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Kritik: Vibrierende FilmBiografie des SoulGenies

Kurz vor seinem Tod im Juni 2004 hat Ray Charles noch selbst seiner Filmbiografie den Segen gegeben. Dabei zeigt Taylor Hackfords vibrierendes Werk wahrlich nicht nur die bejubelten Seiten des Soul-Genies. «Ray» kombiniert hinreißende Musikszenen mit der dramatischen Lebensgeschichte des Mannes, der blind, arm und schwarz auszog und Musikgeschichte schrieb.

In einer Oscar-reifen Leistung zeigt der Schauspieler Jamie Foxx («Collateral») einen Ray Charles voller Würde und Energie, aber auch den leidenden Drogensüchtigen, der hinter seiner schwarzen Sonnenbrille letztlich immer etwas rätselhaft bleibt.

"Lass dich nie, niemals zum Krüppel machen"

«Lass dich nie, niemals zum Krüppel machen.» Diese Beschwörung seiner Mutter prägt den Sechsjährigen, der durch eine Krankheit seine Sehfähigkeit verliert. Geld für eine Behandlung ist nicht da und Mitleid hilft nicht weiter. Ray geht durch eine harte Schule, bis er als 17-Jähriger mit dem Bus quer durch die USA nach Seattle fährt, um sein Glück als Profimusiker zu suchen.

Schnell sitzt er in kleinen Clubs am Klavier, tingelt von Ort zu Ort und wird Band-Leader. Stur besteht er auf Respekt und Gleichstellung – als Schwarzer zu Zeiten der Rassentrennung, als Blinder, der sich seine Gage stets in Ein-Dollar-Noten auszahlen lässt, um selbst nachzählen zu können. Schließlich entdecken die Gründer des legendären Plattenlabels Atlantic Records das Talent und geben ihm den Freiraum, Rhythm and Blues mit Gospel-Elementen zu verschmelzen: Das ist die Geburtsstunde der Soul-Musik und bedeutet die Öffnung des «schwarzen» Genres auch für die weiße Hörerschaft.

Einsamkeit, Tourneestress und Zweifel

Doch Ray Charles, der über 50 Jahre lang im Musikgeschäft war, scheint zumindest in dem Zeitraum des Filmes bis zu den 60er Jahren immer auch als ein Getriebener. Er wünscht sich Harmonie mit Frau und Kindern, handelt aber immer wieder gewissenlos und selbstzerstörerisch. Quälende Erinnerungen an den Tod seines Bruders, dem er tatenlos zusehen musste, suchen ihn heim. Einsamkeit, Tourneestress und Zweifel führen ihn in Heroinabhängigkeit und unzählige Frauenaffären. Zumindest der Drogenentzug gelingt ihm.

Regisseur Hackford spürt der Atmosphäre der 50er und 60er Jahre nach mit viel Sinn für Ausstattung und Details in gedämpften, satten Farben. Nur die Rückblenden in die Kindertage des Stars, als er noch sehen konnte, glühen und leuchten auch visuell.

Songs treiben den Film voran

Die Songs von Ray Charles geben den Rhythmus vor und treiben den Film voran. Das Problem von Musikfilmen, dass die Songs oft wie wahllos eingestreute Revue-Nummern die Handlung bremsen, taucht hier keine Sekunde lang auf. Hits wie «I Got a Woman», «What'd I Say», «Hit the Road Jack» oder «I Can't Stop Loving You» entwickeln sich organisch aus der Story und werden von Jamie Foxx absolut glaubwürdig performt, obwohl der Film die Originalaufnahmen von Charles verwendet.

Foxx, der in «Collateral» schon neben Tom Cruise überzeugte, spielt sich jetzt in preiswürdige Dimensionen: Er hat zur Vorbereitung mit Ray Charles zusammen am Klavier gesessen und seinen Part genauestens studiert. Das breite Lächeln, die Stimme, der schwankende Oberkörper, der schaukelnde Gang – Foxx bringt das Unverkennbare des Soul-Giganten auf den Punkt, ohne je parodistisch zu wirken. Sein Porträt eines Mannes, der für seine Einzigartigkeit mit innerer Einsamkeit bezahlt, macht «Ray» auch für Nicht-Musikfans zum Erlebnis.

dpa

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