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Berlin

Mentorin Steffen spürt immer noch «EM-Hormone»

Die Berliner Wettkampfluft spürt Olympiasiegerin Britta Steffen auch nach dem Karriereende noch.

Mentorin
Britta Steffen berät jetzt die deutschen Schwimmer.
Foto: Friso Gentsch – DPA

«Als ich reinkam und die Schwimmhallenluft roch, den frisch verlegten Teppich und so... das tickert bei mir sofort Wettkampfmodus an», schilderte die 30-Jährige, «und dann geht's auch los, dass der Körper wirklich scheinbar Hormone produziert, die in die Richtung gehen. Aber an der Stelle bin ich mir wirklich auch ganz bewusst: Mein Schritt war letztes Jahr genau richtig.» Locker, gelöst und glücklich wirkt sie ein knappes Jahr nach dem Rücktritt.

EM- und WM-Titel, Weltrekorde und als sportliche Krönung der Doppel-Olympiasieg von Peking. Steffen erreichte in ihrer Karriere alles, ehe sie im September ohne großes Brimborium von der großen Bühne abtrat. Bei den Heim-Europameisterschaften ist sie nun «einerseits wegen meines Freundes dabei», erklärte die Lebenspartnerin von Paul Biedermann, die aber auch eine Aufgabe im jungen deutschen Team hat. «Es gibt so eine Art kleines Mentoren-Konzept, bei dem ich die jüngeren Sportler betreue beziehungsweise zur Verfügung stehe, wenn es Fragen gibt.»

Chef-Bundestrainer Henning Lambertz telefonierte mit der besten deutschen Schwimmerin des vergangenen Jahrzehnts vor der EM und regte die Mitarbeit an. Steffen freute sich auf die Aufgabe – und über eine Woche Urlaub auf Sardinien, wo das deutsche Team sein Trainingslager vor der EM abhielt. Erholungsferien sehen aber anders aus. «Ich war relativ gut gebucht und hatte viele Tassen Kaffee mit schönen Gesprächen. Ich habe gemerkt, dass wirklich Redebedarf da ist», berichtete Steffen.

Allein könne sie natürlich nicht alles schaffen, aber aus ihrem Erfahrungsschatz berichte sie gerne, sagte die 30-Jährige. Als «simples Beispiel» erinnerte Steffen an die «Gewichtsprobleme», die sie beim Reifeprozess vom jungen Mädchen zur Frau hatte. «Da hatte ich zwei Jahre, die einfach wirklich schlecht waren, weil ich – wie mein Trainer sagte – zu viel passive Masse hatte», schilderte die frühere Freistil-Königin eine keineswegs leichte Zeit. Etwa solche Erfahrungen kann nun dem deutschen Schwimm-Nachwuchs nutzen; auch in Berlin «sollen einige Gespräche stattfinden».

Die Mentoren-Aufgabe lässt sich auch aus Lambertz' Sicht gut an. «Gerade die jungen Athleten sollen von ihren Erfahrungen profitieren. Das war ein hundertprozentiger Volltreffer. Britta ist ein absolutes Musterbeispiel für Erfolg», betonte Lambertz. «Das freut uns, dass sie dem Verband zur Verfügung steht», erklärte Präsidentin Christa Thiel. Und Steffen signalisierte bereits, das auch zukünftig zu tun.

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