Ehemaliger Starcraft-Profi TLO

Lieber 100.000 begeistern, als von Millionen gesehen werden

Der ehemalige Starcraft-Profi TLO hat einen neuen Job: Bei Shopify Rebellion baut der gebürtige Leipziger ein neues E-Sport-Team auf. Und das mit einem besonderen Ansatz.

TLO
Dario «TLO» Wünsch auf einem Panel bei der Blizzcon 2019.
Foto: Benedikt Wenck/dpa

Berlin/Toronto (dpa) – Es ist noch kein Jahr her, da beendete Dario „TLO“ Wünsch seine Karriere als aktiver E-Sportler. Nach zehn Jahren bei Team Liquid fand der vor allem als Starcraft-Spieler bekannte Deutsche einen neuen Job beim E-Commerce-Anbieter Shopify.

Dort baut er nun ein komplett neues E-Sport-Team auf. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erzählt er, was seine neuen Aufgaben im „Ruhestand“ sind und warum Shopify Rebellion seinen Weg ausgerechnet in den Disziplinen Starcraft 2 und Rocket League beginnt.

Frage: Was machen Sie in Ihrem neuen Job genau?

Antwort: Das ist gar nicht so einfach zu beschreiben, weil wir das E-Sport-Programm gerade noch aufbauen und ich noch sehr viele Hüte trage. Theoretisch sind wir beim Titel „Head of Player Development“ gelandet, das kann man sich wie einen Cheftrainer vorstellen. Im Kern meiner Arbeit kümmere ich mich um die Performance bei den Spielern, dass sie das nötige Equipment haben; wir reden aber beispielsweise auch über Strategie in- und außerhalb des Spiels. Generell bin ich aber die rechte Hand unseres General Managers Jeremy Steeves und war bei sehr vielen Entscheidungen mit eingebunden.

Das Leben nach der E-Sportler-Karriere

Frage: War das für Sie eine natürliche Weiterentwicklung nach Ihrer aktiven Spielerkarriere?

Antwort: Ich habe mit E-Sport angefangen, als ich zwölf Jahre alt war. Das ist natürlich gerade in der Zusammenarbeit mit den Spielern hilfreich, weil ich genau weiß, was durch die Köpfe der Spieler geht. Ich war aber in den letzten Jahren nicht nur Spieler, sondern war auch Manager und Coach bei Team Liquid und kenne nicht nur die Spieler-Perspektive. Für mich war es auch immer klar, dass ich nach meiner Profikarriere im E-Sport bleiben möchte, und das hier ist für mich ein absoluter Traumjob.

Frage: Shopify hat jetzt eine Art Werksmannschaft gegründet. Hat das Vorteile gegenüber einem eigenständigen E-Sport-Team oder dem Sponsoring einer Organisation?

Antwort: Es gibt eine Reihe von Vorteilen, unter anderem können wir das Team gestalten, wie wir wollen. Es gibt keine weiteren Interessen und wir sind kein Logo, das neben zehn anderen Logos steht. Wir können auch viel langfristiger denken, weil wir wissen: Wir sind commited, wir bauen das auf und wir können einen jahrelangen Plan erstellen, was unsere verschiedenen Schritte sind. Und wir haben Vorteile, was die Kosten angeht, weil wir alles intern machen.

Mannschaft ist Teil des Marketingbudgets

Frage: Was ist denn das Hauptziel für die E-Sport-Abteilung? Soll das Team Geld einbringen?

Antwort: Die Marke Shopify im E-Sport zu platzieren ist definitiv das Hauptziel. Im E-Sport als Team Geld zu verdienen, ist gar nicht so einfach. Das Team ist Teil unseres Marketingbudgets, das ist ganz klar.

Frage: Wie kam die Entscheidung zustande, in die vergleichsweise kleinen E-Sport-Ökosysteme Starcraft 2 und Rocket League zu investieren?

Antwort: Einer der Gründe, warum ich hier bin, ist, zu identifizieren: Wo können wir den meisten Einfluss haben als Team? Es ist nicht immer unbedingt das effektivste, bei den größten Szenen als ersten Schritt aufzutreten. Da können viele Fehler passieren, weil das auch Bereiche sind, in denen sehr viel Geld ausgegeben werden muss. Viel Geld ausgeben heißt aber nicht unbedingt, dass man auch mehr erreicht. Aus unserer Perspektive ist es wichtiger, 100.000 Leute zu begeistern, als von 10 Millionen Leuten gesehen zu werden. Außerdem sind Starcraft und Rocket League sehr offene Spiele, wo jeder theoretisch in der Lage ist, den Schritt vom Amateur zum Profi zu machen.

ZUR PERSON: Dario „TLO“ Wünsch gehört zu den bekanntesten deutschen E-Sportlern. Der 30-Jährige war seit der Beta von Starcraft 2 in dem Echtzeitstrategiespiel aktiv, bis er 2020 seine Profikarriere beendete und als Manager zu Shopify Rebellion wechselte. Der gebürtige Leipziger lebt mit seiner Familie in Toronto, Kanada.

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