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Pfatter

Kuckuck kehrt in gleiches Brutgebiet zurück

dpa

Seinen Ruf kennt jedes Kind: Der Gesang des Kuckucks ist unverkennbar. Eine Forscherin in Bayern zeigt, dass die Vögel nach dem Winter in ihre alten Brutgebiete zurückkehren. Durch den Klimawandel könnte es jedoch schwierig mit dem Nachwuchs werden.

Kuckuck mit Peilsender
Derzeit gibt es in Deutschland rund 100 000 Kuckucke.
Foto: Andreas von Lindeiner/LBV/dpa

Nebel hängt noch in einigen Tälern, vom Tau ist das Gras nass. Am frühen Morgen ist es in den Donau-Auen bei Pfatter (Landkreis Regensburg) ruhig und friedlich. Doch ein markanter Ruf ist gut zu hören: Ein Kuckuck-Männchen lockt Weibchen an. Friederike Herzog weiß inzwischen gut, wo ihre Vögel sind. Sie zeigt auf eine abgestorbene Pappel, auf der sie den Kuckuck mit dem Fernglas ausgemacht hat. In einem deutschlandweit einzigartigen Projekt hat die Biologin vom Landesbund für Vogelschutz in den vergangenen Monaten die Flugrouten der Tiere mit Satellitensendern überwacht. Zwei der Kuckucke sind in diesen Tagen aus Afrika zurückgekommen. «Richard» und «Niederbayern 1» haben zielstrebig ihr altes Brutgebiet im Landkreis Regensburg angeflogen.

Kuckuck-Attrappe
Um die Vögel zu fangen wird die Kuckuck-Attrappe aufgestellt.
Foto: Armin Weigel – DPA

Mit dem dreijährigen Projekt soll erforscht werden, welche Routen die Tiere nehmen, in welchen Gegenden sie leben und wo sie ihre Eier ablegen. Auch der starke Rückgang der Vögel soll untersucht werden. Nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu gibt es derzeit zu Beginn der Brutzeit in Deutschland rund 100 000 Kuckucke. Die Population habe in den vergangenen zwölf Jahren um durchschnittlich elf Prozent abgenommen.

Biologin Friederike Herzog
Biologin Friederike Herzog die Flugrouten der Kuckucke überwacht.
Foto: Armin Weigel – DPA

Kuckuck «Richard» hat in den vergangenen Wochen mehrere tausend Kilometer hinter sich gebracht. «Die Tiere vollbringen schon eine unglaubliche Leistung», sagt Friederike Herzog. «Sie fliegen in zwei Tagen über die Sahara.» Vom Kongo aus ging es für «Richard» über mehrere afrikanische Staaten, das Mittelmeer und die Alpen. Nur zwei bis drei Monate wird der Vogel in Deutschland bleiben und sich hier paaren, dann geht es zurück nach Afrika.

Neun Vögel stattete die 29-Jährige vor einem Jahr mit den etwa zwei Quadratzentimeter großen Sendern samt Antenne aus. Wie ein kleiner Rucksack werden sie mit Schlaufen an den Flügeln befestigt. Um die Vögel zu fangen, stellt Herzog eine Attrappe aus Pappmaché auf und spielt eine Tonaufnahme von Kuckuck-Rufen ab. Nur die Männchen machend das charakteristische «Kuckuck», von den Weibchen hört man ein «Babbeln», wie Herzog sagt, ein Quietschen oder Zwitschern. «Der Kuckuck denkt dann, das wäre ein Rivale und er muss sein Revier verteidigen», erklärt die Forscherin. In leichten Netzen verfangen sich die Vögel und die Forscher können sie vermessen, wiegen und die Sender anbringen.

Die Geräte wiegen weniger als fünf Gramm. Die zwischen 110 und 130 Gramm schweren Vögel hätten damit keine Probleme, sagt Herzog. Etwa 3000 Euro kostet ein Sender. Das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem bayerischen Umweltministerium geförderte Projekt beläuft sich auf Kosten von rund 100 000 Euro. Betrieben werden die Sender mit Solarenergie. Etwa alle drei Tage schicken sie ihre Daten.

Die genauen Flugrouten zu kennen, sei ein enormer Fortschritt, sagt Herzog. «Bisher wusste man gar nicht, wie die fliegen.» Einige bayerische Vögel nahmen einen Weg über die Schweiz, Italien und schließlich Libyen, Niger und Nigeria. Die andere Route führte über Österreich, Ungarn, Bosnien, Albanien bis nach Libyen und in den Tschad.

In Großbritannien und Skandinavien gab es bereits ähnliche Projekte. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Vögel alle sehr ähnliche Routen nehmen – obwohl sie alleine unterwegs sind und meist nachts fliegen. Sie flogen im Schnitt zwischen 7000 und 9000 Kilometer. Außerdem passen sie ihren Weg an die Nahrungsbedingungen an – etwa an die Regenzeiten, wenn es viel Futter gibt. Besonders erstaunte die Forscher der vererbte Orientierungssinn der Vögel beim Flug über die Sahel-Zone. Nach mehr als 5000 Kilometern landeten die Vögel im Abstand von im Schnitt nur 164 Kilometer zueinander.

Inzwischen gibt es für die Vögel in Deutschland aber noch ein anderes Problem: «Vermutlich aufgrund der Klimaerwärmung sind einige Wirtsvögel deutlich früher zurückgekommen, so dass es mit der Brutzeit des Kuckucks nicht mehr passt», erklärt Herzog. Schon vor einigen Jahren fanden Forscher heraus: Andere Vogelarten brüten mittlerweile früher, und der Kuckuck kann seine Eier oft nicht mehr rechtzeitig in die fremden Nester legen.

Ein Kuckuck-Weibchen brütet seine etwa 15 Eier nicht selbst aus, sondern sucht sich einen «Wirt» mit möglichst ähnlichen Eiern – etwa Rohrsänger oder Goldammern. Ein Ei wirft das Kuckuck-Weibchen aus dem Nest und legt dafür eines seiner Eier hinein. Den Ärger mit der Aufzucht hat dann das andere Weibchen – oft ein viel kleinerer Vogel. Zudem verdrängt das geschlüpfte Kuckucks-Kind die anderen Küken aus dem Nest. «Der Kuckuck wächst als Einzelkind auf», sagt Herzog.

In einem zweiten Schritt will die 29-Jährige in diesen Tagen noch andere Sender einsetzen. Damit kann die Biologin in den nächsten zwei Monaten genauer das tägliche Verhalten der Vögel in Bayern überwachen. Dafür wohnt sie im Hotel und fährt den Tieren im Auto hinterher – oft zehn bis zwölf Stunden lang am Tag.

LBV-Kukuck-Projekt

Studie über skandinavische Kuckucke

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