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Kritik: Winterbottoms "Herzen in Aufruhr"

Hamburg (dpa) – Schicksal, Hoffnung, Verlangen – darum dreht sich alles. Nach seinem spröden hochgelobten Thriller "Butterfly Kiss" hat sich der junge Brite Michael Winterbottom (35) in seinem zweiten Spielfilm "Herzen in Aufruhr" für ein dramatisches Jahrhundertwende- Epos entschieden. 1895 lernen sich der ehrgeizige Jude (Christopher Eccleston) und die selbstbewußte Sue (Kate Winslet) kennen und erleben eine tragische Liebe, die an den Konventionen der Gesellschaft zerbricht. Das Epos kommt am Donnerstag in die Kinos.

Als Fünfzehnjähriger las Winterbottom die Romanvorlage "Jude the Obscure" von Thomas Hardy. "Schon als Teenager beeindruckte mich die Grundaussage des Buches, daß du dein Herz nicht belügen kannst. Außerdem habe ich eine Vorliebe für Außenseiter", sagt der Regisseur im dpa-Gespräch. In nebelverhangenen englischen Landschaften erzählt er in seiner kompromißlosen Literaturverfilmung neben einer großen Liebesgeschichte auch das Drama der Menschen, die den Erwartungen ihrer politischen Klasse oder ihres Geschlechts nicht entsprechen. Während der Steinmetz Jude von der Universität träumt, entspricht Sue in ihrer fordernden Art so gar nicht den Vorstellungen von der schüchternen Bürgertochter.

Nach einer kurzen unglücklichen Ehe reist Jude seiner großen Liebe Sue immer wieder hinterher, bis auch sie ihre Ehe aufgibt und mit Jude gegen alle gesellschaftlichen Regeln unverheiratet zusammenlebt. In vielen Einstellungen hat Winterbottom die Art, wie der moralische Druck das junge Glück zerfrißt, fast dokumentarisch in Szene gesetzt: "Ich wollte keinen statischen Kostümfilm, deshalb lasse ich den Schauspielern sehr viel Freiheit, um ihre Ideen zu verwirklichen, und konzentrierte mich darauf, die Kamera oder Umgebungen so einzusetzen, daß die inneren Entwicklungen widergespiegelt werden."

Das Ergebnis ist ein ungewöhnlicher Historienfilm, der besonders von seinen intensiven Hauptdarstellern lebt. Winslet und Eccleston verleihen ihren Charakteren soviel Komplexität, Widersprüchlichkeit und Modernität, daß man sich Sue und Jude auch mühelos in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts vorstellen kann.

Aber bei allem gesellschaftskritischem Realismus und obwohl seine Produktionsfirma "Revolution Films" heißt, sieht sich Winterbottom nicht als politischer Regisseur mit Hang zu Subkultur-Themen. Und dafür hat er auch eine raffinierte Begründung parat: "Da es in England keine echte eigenständige Mainstream-Kinoindustrie gibt, kann ich mich auch nicht als Teil einer Subkultur fühlen."

Von Katharina Reismann, dpa

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