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Kritik: Swingender, anrührender Jazz-Film:

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Lockerheit Woody Allen ein Arbeitspensum bewältigt, das längst alle Rekorde im Regiefach schlägt. "Sweet and Lowdown", ein swingender, anrührender Jazz-Film, ist sein 28. Werk in 30 Jahren.

Und dabei ist weder dem 64 Jahre alten Regisseur noch seinem Werk die Routine negativ anzumerken. Auch diese Hommage an einen kauzigen, gescheiterten Musiker erfüllt alle Ansprüche an den Markennamen Woody Allen und unterhält das Publikum mit Humor, Klugheit, Melancholie und Stil.

Der Jazz-Gitarrist Emmet Ray, ein verrückter Typ zwischen musikalischem Genie und menschlicher Idiotie, gilt in den 30er Jahren als "zweitbester Gitarrist der Welt" – und kommt nie darüber hinweg, dass er dem Besten, dem Zigeuner Django Reinhardt, nicht das Wasser reichen kann.

Emmet ist ein eitler Macho mit schlechtem Geschmack, ein halb-krimineller Säufer und großspuriger Frauenheld. Doch bei jeder Begegnung mit seinem Rivalen und Idol Django soll er klein und leise in Ohnmacht gefallen sein. Für Woody Allen, den Hobby- Klarinettisten, ein durchaus nachvollziehbares Verhalten: "Für mich gab es immer drei absolute Giganten. Das waren Louis Armstrong, Sidney Bichet und eben Django Reinhardt."

"Es ist tragisch, wenn jemand nicht zu sich selbst finden kann, weil er immer mit jemand verglichen wird, der zufällig das Gleiche tut, aber dabei einfach besser ist", erklärt Woody Allen im Gespräch das Trauma seines Helden.

Und der Schauspieler Sean Penn schafft das vollkommen zu Recht für einen Oscar nominierte Kunststück, diesen schwierigen Charakter mit all seinen Sehnsüchten und Verletzungen hinter der angeberischen Fassade durchsichtig zu machen. Die zweite Oscar-Nominierung erspielte sich Samantha Morton als stummes Mädchen Hattie. Bei ihr kommt Emmet eine Zeit lang zur Ruhe, um sie dann wegen der extravaganten Blanche (Uma Thurman) zu verlassen.

Wie schon in "Zelig" (1983) kombiniert der Regisseur wieder Mittel des Dokumentarfilms mit einer Spielfilmhandlung. Echte "Zeitzeugen" und Jazz-Experten, darunter auch Allen selbst, erzählen ihre Version vom legendären Leben Emmet Rays, widersprechen einander, schwelgen in Erinnerungen und liefern pointenreiche Vorlagen für die Spielszenen.

Die "echte" Emmet-Story setzt sich visuell und stilistisch deutlich davon ab: Woody Allen lässt es swingen und vibrieren, hat auch für den mitreißenden Soundtrack tief in die Tasche gegriffen und schwelgt im Dekor der 30er Jahre. "Die Vergangenheit sieht im Film einfach gut aus", schwärmt er. "Das kostet aber leider viel Geld." Und so sei "Sweet and Lowdown" mit 27 Millionen Dollar sein bisher teuerster Film geworden. "Ich war immer in Sorge", beschreibt der bekennende Neurotiker seine Leiden während der Dreharbeiten.

Karin Zintz, dpa

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