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    Künstliche Befruchtung: Was Kasse und Fiskus zahlen

    Bocholt/Berlin (dpa/tmn) – Viele Paare wünschen sich ein Kind und bleiben doch ohne Nachwuchs. Per künstlicher Befruchtung versuchen vor allem jenseits der 30 viele, eine Schwangerschaft herbeizuführen.

    Künstliche Befruchtung
    Die Behandlung der Eizelle kostet viel Geld und die Kasse zahlt nicht alles. (Bild: dpa/tmn)

    Die Krankenkassen tragen nicht alle Kosten solcher Behandlungen – und sie beteiligen sich auch nur an maximal drei Versuchen. Der fällige Eigenanteil kann dann zwar noch die Steuerlast mindern. Für beide Möglichkeiten der Kostenübernahme gilt aber: Es müssen viele Voraussetzungen erfüllt sein.

    Eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist teuer. Mit etwa 2000 Euro rechnet der Gynäkologe Ulrich Hilland aus Bocholt für die IVF, rund 500 Euro mehr veranschlagt er über den Daumen gepeilt für die ICSI-Therapie. «Das sind Durchschnittswerte für einen Behandlungszyklus», sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands (BRZ) – oft werde es noch teurer. Die Kriterien der Kassen zu erfüllen, das hoffen daher viele Paare. Denn der Eigenanteil pro Versuch liegt in jedem Fall bei mehr als 1000 Euro – seit der Gesundheitsreform von Anfang 2004 übernehmen die Kassen nur noch 50 Prozent der Kosten.

    Nicht wenige Paare treten für die Behandlung vor den Standesbeamten. Denn eine Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Kasse ist, dass Mann und Frau miteinander verheiratet sind. «Beide müssen zu Behandlungsbeginn mindestens 25 Jahre alt sein, die Frau darf das 40. Lebensjahr, der Mann das 50. noch nicht vollendet haben», fügt Hilland hinzu. Dabei darf die sogenannte Indikation – das, was die erfolgreiche Befruchtung auf natürlichem Weg verhindert – bei Mann oder Frau liegen.

    Genau festgelegt hat die Liste der Indikationen und weiterer Umstände, die die Kassen akzeptieren, der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (G-BA) in Berlin. Dabei geht es zum Beispiel um die Beweglichkeit der männlichen Spermien. Erfüllt ein Paar diese medizinischen Bedingungen, erstattet die Kasse maximal drei Behandlungszyklen, wenn in mindestens einem der ersten beiden eine Befruchtung erfolgt ist.

    Der Verband der Privatversicherer in Berlin erläutert, die Kosten würden nach ähnlichen Kriterien wie denen der Richtlinien des G-BA übernommen. Christine Klemm von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) in Hamburg rät Paaren aber, sich vorher zu erkundigen. Wer die Hälfte oder sogar 100 Prozent der Kosten selbst trägt, kann diese aber unter Umständen in seiner Steuererklärung geltend machen. Denn der Gesetzgeber bewertet den Aufwand als außergewöhnliche Belastungen, so wie viele andere Krankheitskosten auch. Voraussetzung ist, dass die «zumutbare Eigenbelastung» überschritten ist. Der Betrag richtet sich nach dem Einkommen.

    Ist diese Voraussetzung erfüllt, sieht der Fiskus die Angelegenheit sogar moderner als das Versicherungsrecht der Kassen. Denn Paare müssen nicht verheiratet sein, um Kosten geltend zu machen, so der Bund der Steuerzahler in Berlin – eine sogenannte fest gefügte Partnerschaft reicht laut dem Einkommensteuerrecht aus. Der Vater müsse aber die Vaterschaft anerkennen.

    Richtlinien des G-BA: dpaq.de/RichtlinienG-BA

    Jahrbuch des Deutschen IVF-Registers: dpaq.de/JahrbuchIVF-Register

    IVF und ICSI

    Bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF) werden bei der Frau Eizellen entnommen und im Labor befruchtet. Bei dieser Methode werden Eizellen und Spermien in einer Petrischale zusammengefügt. Kommt es zur Befruchtung, werden nach zwei bis drei Tagen Embryoen in die Gebärmutter eingebracht. So erklärt Gabriele Wickert von der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin in Dortmund das Verfahren. Bei der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) dagegen müsse manuell ein Spermium direkt in die Eizelle injiziert werden, weil zum Beispiel die Spermien deformiert oder wenig beweglich seien. Diese Behandlung ist aufwendiger und daher teurer.

    So viele Paare lassen sich jährlich behandeln

    Laut dem aktuellen Jahrbuch des Deutschen IVF-Registers, einer Einrichtung von mehreren medizinischen Fachgesellschaften, wurden 2008 mehr als 45 000 Behandlungen vorgenommen – in den vergangenen Jahren lag die Zahl um die 40 000, Tendenz steigend. Vor der Gesetzesänderung gab es Jahre mit mehr als 50 000 und mehr als 60 000 Behandlungen. Besonders 2003, vor der Einführung des Eigenanteils, ließen sich viele Paare behandeln – damals lag die Zahl bei mehr als 80 000. Diese Zahlen beziehen sich auf zu Ende geführte Behandlungen von IVFs und ICSI-Therapien.

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