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    Kritik: Sensible Liebesgeschichte aus dem deutschen Osten

    "Warum schlafen Männer mit Frauen, die sie nicht lieben?", fragt Anna. "Weil die Frauen, die sie lieben, mit anderen Männern schlafen", sagt David. Eine klassische Dreiecksgeschichte also.

    Die Nachwuchsregisseurin Vanessa Jopp hat aus dem altbekannten Thema einen leichtfüßigen, poetischen Liebesfilm gemacht. In ihrem Kinoerstling "Vergiss Amerika" erzählt sie von den Sehnsüchten, Hoffnungen und zerbrechlichen Träumen junger Menschen in der ostdeutschen Provinz und vermittelt damit mehr vom Lebensgefühl in den neuen Ländern als hundert Politikerworte zur deutschen Einheit.

    Die Geschichte spielt in dem fiktiven Ort Aschleben, dem "gottverdammtesten Dreckloch der Welt". David und Benno sind unzertrennliche Freunde. Der eine träumt von einer Karriere als Fotograf, der andere macht einen hoffnungslosen Autohandel mit amerikanischen Straßenkreuzern auf. Als die angehende Schauspielerin Anna in ihr Leben tritt, wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Anna verliebt sich zunächst in den Draufgänger Benno, öffnet sich aber immer mehr der beharrlichen Zuneigung des sensiblen David. Eine neue Liebe wächst, doch die Dinge werden alles andere als gut.

    "Das Thema ist eigentlich sehr universell", sagt Jopp im Gespräch, "aber Ostdeutschland hatte für uns den besonderen Reiz, uns in eine neue Welt vorzuwagen. Die Probleme sind dort existenzieller und aktueller als irgendwo in Hinterpfuiteufel." Durch Freundschaften und Besuche hat sich die gebürtige Schwäbin einen Zugang zu den Menschen verschafft. "Der Osten ist im Moment der Ort, wo die meisten Dinge in Deutschland passieren - oder eben nicht passieren. Das gibt der Geschichte einen ungeschminkteren Look, macht sie direkter."

    So lebt der Film von der Liebe zum Detail. Wenn David etwa Tüten voller Billigprodukte aus dem Supermarkt heimschleppt, um den kleinen Einzelhandel seiner Mutter am Laufen zu halten, oder wenn die beiden Freunde den klapprigen Rollstuhl des Vaters mit einem Motor Marke Eigenbau zur Rennmaschine aufmotzen, entsteht eine authentische Stimmung.

    Ein Glücksgriff sind dabei die Schauspieler. Besonders Marek Harloff (David) und Roman Knizka (Benno) machen als ungleiches Freundespaar die Spannung zwischen Nähe und Konkurrenz, Zuneigung und Eifersucht greifbar. Wohltuend ist auch, dass der Film trotz seiner romantischen Töne kein billiges Happy End liefert. "Vergiss Amerika" - das heißt für die jungen Leute auch Abschied von ihren Träumen. "Wenn es so etwas wie eine Botschaft des Films gibt", sagt Vanessa Jopp, "dann die: Mach' dein Ding hier und jetzt."

    Für die inzwischen in Köln lebende Regisseurin war die Drei- Millionen-Mark-Produktion ihr Abschlussfilm an der Münchner Filmhochschule und zugleich das Debüt auf dem freien Markt. Schon vor dem Kinostart erhielt der Streifen eine Reihe von Auszeichnungen, unter anderem im Juli beim Münchner Filmfest den Regieförderpreis der HypoVereinsbank. Vanessa Jopp, so befand die Jury, zeichne ihre Figuren mit so viel Liebe, Zärtlichkeit und Humor, dass sie einem nicht in ihrer Rolle, sondern als Menschen ans Herz wachsen.

    Nada Weigelt, dpa

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