Archivierter Artikel vom 07.07.2010, 11:28 Uhr
Durban

Manager Bierhoff: «Fortsetzung nur mit Jogi»

Oliver Bierhoff wird seine erfolgreiche Arbeit als Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nur mit Joachim Löw als Bundestrainer fortführen.

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Gemeinsam
Teammanger Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw.

Eine Entscheidung über die Zukunft der gesamten sportlichen Leitung mit Löw und ihm an der Spitze sowie Co-Trainer Hansi Flick und Torwartcoach Andreas Köpke werde aber erst nach dem Ende der Weltmeisterschaft fallen.

«Wir setzen uns nach dem Turnier zusammen. Für mich ist die Arbeit im Team mit Jogi und den anderen Trainern sehr wichtig und klappt hervorragend. Eine Fortsetzung meiner Arbeit als Nationalmannschafts- Manager gibt es nur mit Jogi, nicht ohne ihn», sagte Bierhoff in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung».

Bislang hatten bei Bierhoff die Zeichen auf eine Trennung vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) hingedeutet. Die Verträge des gesamten Löw-Teams laufen nach dem Turnier in Südafrika aus. Eine vorzeitige Vertragsverlängerung war Anfang des Jahres unter anderem an hohen finanziellen Forderungen der sportlichen Leitung gescheitert. «Ich hatte Zeit, die Situation zu analysieren. Natürlich habe ich Fehler gemacht», räumte Bierhoff rückblickend ein.

Einen Fahrplan für die Zukunfts-Entscheidung hatten Löw und Bierhoff bereits vor Turnierbeginn fest vereinbart und haben ihn in Südafrika bislang konsequent durchgehalten. Dabei betonte auch Löw inzwischen die große Bedeutung von Bierhoff für seine Arbeit als Bundestrainer: «Wir im Team haben vereinbart, dass ich nach der WM zuerst mit Oliver Bierhoff das Gespräch suche», sagte der 50 Jahre alte Löw, der drei Kriterien für die erwartete Fortsetzung seiner Tätigkeit benannt hat: Erstens eigene Visionen, zweitens das Team um ihn herum und drittens die Person Bierhoff.

«Zu allererst» werde er mit seiner Frau die Zukunft besprechen, verriet Bierhoff: «Aber die Arbeit mit Jogi hat immer sehr viel Spaß gemacht, und ein wichtiger Aspekt für unseren Erfolg hier ist auch die nahezu perfekte Teamarbeit, die wir zu viert miteinander pflegen», ergänzte der seit 2004 amtierende DFB-Manager.

Über eine mögliche neue Verhandlungsstrategie mit der DFB-Führung habe man sich intern noch nicht verständigt: «Insofern weiß ich auch nicht, ob und mit welchen Vorstellungen er oder wir in mündliche Verhandlungen gehen würden. Das ist alles Zukunft – nach der WM.»

Die offene Zukunft habe für die WM-Arbeit einen positiven Effekt gehabt, bemerkte Bierhoff. Es sei «eine Motivation mehr» gewesen, «denn der Gedanke, dass man hundertprozentig seinen Weg gehen kann, ohne auf etwas Rücksicht nehmen zu müssen, ist doch positiv». Darüber habe er auch mit Löw gesprochen: «Man ist doch in solchen Situationen frei, kann die Dinge im Bewusstsein an das machen, woran man glaubt.»

In seinen sechs Jahren als erster Teammanager in der Geschichte des DFB hat Bierhoff maßgeblich zu einer Professionalisierung rund um das Aushängeschild des deutschen Fußballs beigetragen. «Alles spricht dafür, dass wir den deutschen Fußball, den DFB und auch der Liga viel zurückgegeben haben, auch finanziell», hatte Bierhoff vor dem WM-Halbfinale gegen Spanien in einer Pressekonferenz erklärt.

Ausdrücklich wies der ehemalige DFB-Kapitän dabei auch die Kritik des Ligapräsidenten Reinhard Rauball an einer angeblichen Verselbstständigung der Nationalelf zurück: «Von uns gab es nie Zeichen der Abtrennung. Eine Enge im Team kann es nur mit engem Zusammenhalt geben. Das sehe ich als professionelle Arbeit.»

Sollte Bierhoff weitermachen, würde er in der Bundesliga allerdings mit Argusaugen beobachtet werden. «Bei einer Vertragsverlängerung mit Oliver Bierhoff müssen alle seine Nebentätigkeiten gestrichen werden», forderte Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen in der «Sport Bild».