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Kritik: Tim Burtons Science-Fiction-Klamotte "Mars Attacks!"

Berlin (AP) Die Verfilmung von Romanen und Theaterstücken ist seit der Erfindung des Kinos eine beliebte Auch zahlreiche Comic-Hefte haben es bereits bis auf die Leinwand geschafft. Auf die Idee, Sammelkarten als Drehbuch-Vorlage zu nutzen, war vor "Batman"-Regisseur Tim Burton dagegen noch niemand gekommen. Eine Serie von Kaugummi-Bildern aus den 60er Jahren inspirierte ihn zu seiner Science-Fiction-Klamotte "Mars Attacks!", die in dieser Woche in den deutschen Kinos startet.

Burtons Alien-Streifen ist in dreierlei Hinsicht gelungen: Er ist eine bissige Gesellschaftssatire, eine unfreiwillige Parodie auf Roland Emmerichs Kassenknüller "Independence Day" und nicht zuletzt eine Hommage an die Science-Fiction-Klassiker aus den 50er und 60er Jahren: "Die Filme, mit denen ich aufgewachsen bin, waren reiner Kinospaß – ohne Wenn und Aber. Und dieses Genre wollte ich zu neuem Leben erwecken", betont Burton. Längst vergessene Streifen wie "Der Tag, an dem die Welt stillstand", "Metaluna IV antwortet nicht" und "Alarm im Weltall" dienten dem Regisseur als Anschauungsmaterial.

Die Story von "Mars Attacks!" ist nicht neu und schnell erzählt: Eine Horde von Außerirdischen mit Schädeln wie Kürbisse, Augen wie Billardkugeln und den Gesichtszügen eines Skeletts will die Welt erobern – Amerika wehrt sich. Der Präsident, überzeugend karikiert von Jack Nicholson, versucht sich zunächst in Diplomatie. Die Staatsbesuche der grün-braunen Männchen in der Wüste von Arizona und im Capitol von Washington enden allerdings im Desaster. Statt zum "Shake Hands" zwischen Marsianern und "Erdianern" kommt es zum Gemetzel. Dann folgen 60 Minuten intergalaktischer Krieg.

Burton stellt die Alien-Invasion anhand von rund einem Dutzend Einzelschicksalen dar. Der gierige Immobilien-Hai Art Land aus Las Vegas (ebenfalls Jack Nicholson) freut sich auf die Touristen vom Mars, bis seine Hotels in die Luft fliegen. Der ehrgeizige Journalist Jason Stone (Michael J. Fox) wird auf der Jagd nach der großen Story selbst zum Gejagten und der Wissenschaftler Donald Kessler (Pierce "007" Brosnan) liefert "marsianologische Analysen" bis die Aliens ihn rumpf-amputieren.

Burton gelingt es zwar, durch die Vielfalt der Charaktere zahlreiche gesellschaftliche Klischees zu verarbeiten. Der rote Faden geht ihm allerdings durch den ständigen Wechsel von Schauplätzen und die mangelnde Verknüpfung von Einzelstories verloren. Durch eine Flut von gelungenen Pointen gleicht er die dramaturgischen Schwächen jedoch aus.

Die Parallelen seiner Geschichte zu "Independence Day" sind nach Angaben Burtons rein zufällig: "Wir haben von dem Film erst erfahren, als wir mit den Dreharbeiten bereits begonnen hatten." Trotzdem ist "Mars Attacks!" ein Zerrspiegel des Emmerich-Films. Das patriotische Pathos wird ebenso auf die Schippe genommen wie das überzogene Heldentum. Weder ein Bomberpilot noch ein Computergenie und schon gar nicht der US-amerikanische Präsident retten in "Mars Attacks!" die Welt. Ein halbwüchsiger Spargeltarzan aus dem mittleren Westen entdeckt statt dessen die Geheimwaffe gegen die Monster vom Mars bei seiner Oma im Altenheim, nachdem selbst Atomraketen im Kampf gegen die Aliens versagten.

Die bombastischen Special Effects aus "Independence Day" bleiben für Burton unerreichbar, dafür glänzt er um so mehr mit seinem Starensemble. Neben Nicholson, Brosnan und Fox zählen Glenn Close, Annette Bening, Danny DeVito und Sänger Tom Jones zu den Darstellern der Science-Fiction-Klamotte. Trotz der prominenten Besetzung blieb der ganz große Erfolg von "Mars Attacks!" an den US-amerikanischen Kinokassen aus. Während "Independence Day" im vergangenen Jahr 100 Millionen Dollar in der Rekordzeit von sechs Tagen einspielte, setzte Burtons Komödie in den ersten acht Wochen lediglich 36 Millionen Dollar um. Die Amerikaner nehmen die Leinwand-Aliens offenbar lieber ernst, als sie mit Humor zu betrachten.

Von AP-Mitarbeiter Michael Fischer

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