Archivierter Artikel vom 18.03.2010, 19:30 Uhr

«Legendäre» Bentele – Goldrausch hält an

Whistler (dpa). Der deutsche Medaillenrausch in Kanada geht weiter. In den Loipen von Whistler feierte Verena Bentele im klassischen Fünf-Kilometer-Langlauf mit dem vierten Gold einen weiteren Triumph. Gerd Schönfelder aus Kulmain ist zum 14. Mal Paralympics-Sieger bei den Alpinen.

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Gold
Gerd Schönfelder jubelt über Gold in der Abfahrt.

Bentele hatte nach dem Rennen iertletzten Tag der Paralympics und bei Kaiserwetter nur noch einen Wunsch: «Ausschlafen, Kaffee mit Rührei und ein gemütliches Frühstück» – nach vier Goldmedaillen bei den Paralympics von Vancouver sehnte sich der selbst erklärte Frühstücks-Freak an zwei bevorstehenden Ruhetagen nach Entspannung und einer Shopping-Einheit mit der Mutter.

Luftsprung
Gerd Schönfelder (r) macht einen Luftsprung auf dem Podium.

Vier Starts, vier Triumphe, Superlative ohne Ende: «Sie ist auf jeden Fall legendär», kommentierte Athletensprecher Frank Höfle die Leistungen der blinden Top-Sportlerin. Für Chef de Mission Karl Quade ist es schlicht «unfassbar. Eine unglaubliche Geschichte».

Schwere Piste
Der Kanadier Chris Williamson (r) kommt auf der schwren Abfahrt mächtig ins Straucheln.

Verena Bentele wehrte sich gegen die Formulierung von der Legende: «Ich glaube eher nicht, dass ich eine bin.» Aber eines ist die 28- Jährige mit absoluter Sicherheit: Die Skikönigin im Paralympic Park von Whistler, wo sie im klassischen Fünf-Kilometer-Langlauf den Goldrausch fortsetzte. Die Mannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) übertraf bereits am viertletzten Tag mit jetzt neun ersten Plätzen das Ergebnis von Turin 2006. Nur Russland liegt im Medaillenspiegel (9/12/7) vor dem deutschen Team (9/4/4).

Edelmetall
Gerd Gradwohl freut sich über den Gewinn von Abfahrts-Bronze.

Ob Verena Bentele auch in vier Jahren in Sotschi noch dabei sein wird? Sie sprach am Abend im Deutschen Haus, wo die vielen Erfolge bei Kuhglockengeläut lautstark gefeiert wurden, erstmals offen vom nahen Ende ihrer großartigen Karriere: «Die Wahrscheinlichkeit ist da, dass ich aufhöre.» Ihr Begleitläufer Thomas Friedrich macht auf jeden Fall Schluss. Noch einmal mit einem neuen anzufangen und sich wieder die notwendige totale Symbiose mit dem «Guide» zu erarbeiten – mit diesem Gedanken kann sie sich (noch) nicht anfreunden.

Bestzeit
Verena Bentele erreicht mit ihrem Begleitläufer Thomas Friedrich das Ziel.

Gerd Schönfelder, der «Stier von Kulmain», hat sich längst entschieden, dass er nach Vancouver abtritt. Doch das tut er mit Hochgenuss: Bei strahlendem Sonnenschein raste er zum Sieg in der Alpin-Abfahrt – sein 14. Gold. Der armamputierte Bayer ist bereits vor seinen letzten beiden Starts mit 20 Mal Edelmetall gemeinsam mit dem Nordischen Frank Höfle erfolgreichster Deutscher in der Historie der Spiele.

Überragend
Verena Bentele (r) und Begleiter Thomas Friedrich jubeln über das vierte Gold.

Skischlitten-Fahrerin Andrea Eskau holte über fünf Kilometer «supergeiles Silber». Abfahrts-Dritte wurden Andrea Rothfuß (Mitteltal) und der Kemptener Gerd Gradwohl. Ein Sturz mit dem Monoski verhinderte vorläufig den dritten Gold-Coup des Surbergers Martin Braxenthaler. Auch im Rollstuhl-Curling ging einiges schief: Nach dem 2:9 gegen Südkorea und dem 3:10 gegen Schweden verpasste der WM-Dritte mit Skip Jens Jäger das angestrebte Halbfinale klar.

Verena Bentele hatte da ihre Lockerheit längst wiedergefunden. Kurz vor dem Ziel des Fünf-Kilometer-Rennens fuhr sie ihrem Vordermann Friedrich auf die Latten und flachste: «Der Guide ist langsam fertig.» Dass sie jetzt etwa 2,5 Kilogramm an goldenen Plaketten mit nach Hause nimmt, macht sie nicht nervös: «Das Übergepäck zahlt ja der Verband.» Benteles bisherige paralympische Bilanz: elfmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze. Der Isnyer Höfle wurde Siebter im 10-Kilometer-Klassiker und wird seine Karriere beschließen: «Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht.»

In Whistler Creekside wurden die Zuschauer an der «Franz's-Run»- Piste an die dramatischen Stürze bei Olympia erinnert. Doch alles ging glimpflich ab, es gab keine schlimmen Verletzungen und keine Brüche. Auch nicht bei dem gestürzten Braxenthaler, der zum dritten Mal volles Risiko ging: «Ich bin eine enge Linie gefahren. Dann habe ich einen Schlag bekommen, es hat mich ausgedreht, und ich bin gestürzt.»