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Kritik: Sexuelle Lockerungsübungen

Wieso er sich eine Nazi-Glatze rasiere, fragt die Mutter ihren Sohn, bevor sie erfährt, dass dieser schwul ist: Einer der wenigen etwas neueren Witze in der Ralf-König-Verfilmung "Wie die Karnickel", die am 12. September anläuft.

Seufz: Dem schwulen Comiczeichner und Drehbuchschreiber sind die Ideen ausgegangen. Lang ist's her, seit Ralf König mit "Der bewegte Mann" einen Riesenerfolg im deutschen Kino hatte.

Verlockungen allerorten

Sein neuer Film ist lediglich eine Variation des bewegten Mannes von vor acht Jahren, wobei das Thema schon damals nicht besonders frisch war. In "Wie die Karnickel" stagniert der Witzhorizont meist auf der Höhe einer Stammtischrunde, die ihre letzten Kinoerfahrungen zu Zeiten des "Schulmädchenreports" gemacht hat und bei der "Praline" neben dem Fernseher liegt. Und vielleicht ein paar Pornos im Partykeller: Als Vera diese bei ihrem Lebenspartner, dem Orchestermusiker Horst, findet, verlässt sie ihn wutentbrannt.

Zur gleichen Zeit zieht ein schwuler Nachbar ein, der sich als Horsts alter Kumpel Sigi herausstellt. Sigi ist ebenfalls frisch gebackener Single und ermutigt Horst zu sexuellen Lockerungsübungen. Horst hängt sich Pornoplakate an die Wand und lässt sich von der üppigen Diva Kriemhild Nastrowa vernaschen, während Sigi zwischen seinem Ex-Lover und einem schmucken Möbelpacker schwankt.

Lichte Momente mit schlagfertigem Dialogwitz

Und da auch dieser Film mit einer jener exhibitionistischen Hosen-runter-Szenen beginnt, die seit amerikanischen Teenie-Komödien zum guten Ton gehören, zählt man die Minuten, bis die nächste Wichs- beziehungsweise Kotz-Szene das Zuschauergemüt erfreuen soll. Horst im Sexshop, Buttermilch verspritzend in der Peep-Show, aus den Lederhosen ragende Hinterbacken schwuler Kumpel, allzeit bereite Blondinen – vieles ist so schlüpfrig-pubertär und riecht so aasig, dass man schier verzweifeln möchte.

Dabei hat die Komödie durchaus lichte Momente mit schlagfertigem Dialogwitz und spießt mit liebevollem Humor zwischenmenschliche Rituale auf. Vor allem bei Frauen und Homosexuellen zeigt sich Königs scharfe Beobachtungsgabe in vielen tragikomischen Alltagsdetails, die vom Fernsehregisseur Jens Nieswand aber meist ohne Gespür für Timing und Bildökonomie verschenkt werden.

Baden in Klischees

Vera, die graue Maus aus dem katholischen Siegerland, die Strapse kauft und sich auf Stöckeln den Knöchel bricht; Sopranistin Kriemhild mit ihrem saftigen slawischen Akzent, eine Männerfresserin von Gottes Gnaden; der Möbelpacker, dumm wie Brot, aber ach so scharf, – das sind Figuren, die in einer besseren Inszenierung für Lachstürme gesorgt hätten.

Ebenso verhunzt wurden ernsthaftere Ansätze, die Probleme des Andersseins zu verdeutlichen, etwa wenn Sigis Mutter zu Besuch kommt. Stattdessen wird wieder das altbackene Klischee vom extrovertierten, dauergeilen Homosexuellen hervorgekramt, als ob ein Klaus Wowereit nie existiert hätte; und Horst ist so tüdelig und spießig wie zuletzt die Menschen in Heinz-Erhardt-Filmen. Aber die waren lustig.

"Mut zum Masochismus, Baby"

Besonders hilflos gerät die Auflösung, in der das Feindbild einer "Emanze", gespielt von der Fernseh-Lesbe aus der RTL-Serie "Hinter Gittern – der Frauenknast", sich mit Pornostar Kelly Trump in die Haare bekommt. "Mut zum Masochismus, Baby", rät Sigi, als er mit Horst, warum auch immer, in eine Sex-Talkshow geht. Eine Empfehlung auch für Zuschauer dieser Klamotte.

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