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Kritik: "TOTAL ECLIPSE"

Exzessive Künstleraffäre im 19. Jahrhundert - das skandalumwitterte Verhältnis der Poeten Arthur Rimbaud und Paul Verlaine

imbaud war 16 Jahre alt, als er 1871 den um zehn Jahre älteren Verlaine traf. Es war der Beginn einer kurzen, skandalträchtigen Beziehung zweier visionärer Poeten. Arthur Rimbaud und Paul Verlaine verließen Frankreich, um sich von den Fesseln künstlerischer und gesellschaftlicher Konventionen zu befreien. In London fand diese ex- zessive Männerbeziehung ihr dramatisches Ende.

Diesem kurzen "Aufenthalt in der Hölle" (Rimbaud) versucht Agnieszka Hollands Film "Total Eclipse" nachzugehen. Ein schwieriges Unternehmen, das schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt scheint. In der Rolle des Enfant terrible Rimbaud läßt Leonardo DiCaprio ("Basketball Diaries") das jugendliche Ungeheuer raus. Der vom Absolutheitsanspruch getriebene Rebell stellt sich als destruktives kleines Monster dar. Von einer Aura des an Wahnsinn grenzenden Genies keine Spur. So müssen immer wieder die Dialoge bemüht werden, um klarzumachen, welch visionäre Größe dem Publikum hier in Gestalt eines unberechenbaren Miststücks begegnet. Abgründe tun sich keine auf, dieser Rimbaud bleibt auch in seiner fürs Kino trivialisierten Form unverstanden.

Erfolgreicher bemüht sich David Thewlis (das grandiose Schwein aus "Nackt") um den labilen Charakter Paul Verlaines. Ein Mann, der auf das verhaßte bürgerliche Gefängnis im Hause seiner Schwiegereltern mit sadistischen Gewaltausbrüchen gegen seine Frau Mathilde (Romane Bohringer) und das Baby reagiert. Der zwischen seinen Leidenschaften für die Reize der jungen Gattin auf der einen Seite und für die Verheißungen des jungen Wilden Rimbaud auf der anderen zerrieben wird.

Den wahren Dimensionen dieser exzessiven Amour fou kommt ein Film wie dieser kaum auf die Spur. Er reduziert die Dichter auf zwei künstlerische und gesellschaftliche Ausreißer, die sich furchtbar skandalös benommen haben: der altjüngferliche Paul Verlaine, der wegen dieser homosexuellen Eskapade gedemütigt und eingesperrt wurde, und der kompromißlose Unruhestifter Arthur Rimbaud, der nach dieser Affäre mit dem Schreiben aufgehört hatte. Vom umwälzenden Rausch dieser frühen Popstars der Literatur bringt Regisseurin Agnieszka Hollands angestrengter Film allerdings nichts rüber. Schade eigentlich, denn deren Geisteshaltung war es, die knapp ein Jahrhundert später eine ganze Generation von Rock-Poeten fasziniert und beflügelt hat. So bleibt das einzig Leuch-tende an diesem Film der giftgrüne Absinth, den Schluckspecht Verlaine ununterbrochen ordert.

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