Archivierter Artikel vom 09.03.2012, 12:25 Uhr
Wiesbaden

Maximilian und Sophie – Wie Vornamen Einfluss nehmen

Maximilian und Spohie/Sofie – das waren im vergangenen Jahr die beliebtesten Vornamen für Neugeborene. Auf Platz zwei kamen Marie und Alexander. Wie können Vornamen eigentlich das Leben beeinflussen? Hier einige wissenschaftliche Erkenntnisse dazu.

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Beliebteste Vornamen
Namensforscher gehen davon aus, dass Vornamen Effekte haben, etwa auf die Erfolgschancen eines Menschen.
Foto: Arne Dedert – DPA

Eltern haben ihre neugeborenen Babys 2011 am häufigsten Sophie/Sofie oder Maximilian genannt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) stellte ihre Namenszählung am Freitag (9. März) in Wiesbaden vor. Auf Platz zwei kamen Marie bei den Mädchen und Alexander bei den Jungen. Die Spitzenreiter ähnelten denen von 2010, als Sophie/Sophia und Maximilian vorn lagen. Vornamen beeinflussen zwischenmenschliche Beziehungen, sagt Jochen Gebauer, Psychologe an der Berliner Humboldt-Universität. Hier eine Auswahl wissenschaftlicher Erkenntnisse:

Erfolgschancen: Namensforscher gehen davon aus, dass Vornamen Effekte haben. Auf Partnerschaftsbörsen im Internet klicken Frauen zum Beispiel Alexander um 102 Prozent häufiger an als Kevin. Mit Alexander assoziieren sie Bildung, mit Kevin wenig Sozialprestige.

Herkunft: In Deutschland werden Vornamen oft nach sozialer Schicht vergeben. Das Bildungsbürgertum bevorzugt klassische Varianten, die in Religion, Geschichte, Literatur oder dem eigenen Stammbaum eine Rolle spielen. Sozial schwache Familien orientieren sich gern an Fernsehshows und benennen ihre Kinder nach ihren Film-Helden.

Lehrer: Studien belegen, dass sich Pädagogen nicht von Namensklischees frei machen können. Sie schrieben Mädchen mit Namen Charlotte intuitiv positivere Eigenschaften zu als einer Chantal.

Kennenlernen: Bei der ersten Begegnung spielen Aussehen und Stimme eine große Rolle. Die erste Information, die wir über einen Menschen erhalten, ist aber oft sein Name. Populäre Vornamen werden dabei häufig positiv wahrgenommen, weil sie ein Gefühl der Vertrautheit vermitteln. Mit dubiosen Vornamen wie Laperla oder Pepsi-Carola verbinden viele Menschen unwillkürlich auch einen dubiosen Typ.

Trends: In den 60er Jahre riet ein Baby-Buch: Nennen Sie ihr Kind nicht Elke, wenn Sie nicht wollen, dass der ganze Kindergarten angerannt kommt. Ein ausgefallener Name kann einem Kind das Leben schwer machen – aber auch eine zukunftsweisende Idee sein. Wer vor 40 Jahren Friederike getauft wurde, hatte es nicht leicht. Heute gilt der Name als schick. Psychologen raten zu zeitlosen Vornamen.

HU-Studie zu Partnerschaftsbörsen

Lehrerstudie

Vornamensberatung der GfdS

Gesetz über die Namensänderung

Kann man den Vornamen ändern lassen?

Haben Eltern bei der Wahl des Vornamens daneben gegriffen, können Kinder ihn nicht so einfach ändern lassen. Der Gesetzgeber sieht vor, dass ein Vorname nur geändert werden kann, wenn ein «wichtiger Grund» vorliegt. Dazu zählen permanente Hänseleien in der Schule, im Beruf oder im Privatleben, die psychisch belastend sind, erläutert die Rechtsanwältin Barbara Thomas in Karlsruhe. Dies müsse durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden. Ein «Gefällt mir nicht» oder die Begründung, dass der Namen albern klinge, reichten dagegen als Gründe nicht aus, sagt Lothar Kirchner, Leiter des Standesamts in Offenbach am Main.

Mit dem 18. Lebensjahr können Jugendliche eine Änderung ihres Vornamens selbst beantragen. Vor der Volljährigkeit sind sie nur beschränkt geschäftsfähig. In diesem Fall können die Eltern oder ein gesetzlicher Vertreter den Antrag stellen. Welche Behörde zuständig ist, unterscheidet sich je nach Bundesland. In einigen Ländern sind es die Standesämter, in anderen die Ordnungsämter. Werden die Gründe für die Namensänderung anerkannt, wird der neue Vorname im Geburtenregister eingetragen.