Archivierter Artikel vom 11.01.2013, 18:54 Uhr

Kurt Beck: Die letzten Tage als Ministerpräsident

Rheinland-Pfalz- Kurt Beck ist für seine Emotionalität bekannt. Er fährt schnell aus der Haut, redet sich leicht in Rage. Dem scheidenden SPD-Ministerpräsidenten sagt man zugleich nach, treu zu Freunden und verdienten Mitarbeitern zu stehen. Ein Mann mit Herz und Temperament. Seinen Abschied vom Amt des Regierungschefs möchte Kurt Beck indes möglichst ohne große Emotionen vollziehen.

Berge von Post bekommen

In seinen letzten Tagen in der Staatskanzlei macht er, was er all die Jahre getan hat: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Der einzige Unterschied im Tagesablauf ist das eine oder andere Gespräch außerhalb der Reihe. Meistens am Telefon. Deutschlands dienstältester Ministerpräsident hat über Weihnachten und Neujahr Berge von Post bekommen. Von Menschen, die ihm ihre Wünsche mit in den Ruhestand geben, die ihn eine halbe Ewigkeit kennen. Kurt Beck, von dem man sagt, dass er in den 18 Jahren seiner Amtszeit jede Hand in Rheinland-Pfalz mindestens zweimal geschüttelt hat, kann nicht einfach leise durch die Hintertür verschwinden.

Beck sichtet seine Post selbst. „Aber er wird es nicht schaffen, alle Briefe zu beantworten“, sagt Regierungssprecherin Monika Fuhr (SPD). Sie und ihre Mitarbeiter haben in den wenigen Tagen, die bis zur Stabsübergabe an Malu Dreyer (SPD) am Mittwoch bleiben, alle Hände voll zu tun. In der Staatskanzlei herrscht Hochbetrieb. Der Machtwechsel soll wie am Schnürchen laufen. Da wird hinter den Kulissen gewerkelt und gewuselt.

Der Chef selbst hat seinen Terminplan zumindest an diesem, seinem letzten Wochenende an der Spitze der Regierung etwas abgespeckt. Es steht nur der Neujahrempfang in der Verbandsgemeinde Freinsheim und der Ortsgemeinde Herxheim am Berg auf dem Programm. Beides liegt im Landkreis Bad Dürkheim, also in der Pfalz. Ein Heimspiel für Beck.

Ansonsten ist das Wochenende einigermaßen unverplant, zumindest nach Auskunft des offiziellen Terminkalenders. Für einen Ministerpräsidenten heißt das aber nicht, dass er frei hat. Beck wird sein Büro noch ein wenig sortieren, das er demnächst an die jetzige Sozialministerin Malu Dreyer übergibt. Er unterschreibt Briefe, telefoniert, bereitet sich auf den Amtswechsel vor. Und nicht selten geschieht noch etwas Unvorhergesehenes, auf das ein Ministerpräsident reagieren muss. Ein Vollblutpolitiker wie Beck schont sich auch in den letzten Tagen seiner Amtszeit nicht.

Immerhin: Auch der Montag ist nicht so vollgepackt wie ein normaler Arbeitstag eines Ministerpräsidenten. Wie immer wird Kurt Beck morgens alle relevanten Zeitungen lesen, erst zu Hause, dann im Büro. Der Regierungschef hat sich nie allein auf den Ausschnittdienst verlassen. Er will die Aufmachung und Gestaltung der Artikel sehen, um ihre Gesamtwirkung einschätzen können. Beck gilt als akribischer Leser. Im Büro frühstückt er. Dann müssen die Unterschriftenmappen abgearbeitet und Schriftstücke gesichtet werden – oft bei einer Tasse Kaffee. Die ganz normalen Abläufe eben. Daran wird auch am Ende von Becks Amtszeit nichts geändert. „Ich mache den Job bis zum 16. Januar“, hat er immer beteuert. Am Mittwoch um 11 Uhr beginnt die Landtagssitzung, bei der Malu Dreyer vereidigt wird. Wenn sie gegen 13 Uhr ihre Regierungserklärung abgibt, ist Beck Ministerpräsident a. D..

An jenem Montag, zwei Tage vor dieser landespolitischen Zäsur, wird sich Kurt Beck von seinen Mitarbeitern in der Staatskanzlei verabschieden. „Der Personalrat hat eine Überraschung vorbereitet“, verrät Regierungssprecherin Monika Fuhr. Was das ist, will sie natürlich noch nicht enthüllen.

Selbst der Dienstag, der letzte vollständige Arbeitstag Becks, bleibt im bewährten Rhythmus. Gegen 9 Uhr läuft die Presselage, bei der der Tag besprochen wird. Danach trifft sich der Regierungschef mit Eveline Lemke, der Vize-Ministerpräsidentin, sowie den Fraktionschefs Hendrik Hering (SPD) und Daniel Köbler (Grüne) zum Jour fixe. Um 10.30 Uhr leitet der SPD-Politiker dann seine letzte Kabinettssitzung im alten Kabinettssaal. Auch hier steht nicht allein der Abschied auf der Tagesordnung, vielmehr werden die ganz normalen Regierungsvorlagen besprochen. Am Nachmittag übergibt Beck Urkunden an Mitarbeiter der Staatskanzlei, die künftig andere Positionen einnehmen.

Ein heiteres Ständchen im Hof

Menschen, die Beck gut kennen, sagen, dass er sich mit eiserner Disziplin vor seinen Emotionen schützt. Der Ministerpräsident wollte nicht so früh aus dem Amt scheiden. Seine Krankheit zwang ihn, vielleicht auch ein wenig der politische Druck. Bevor sein Abschiedsempfang am Mittwochabend beginnt, genießt er ein Ständchen im Hof der Staatskanzlei. Eine Serenade wird aufgeführt, ein Instrumentalstück mit unterhaltsamem Charakter. Das passt irgendwie. Dietmar Brück

Interaktive Slideshow: Kurt Beck – Stationen eines Politikers

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