.

    Merkel auf IAA
    Bundeskanzlerin Angela Merkel besichtigt bei ihrem Eröffnungsrundgang der IAA ein System für einen Elektroantrieb am Stand von Bosch.
    Foto: Frank Rumpenhorst - dpa

    Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sprach auf der IAA von „gravierenden Fehlern“ in einzelnen Unternehmen, die nicht hätten passieren dürfen. Diesen werde mit aller Konsequenz nachgegangen. „Wir sind uns bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen ist. Dies zurückzugewinnen, ist unser zentrales Anliegen.“ Pauschale Urteile über die Autoindustrie seien aber nicht gerechtfertigt.

    Wissmann betonte: „Der moderne Diesel gehört zu einem zukunftsfähigen und nachhaltigen Antriebsmix dazu.“ Zugleich verharre niemand in der Branche im Status quo. Wegen der großen Dimension sei es wichtig, die technologische Transformation „politisch klug zu flankieren“. Wissmann kritisierte außerdem die im internationalen Vergleich aus seiner Sicht sehr strengen europäischen Stickoxid-Grenzen.

    Der Umweltverband Greenpeace protestierte beim Merkel-Rundgang über die IAA gegen Diesel-Pkw. Diese seien die Hauptquelle des Atemgifts Stickstoffdioxid (NO2) im Straßenverkehr. Die auf der IAA angekündigten E-Autos kämen vielfach erst in einigen Jahren auf den Markt, während viele Hersteller weiterhin vor allem große Geländewagen und Limousinen mit Dieselmotor verkauften.

    Die Automobilindustrie ist die deutsche Schlüsselbranche mit zuletzt rund 871.000 Beschäftigten. Sie hat ihr Gewicht in der deutschen Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesteigert. Ihr Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung hierzulande lag 2015 bei 4,5 Prozent - im Jahr 2005 waren es noch 3,4 Prozent gewesen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit.

    67. Internationale Automobilausstellung

    IAA: Die Elektro-Show für Merkel

    Die Internationale Automobilausstellung IAA

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    2°C - 7°C
    Montag

    6°C - 9°C
    Dienstag

    4°C - 10°C
    Mittwoch

    5°C - 11°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    UMFRAGE
    Kneipensterben auf dem Dorf

    Nur noch etwa jedes zweite Dorf hat eine eigene Gaststätte oder Kneipe – und es werden immer weniger. Vermissen Sie die Dorfkneipe?

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!