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Kritik: Teenie-Komödie verulkt amerikanische Umerziehungscamps

Die süße, blonde Megan ist der Elterntraum von einem Teenager: brav und Cheerleader noch dazu. Folglich wäre alles in Ordnung, gäbe es nicht das Poster von Melissa Etheridge in Megans Zimmer, das vagina-ähnliche Muster auf ihrem Kopfkissen, und hätte sie mehr Spaß an den Zungenküssen ihres sportlichen Freundes.

Für ihre Eltern und Freunde ist der Fall klar: Megan ist lesbisch und muss in ein Umerziehungscamp. Das erzählt die amerikanische Teenie-Komödie "Weil ich ein Mädchen bin" ab 21. Dezember im Kino.

Megan, gespielt von Natasha Lyonne, kommt in ein Heim voller Bilderbuch-Klischees: Die rosa gekleideten Mädchen lernen putzen, die blau gewandeten Jungen müssen Holz hacken. Regisseurin Jamie Babbit hat in dieser Komödie, die ihr Kinodebüt ist, jedoch ein reales Thema verulkt. In Amerika gibt es tatsächlich Umerziehungsheime, in denen schwule und lesbische Jugendliche auf den heterosexuellen Pfad der Tugend geführt werden sollen.

Die Heimleiterin Mary Brown (Cathy Moriarty) verlangt zunächst von allen Insassen, dass sie sich zu ihrer fehlgeleiteten sexuellen Neigung vor der Gruppe bekennen. Im Laufe der Umerziehung wird dann erwartet, dass sie sich zunehmend für das andere Geschlecht interessieren. Auch die Eltern müssen in familientherapeutischen Sitzungen bekennen, dass sie der eigenen Geschlechterrolle nicht immer entsprochen haben und so für die Fehlprägung ihrer Kinder mit verantwortlich sind.

Bud Cort als Megans Vater Peter führt zudem den älteren Zuschauern vor Augen, wie die Zeit vergeht: In seiner Jugend brillierte der Schauspieler noch als todessehnsüchtiger Teenager im Kultfilm "Harold and Maude" (1971).

Wie das Leben in der Pubertät so spielt, schlägt die Umerziehung bei etlichen Jungen und Mädchen fehl. Auch Megan und die rebellische Graham (Clea Du Vall) entdecken mehr als nur freundschaftliche Gefühle füreinander. Megan muss deswegen das Heim verlassen. Doch am Tag der Abschlussfeier kehrt sie zurück, um noch einmal um Graham zu werben.

"Es ist einer der Filme, die über sich selbst lachen können", meint Natasha Lyonne. "Das Ambiente ist von außen betrachtet total surreal und überzogen, aber darunter verbirgt sich ein extrem witziger Kern." Einer der vielen lustigen Momente ist, wie die Jungen vergeblich dagegen ankämpfen, ihrem Holz hackenden Ausbilder begehrliche Blicke zuzuwerfen. Der Film ist eine bewusst überzeichnete, auf ein jugendliches Publikum zugeschnittene Parodie von Erziehungsidealen, die nicht nur in Amerika gelten.

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