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    Kritik: Steven Soderberghs nervenaufreibender Thriller

    "Erzähl' mir von Jenny", fordert eine eindringliche Stimme aus dem Off. Aus der Unschärfe tritt ein stark ergrauter Mann ins Bild und rückt sich sorgfältig seine Krawatte zurecht. Der britische Ex-Häftling Wilson (Terence Stamp) ist nach Los Angeles gekommen, um den mysteriösen Tod seiner Tochter Jenny (Melissa George) aufzuklären. Der Engländer ist fest entschlossenen, eiskalt mit den Verantwortlichen abzurechnen.

    Als er erfährt, dass seine Tochter mit dem heruntergekommenen Plattenproduzenten Valentine (Peter Fonda) befreundet war, hat er eine Zielscheibe für seine Wut gefunden. In seinem neuen Kinofilm "The Limey" fordert der amerikanische Regisseur Steven Soderbergh ("Out of Sight") die beiden Sechziger-Jahre-Ikonen Terence Stamp und Peter Fonda zu einem spannenden Duell heraus: kompromisslos, konsequent, kaltblütig. Die Vorlage zu diesem modernen Großstadtwestern lieferte der amerikanische Drehbuchautor Lem Dobbs, der für Steven Soderbergh bereits das Skript zu "Kafka" verfasste.

    Die Titelfigur "The Limey" - ein britischer Slang-Ausdruck für Seemann - bezeichnet hier einen Außenseiter, der von seinem Durst nach Rache angetrieben wird. Und Wilson sieht nur noch rot. Kaum hat er seinen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt, ist der Engländer nicht mehr aufzuhalten. Das bekommen auch Valentine und sein Berater Avery (Barry Newman) schnell zu spüren. Nachdem Wilson als ungebetener Gast auf Valentines Party auftaucht und dort kurzerhand dessen bulligen Leibwächter über die Brüstung wirft, setzen sie eine skrupellose Killer-Truppe auf ihn an. Doch gegen Wilson haben sie keine Chance.

    In seinem wilden Rache-Rausch tauchen vor Wilsons Augen immer wieder Erinnerungs-Bilder auf, die seine Tochter als kleines Mädchen zeigen. Um die Hintergrund-Geschichte seiner Hauptfigur zu illustrieren, wagte Steven Soderbergh ein stilistisches Experiment. Für die schwarz-weißen Rückblenden sicherte er sich die Rechte an Ken Loachs Kinofilm "Poor Cow" von 1967, in dem Terence Stamp einen kleinen britischen Dieb namens Wilson spielte. Mit diesen alten Filmaufnahmen, die Soderbergh nahtlos in "The Limey" eingefügt hat, schlägt der Regisseur eine raffinierte Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart.

    Mit den beiden gealterten Stars Terence Stamp und Peter Fonda fand Soderbergh seine Ideal-Besetzung für "The Limey". Ihre klassischen Rollentypen der sechziger Jahre verleihen dieser simplen Rache- Geschichte zugleich einen symbolischen Überbau. So trauert Peter Fonda, der mit seiner Rolle in "Easy Rider" das Verlangen einer ganzen Generation nach grenzloser Freiheit verkörperte, als ausgebrannter Plattenproduzent immer noch den "guten, alten Zeiten" hinterher. Terence Stamp, der entweder auf den Typus des Anti-Helden oder des harten Killers festgelegt war, vereint in der Figur des Wilson sogar beide Rollen-Klischees.

    Mit "The Limey" ist Steven Soderbergh ein nervenaufreibender Thriller gelungen, der durch seinen schnörkellosen Spannungsaufbau und die hervorragende Besetzung überzeugt. Dabei arbeitet der Regisseur mit allen Tricks. Denn sein Film treibt unerbittlich auf ein klassisches Showdown zu, um den Zuschauer schließlich mit einem unkonventionellen Ende zu überraschen.

    Birgit Heidsiek, dpa

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