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Leipzig

Medaille oder Absturz: WM-Skiflieger im Zwiespalt

Dem kollektiven Schock soll die mannschaftliche Trotzreaktion folgen. Nach dem schlechtesten Weltcup-Ergebnis der deutschen Skisprung-Geschichte wollen die Schützlinge von Bundestrainer Werner Schuster bei den Skiflug-WM in Planica mehr als nur Wiedergutmachung betreiben.

Ratlos
Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster wünscht sich einen guten Saisonabschluss.

Möglichst mit einer weiteren Mannschaftsmedaille wollen die deutschen Springer eine durchaus akzeptable Saison beenden. Wo seine Athleten aber tatsächlich einzuordnen sind, weiß nicht einmal Schuster.

Das Versagen von Oslo, als am neuen Holmenkollen beim Weltcup-Finale nicht ein DSV-Springer das Finale erreichte, warf Fragen auf. Wieder mal kamen die Elite-Adler mit den Windbedingungen nicht zurecht. Statt den Saison-Dominatoren Simon Ammann (Schweiz), Adam Malysz (Polen) oder Andreas Kofler (Österreich) den Kampf anzusagen, stürzten Martin Schmitt (Furtwangen), Michael Uhrmann (Rastbüchl), Michael Neumayer (Berchtesgaden) und Andreas Wank (Oberhof) förmlich ab. Schuster fand keine richtige Erklärung. «Wir haben praktisch alles mitgenommen. Die Springer wirkten ausgelaugt. Mit jedem Sprung nahmen die Fehler zu», analysierte der Bundestrainer. Ruhe im heimischen Umfeld sollte nun noch einmal die Akkus aufladen, um in Planica doch noch die WM-Medaille im Team-Wettbewerb anzustreben.

«Die Erfahrung unserer arrivierten Athleten Uhrmann, Schmitt und Neumayer sollte die Basis für ein erfolgreiches Abschneiden bilden. Sie alle haben in dieser Saison bereits gezeigt, dass sie ihr Leistungsvermögen auf den Punkt genau abrufen können», sagt Schuster, der zudem mit Christian Ulmer (Wiesensteig), Richard Freitag (Aue) und Severin Freund (Rastbüchl) drei junge Athleten nominierte und auf Pascal Bodmer (Meßstetten) und unerwartet auch auf Wank verzichtete.

«Skifliegen ist etwas ganz anderes als Springen und Skifliegen in Planica nicht mit Fliegen auf irgendeiner anderen Flugschanze vergleichbar. Alles, was war, zählt in Planica nicht mehr. Da beginnt alles von vorn», betont nun Neumayer. Mit 227,5 Metern ist er nach eigener Aussage «Rekordhalter des SC Berchtesgaden, von Oberbayern, Bayern und Deutschland». Und mit diesem Selbstbewusstsein will er auch auf dem weltweit größten Bakken in Slowenien noch einmal angreifen. «Skifliegen liegt mir, das habe ich ja zuletzt bei der Team-Tour in Oberstdorf gezeigt. Ich weiß, dass ich es drauf habe, ich muss meine Leistung eben nur abrufen», bemerkt der Bayer.

Gleichzeitig erklärt er aber auch, wie schwer Skifliegen ist. «Man muss jeden Flug konzentriert und technisch sauber von oben bis unten durchziehen. Wenn einem das gelingt und man eine gute Form hat, kann es 230 Meter und weiter gehen. Wenn nicht, landet man bei 100 Meter und hat eine lange, gefährliche Abfahrt vor sich.» Und genau das ist möglicherweise das Problem der deutschen Springer. «Wenn ich so eine Form wie in Oslo habe, überstehe ich nicht mal die Qualifikation in Planica, dann ist definitiv nichts möglich. Aber unser Plan ist eine Team-Medaille wie in Vancouver. Dort haben wir gezeigt, was möglich ist und zu welchen Leistungen wir fähig sind. Darauf sollten wir vertrauen», sagte Uhrmann. Im Einzel sind die Favoriten klar: Ammann, Malysz, Gregor Schlierenzauer (Österreich), Harri Olli (Finnland), Anders Jacobsen (Norwegen) und Lokalmatador Robert Kranjec.

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