Archivierter Artikel vom 18.03.2010, 11:22 Uhr
Dudenhofen

Langer Winter: Kaum Spargel zu Ostern

Der lange und kalte Winter beschert Spargelbauern und -fans gleichermaßen Probleme: Das edle Stangengemüse lässt länger als sonst auf sich warten.

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Schneebedeckte Spargelfelder
Schneebedeckte Spargelfelder bei Potsdam: Bis Ostern wird noch nicht viel vom beliebten Stangengemüse reif sein. (Bild: dpa)

«Es wird auf jeden Fall später», sagt Spargelbäuerin Traudel Beck vom Martinshof im pfälzischen Dudenhofen. «Aber was 'später' heißt, weiß nur einer: der liebe Gott.»In einem Punkt sind sich Experten aber einig: Spargelfreunde sollten nicht darauf setzen, dass es zu schon Ostern große Mengen aus heimischem Anbau gibt.

In Rheinland-Pfalz beispielsweise sind die Böden noch weitgehend gefroren. «Da tut sich in Sachen Vegetation beim Spargel überhaupt nichts. Das ist wie wenn wir Männer ins kalte Wasser gehen, da gibt es gewisse Parallelen», sagt der Sprecher der Landwirtschaftskammer, Frieder Zimmermann. Er weist aber auch darauf hin, dass mancher Bauer dem Spargel mit technischen Tricks auf die Sprünge hilft – und deshalb doch schon eher ernten kann.

So richtig wird es mit dem Spargel wie mit anderen Gemüsesorten erst acht bis zehn Tage später losgehen als sonst, schätzt der Vertriebsleiter des Pfalzmarktes in Mutterstadt in der Rhein-Neckar-Region, Karl Völcker. Während 2009 bereits Ende März der erste Spargel gestochen wurde, wird die Haupternte in diesem Jahr nach seiner Einschätzung nicht vor dem 10. April beginnen. Und weil Ostern bereits Anfang April ansteht, bedeutet das für viele Bauern, dass ihnen das Ostergeschäft durch die Lappen geht. «Das gibt schon einen Ausfall», sagt Völcker.

Zwar wird es nach seiner Einschätzung schon um den 20. März herum Spargel aus dem Treibhaus geben, «aber das sind keine Riesenmengen». Und außerdem ist der mit Hilfe von Folien und Heizschlangen gezogene Spargel vergleichsweise teuer. Ansonsten rentiere sich dieser Anbau nicht, sagt Zimmermann. Wer ersatzweise zu Importspargel aus Peru greifen will, dem rät er, auf die «Klimabilanz» des Produkts zu achten und sich zu fragen, ob der Transportaufwand sinnvoll ist. Grundsätzlich empfiehlt er den Verbrauchern, sich in Sachen Spargel in Geduld zu üben, «denn dann schmeckt er umso besser». Der klassische Spargelmonat sei ohnehin der Mai.

Früher habe es zu Ostern keinen Spargel gegeben, sondern erst zu Pfingsten, erinnert sich Zimmermann. Dass sich die Ernte nach vorne verschoben habe, liege am Bedarf des Marktes. Und irgendwann sei es selbstverständlich geworden, dass schon zu Ostern Spargel auf den Tisch komme. «Wenn das mal nicht so ist, soll keine Panik ausbrechen», sagt er. Bei einer anhaltenden Wetterbesserung könne sich das auch schnell ändern. «Die Spargelpflanze ist eine, die regelrecht in den Startlöchern sitzt.»

Schön die Römer aßen Spargel

Spargel war schon bei den Ägyptern, Griechen und Römern beliebt, die ihn nördlich der Alpen bekanntmachten. Zunächst war der Anbau des Spargels «Asparagus officinalis» erfolglos, bis das Stangengemüse vor rund 500 Jahren als teure Delikatesse wieder von sich reden machte. Daraufhin verbreitete sich der Spargel vom oberrheinischen Tiefland aus in Deutschland. Die Pflanze benötigt Wärme und lockeren, sandigen, nicht zu feuchten Boden.

Bei optimaler Witterung kann Spargel mehrere Zentimeter am Tag wachsen. Durch Anhäufeln der Erde bleiben die Triebe hell, da sie ohne Licht nicht den grünen Farbstoff Chlorophyll bilden. Das so gezogene Gemüse wird Weißer Spargel genannt. Die Spargelernte endet hierzulande traditionell zum Johannistag rund um den 24. Juni.