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Kritik: Wenn Regisseure zu weit zurück blicken:

Der italienische Regisseur Franco Zeffirelli ist ein älterer Herr von bald 77 Jahren. Da blickt man mehr zurück als nach vorne. Der gebürtige Florentiner hat eine respektable Lebensleistung vorzuweisen, unzählige Theater- und Opernaufführungen gehören ebenso dazu wie auch etliche Arbeiten fürs Kino. Stets war Zeffirelli für solides, in der Regel üppiges Kunsthandwerk gut. Nun wollte er in seinem neuen Streifen "Tee mit Mussolini" mehr wagen. Das ist misslungen.

Erzählt wird in dem knapp zweistündigen Film "eine Geschichte charmanten Ungehorsams". Was immer das sein mag, wir sehen jedenfalls Luca, unehelicher Sohn eines notorischen Schürzenjägers, heranwachsen zu einem hübschen jungen Mann. Der hat einem exzentrischen Kreis englischer Ladys in Florenz viel zu verdanken, kümmert sich doch insbesondere die resolute Mary Wallace rührend um den herumgestoßenen Jungen. Alle Akteure leben in den Realitäten des faschistischen Italien unter dem kahlköpfigen Diktator Benito Mussolini. Der Alltag ist geprägt von Gewalt, Großmannssucht und jener südlichen Lebenskunst, die sich keinem Regime ganz beugt.

Wenig beeindrucken von den Machthabern lassen sich auch die ältlichen Ladys, die wegen ihrer Bissigkeit als der Kreis der "Skorpione" berüchtigt sind. Anführerin ist die ausnehmend hochnäsige Lady Hester Random, Witwe des ehemaligen britischen Botschafters in Italien. Als der Zweite Weltkrieg naht, können allerdings auch die "Skorpione" nicht länger die Augen vor den verhängnisvollen Entwicklungen in ihrem wunderschönen Florenz verschließen. Aber Lady Hester weiß Rat: Sie erwirkt zu aller Verblüffung eine persönliche Audienz bei Mussolini, der sich pressewirksam in Szene zu setzen weiß und die Damen besänftigt. Trotzdem spitzt sich bald alles zu.

Das ist manchmal nett anzusehen, insbesondere die so souverän wie köstlich agierenden alten Briten-Diven Joan Plowright, Judi Dench und Maggie Smith. Claudio Spadaro gibt einen ulkigen Diktator ab, Baird Wallace, ein 17-jähriger Amerikaner, mimt den Jüngling, der in schweren Zeiten zum Mann wird. Hätte sich Zeffirelli mehr oder weniger auf diese Personen konzentriert, wäre vielleicht doch noch ein sehenswerter Film herausgekommen. Aber speziell für den amerikanischen Absatzmarkt mussten offenbar noch zwei Figuren in die Handlung gepresst werden, die gewaltig nerven: Das sind die von Lily Tomlin dargestellte lesbische US-Archäologin Georgina Rockwell sowie die frühere Revuetänzerin Elsa, ein amerikanischer Wirbelwind.

Elsa hat viel Geld geerbt, das sie in Kunst investiert, dazu pflegt sie einen sehr lockeren Lebenswandel. Verkörpert wird Elsa von Hollywood-Star Cher. Die Reklame für Zeffirellis Film stellt Cher groß heraus, dabei spielt sie nur eine Frau, die für den Verlauf der Geschichte nicht sonderlich wichtig ist und von der die Schauspielerin im Presseheft selbst sagt: "Es ist keine große Rolle. Ich komme nur ab und zu herein und tue extravagante Dinge."

Die interessieren aber nach einiger Zeit so wenig wie das gesamte geschwätzige und konstruierte Geschehen. Was hilft es da, wenn wir erfahren, insbesondere die Figur des Luca spiegele autobiographische Jugenderfahrungen Zeffirellis wider? Ein unnötiger Film.

Wolfgang Hübner, AP

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