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Rolling Stones

Kritik: Scorsese kämpft mit den Rolling Stones

Angekündigt wurde "Shine A Light" als Dokumentation über die Doch was Regisseur-Legende Martin Scorsese heute in die Kinos bringt, ist eine miserable Dokumentation geworden – brillant ist der Film hingegen als Konzertmitschnitt!

Wer den Göttern zu nahe kommen will, kann böse auf die Nase fallen, sollte er zu den Sterblichen gehören. Martin Scorsese wollte eine Dokumentation über die Rolling Stones drehen – und da er einer der größten lebenden Hollywood-Regisseure ist und längst im Film-Olymp weilt, kann man ihn eigentlich nicht zu den "Sterblichen" zählen. Doch selbst ein Scorsese stößt an seine Grenzen, wenn er sich mit den Rolling Stones einlässt.

"Shine A Light" eröffnete die Berlinale und wurde bejubelt (natürlich; schließlich waren die Stones persönlich anwesend). Und Fans der Gruppe werden jeden Zentimeter Film lieben, den Scorsese und diverse oscargekrönte Kameraleute gemeinsam gekurbelt haben. 150 Kilometer Film sollen es sein, die zwei Stones-Konzerte vom 29. Oktober und 1. November 2006 im New Yorker Beacon Theatre für die Ewigkeit festhalten.

Das ist alles gigantisch, ja. Und das Konzert von Mick Jagger und Co. scheucht dem Zuschauer das Kribbeln der Begeisterung über den Rücken, einverstanden. Aber dennoch: "Shine A Light" ist keine Dokumentation. Kein Film, der hinter die Kulissen blickt, der den Stones nahekommt. Sollte das wirklich Scorseses Anspruch gewesen sein, so hat er sein eigenes Ziel meilenweit verfehlt.

"Shine A Light" ist ein aufwendiger Konzertfilm, sensationell von den Stars hinter der Kamera fotografiert. Am Anfang des Films werden wenige Minuten ausgegeben, um die Konzert-Vorbereitungen zu zeigen. Diese Momente offenbaren vor allem eins: Wer so groß ist wie die Stones, muss sich nicht mehr um Absprachen kümmern und muss auch nicht planbar sein. Bis zuletzt kennt Scorsese die Reihenfolge der Lieder nicht, die die Stones spielen werden, bis zuletzt kann er seine Super-Mannschaft an Kameraleuten nicht einweisen. Ein launiger, fast bissiger Einstieg – als ob Scorsese leicht grummelnd darauf hinweisen wollte, dass man so mit ihm nicht umgehen kann.

"Hinter den Kulissen" ist Scorsese ansonsten kaum anwesend. Eine wackelnde Handkamera hechelt am Ende des Konzerts den vier leergespielten Helden hinterher – das war's. "Hinter den Kulissen" heißt bei "Shine A Light" richtigerweise "Aus dem Archiv". Die einzigen Eindrücke aus der Denke und dem Leben der Stones bekommt man aus Einspielern, die längst vergangene Interviews wieder ans Tageslicht zerren. Diese Einspieler sind clever ausgewählt, es wurde viel Recherchearbeit investiert, um sie ausfindig zu machen – und sie sind durchaus ironisch. Keith Richards mit verklärtem Blick auf der Suche nach dem roten Faden in seinen eigenen Sätzen – das hat auch heute noch Unterhaltungswert. Und wenigstens vermag Scorsese dem Film auf diese Art und Weise dennoch seinen Stempel aufzudrücken und ein eigenes Konzept erkennen zu lassen.

Michael Defrancesco, RZ

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