Archivierter Artikel vom 08.07.2010, 12:20 Uhr
Pretoria

Löw soll bleiben – DFB-Chef: «Zwei-Jahres-Vertrag»

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sein Werben um Bundestrainer Joachim Löw fortgesetzt, aber noch keine Einigung mit dem Bundestrainer über eine Vertragsverlängerung erzielt.

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Die Zeit für Bundestrainer Joachim Löw scheint noch nicht abgelaufen zu sein.

«Es gibt keine Verabredungen, die wir je getroffen hätten. Aber die Chancen stehen gut, weil der Bundestrainer weiß, dass wir hinter ihm stehen», sagte Zwanziger im ARD-Morgenmagazin. Die «Bild»-Zeitung hatte berichtet, dass Löw einen neuen Zweijahresvertrag bis zur EM 2012 erhalten soll

Offiziell will sich der 50-jährige Löw, der nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft mit seinem neuen, jungen Team die Bedingungen für eine Vertragsverlängerung maßgeblich bestimmen kann, mit den Details seiner Zukunftsplanung erst nach dem Turnier auseinandersetzen. «Erst nach der WM werde ich mich mit meiner Zukunft befassen», wiederholte Löw.

Doch nach dem erfolgreichen Turnier in Südafrika wächst nun der Druck auf die DFB-Bosse, eine Einigung mit Löw herbeizuführen. «Wir haben seit Jahren eine sehr gute Nachwuchsarbeit und exzellente Möglichkeiten für die Zukunft. Das sind Voraussetzungen, die einen ehrgeizigen Trainer wie Löw interessieren dürften», erklärte Zwanziger in dem ARD-Interview weiter.

Laut Hans-Georg Moldenhauer wird die Entscheidung kurzfristig fallen. Der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sagte im Inforadio des RBB, dass sich sicherlich alle Mitglieder des DFB-Präsidiums über eine weitere Zusammenarbeit freuen würden. «Mit diesem Team und dem Spielerreservoir, das wir haben, und natürlich mit den entsprechenden Trainern – da denke ich, dass wir jetzt immer mit zu den Favoriten zählen werden, also auch bei der Europameisterschaft. Und ich hoffe, dass wir auch mal wieder einen Titel gewinnen», meinte Moldenhauer.

Viele Zeichen stehen auf Verlängerung – zunächst bis zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. «Langfristige Verpflichtungen sind nicht so gut, auch aus wirtschaftlichen Erwägungen. Es ist vernünftig, immer von Turnier zu Turnier zu denken», sagte Zwanziger, der dem 50-jährigen Löw schon den Roten Teppich ausgerollt hat. Laut «Bild» könne der Bundestrainer auch mit einer Aufstockung seines derzeitigen Gehaltes von geschätzten 2,5 Millionen Euro jährlich rechnen.

Die Verlängerungsverhandlungen zwischen der sportlichen Leitung um Löw und der Verbandsspitze waren zu Jahresbeginn mit viel Getöse und unter gegenseitigen Schuldzuweisungen geplatzt. Selbst Bierhoff, dessen Zukunft beim DFB nach den Querelen mit Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach schon beendet schien, ist wieder im Rennen. «Oliver Bierhoff ist immer einer meiner großen Vertrauten gewesen. Und es ist Fakt, was wir beide schon fünfmal gesagt haben: Was im Februar passiert ist, ist ausgeräumt, ist abgehakt. Unser Verhältnis ist intakt», sagte Zwanziger

Im Anschluss an die WM, die die deutsche Nationalmannschaft am 10. Juli in Port Elizabeth mit dem «kleinen Finale» gegen Uruguay abschließt, wird Löw erst das Gespräch mit Bierhoff und seinem Trainerstab suchen, bevor er mit der DFB-Spitze verhandelt und seine Zukunft endgültig festlegt. Ende Juli möchte Zwanziger einen neuen Löw-Kontrakt vom DFB-Präsidium absegnen lassen. Denn bereits am 11. August steht gegen Dänemark in Kopenhagen das erste Länderspiel der Nationalmannschaft nach der WM an.

«Seitdem Joachim Löw bei der Nationalmannschaft ist, sind wir viel stärker geworden. Wir sind eine der besten Mannschaften der Welt, waren in allen Turnieren vorne dabei», votierte auch Mittelfeld-Chef Bastian Schweinsteiger nach der 0:1-Niederlage gegen Spanien für Löw. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat für den 11. Juli in Erasmia noch eine letzte große Pressekonferenz angekündigt, auf der Löw und Zwanziger ihr WM-Fazit ziehen wollen.

Schon unmittelbar nach der Enttäuschung über das verpasste WM-Finale am Kap warb der Präsident nochmals ausdrücklich um Löws Weiterbeschäftigung: «Fakt ist, dass dieses Team bei der WM funktioniert hat. Und ein gut funktionierendes Team sollte man nicht auseinanderreißen.» Die Nationalmannschaft sei natürlich das Flaggschiff des DFB: «Und ich gehe davon aus, dass wir Lösungen finden werden, die man in Deutschland von uns erwartet.»

«Der Trainer hat in entscheidenden Situationen gezeigt, was er imstande ist zu leisten mit so einer jungen Mannschaft», erklärte der 101-malige Nationalstürmer Miroslav Klose, der auf gute Verhandlungen der DFB-Funktionäre setzt. «Jeder weiß, was wir vom Trainer halten und dass er ein sehr, sehr guter Trainer ist», unterstrich Philipp Lahm, dem Löw in Südafrika das Kapitänsamt übertragen hat.

Auch Lukas Podolski möchte unbedingt unter Löw im DFB-Team weitermachen: «Die Enttäuschung sitzt jetzt auch bei ihm tief. Das muss man erst mal verdauen. Ich denke und hoffe, dass er in den nächsten Tagen oder Wochen seinen Vertrag verlängert. Wir haben uns unter ihm sehr gut entwickelt. Ich hoffe, dass er noch länger unser Trainer bleibt.»

Franz Beckenbauer ist wie andere schon sicher, dass Löw bleibt. «Was zusammengehört, muss auch zusammenbleiben. Das weiß er auch», sagte der «Kaiser» im TV-Sender «Sky» mit dem Hinweis auf die junge Mannschaft, die Löw aufgebaut hat. «Er hat noch eine Mission zu erfüllen, und ich bin überzeugt, dass er seinen Vertrag verlängern wird. Bundestrainer in Deutschland ist ein Traumjob.»